Auf der Suche nach Informationen über Zinn, weil wir uns ja eine Kupferreine, die mit Zinn beschichtet ist, geleistet haben, bin ich auf amüsante Geschichten gestoßen, die ich euch nicht vorenthalten will.

Aber zuvor noch schnell erzählt oder besser gesagt aufgezählt die Informationen, wegen denen ich überhaupt das Internet konsultiert habe:

Zinn ist ein Schwermetall, ja wer hätte das denn gedacht! Und schmilzt schon bei 231 Grad Celsius. Das ist also der Grund, warum man die Reine nicht überhitzen darf. Das Zinn geht dann wohl ab. Zinn ist leicht formbar und billig und war deshalb früher so beliebt, um alles Mögliche daraus herzustellen. Zinn war eigentlich das Material aus dem man Zinntöpfe, Zinnpfannen und Zinnkrüge und so weiter herstellte, nicht Kupfer. Kupfer konnte sich nicht jeder leisten. Kupfer wurde nur deshalb mit Zinn dünn beschichtet, um den giftigen Grünspan, der sich auf Kupfer gern bildet, zu vermeiden.

Doch nun zudem, was ich sonst noch herausfand.

Tin Pan Alley – scheppernd wie billige Zinnpfannen

Um die Entstehung dieses Namens ranken sich die seltsamsten Geschichten – so seltsam wie die um die Entstehung des Tiramisu‘. Zinnenpfannengasse wurde jene Gegend in New York genannt, in der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Musikindustrie ihren größten Einfluss ausübte. Dort waren die Musikverleger ansäßig und ließen sich auf Pianinos vorspielen. Diese Pianinos waren kompakt gebaut, aufrecht stehend wie man sie aus Wild West Filmen kennt und hatten nicht gerade den großen Klang eines Konzertflügels, auch das weiß man ja aus genau diesen Filmen. Wenn die Komponisten in die Tasten hauten, um ihre Werke vorzustellen, klang das von draußen gehört angeblich so wie das Scheppern von Zinnpfannen und schon war der Name „Tin Pan Alley“ geboren. Nicht gerade charmant, doch der Name Tin Pan Alley blieb, ja er wurde sogar zum Begriff für die ganze „Musikindustrie“ ausgebaut . Noch ein paar Jahrzehnte später, nachdem es die Tin Pan Alley schon nicht mehr gab, wusste man Bescheid, was mit Tin Pan Alley gemeint war.

Harry von Tilzer

Eine andere Mär besagt hingegen, dass einer der populärsten Komponisten der damaligen Zeit, ein gewisser Harry von Tilzer, in einem Interview, das er in diesem Musikviertel gegeben hatte, damit angegeben habe, seinen edlen Konzertflügel  mit Papierstreifen so zu modifizieren, dass er einen Anschlag wie eine Percussion bekam. Der Journalist fand, dass er wie aneinander schlagende Zinnpfannen  klang und nannte deshalb gleich den ganzen Zeitungsartikel „Zinnenpfannengasse“. Aha, da her der Name. So hat sich das also zugetragen!

Das ist meiner Meinung nach ziemlich unglaubwürdig.  Mir scheint viel mehr, dass der gut begüterte Harry von Tilzer, der sich aufgrund seines Riesenerfolges einen Kindler & Collins Flügel leisten konnte, sich über die Kollegen in der Nachbarschaft mit ihren billigen Pianinos lustig machte und demonstrierte, auch er könne diesen Sound mit seinem tollen Klavier bekommen, wenn er wollte. Die anderen umgekehrt konnten seinen großartigen Sound eher nicht herbeiführen, die hatten ja nur diese Pianinos. Ätsch, ätsch, Harry, was?

Harry von Tilzer, wenn ihr den nicht kennt, dann kennt ihr vielleicht einen seiner Songs: „Wait ‘Till the Sun Shines, Nellie“, den Sommerhit von 1905. Ach, kennt ihr auch nicht? Naja, auf der New York Stock Exchange singen sie das noch jedes Jahr vor Weihnachten, das habt ihr sicher schon mal gesehen? Was auch nicht? Aber hier ist ein Video und tatsächlich. Sie singen es wirklich!

Anderes aus Zinn: Tin Whistles

Wer sich davon überzeugen lassen will, dass Zinn auch in Musikinstrumenten Verwendung findet, höre sich dieses 40 Jahre alte Musikstück von Jethro Tull an, „The Whistler“.

Was Ian Anderson hier spielt, ist eine Tin Whistle. Das ist eine kleine Flöte, die traditionellerweise aus Weißblech hergestellt wird. Weißblech ist aus Stahl, das verzinnt wird, um es vor Korrosion zu schützen. Die Tin Whistle entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts ziemlich genau zu der Zeit, als das Industriezeitalter in Großbritannien mit der Stahlproduktion loslegte. Damit ist verständlich, dass die Tin Whistle von den britischen Inseln stammt. Sie ist bis heute in der Irish Folk Music beliebt. Beachtlich, was man für Töne aus so einem kleinen Instrument hervorbringen kann, nicht?

Heavy Metal

Ein Jahrzehnt später erhielten Jethro Tull einen Grammy in der Kategorie „Heavy Metal“. Das empörte die Musikergilde vor allem Metallica. Wie kann es sein, dass die Band rund um den komischen Kauz mit der Querflöte einen Heavy Metal Award verliehen bekommt? Die spielen ja gar nicht Heavy Metal!  Tulls Plattenfirma, die mindestens genauso überrascht war und gar nicht mit dem Grammy gerechnet hatte, annoncierte daraufhin ganzseitig in Musik-Zeitschriften und um den Gewinn des Grammys zu feiern: „The Flute is a Heavy Metal Instrument“ . Wenn man dabei an die Tin Whistle denkt, ist das gar nicht mal so falsch.

So, liebe Leute, das war es mal wieder bis zum nächsten Mal! Da gibt es dann wieder etwas aus der Kupferreine. Und nicht darüber, im Entferntesten.

Links:

NYSE Traders Sing „Wait ‘Till the Sun Shines, Nellie“

Jethro Tull – The Whistler

6 Comments

  1. Bei uns gab es Spargel, mit Schnitzel und Kartoffeln. War lecker trotz der Hitze. Anschließend haben wir noch Erdbeeren frisch vom Feld genascht.
    Dein Beitrag zur Bratreine, bzw. Zinn war sehr interessant, Danke.
    Liebe Wochenendgrüße wünscht dir, Christian
    Roswitha

  2. Sehr unterhaltsam – dein Ausflug in die Welt des „Zinns“. Christian! Wenn ich Zinn höre, denke ich immer an diese Zinnfiguren, die manche Leute sammeln, Dekoration zum Beispiel oder diese Zinnkrüge, die ich schon immer furchtbar fand, aber deine Bratreine sieht ja nicht nach Zinn aus, obwohl Zinn drin ist. Kupferkessel oder Kupferpfannen haben wohl dann alle innen drin Zinn? Materialkunde ist interessant wie ich finde. LG, Sigrid

    1. Danke Sigrid! Ich habe auch so einen Zinnkrug mit persönlicher Gravur, den bekam ich als ich 30 Jahre alt wurde. Fand ich damals schrecklich, nicht das Alter. Heute bin ich stolz darauf, einfach dafür, ihn bekommen zu haben.
      Moderne Kupferpfannen oder was auch immer haben kein Zinn mehr innen drinnen, weil das so leicht herunter geht. Sie haben meist an dessen Stelle eine dünne Stahlbeschichtung. Aber ich habe mir diese Reine geleistet, weil ich mal sehen wollte, wie das Original ist. Und die brummt auch irgendwie anders! Diese Reine sieht auch aus wie aus dem Museum! 🙂
      Vielleicht kaufe ich mir noch die Baine Marie. Darüber denke ich ernsthaft nach.
      Liebe Grüße
      Christian

      1. Oh ja, das verstehe ich gut. Du probierst ja gerne viel aus. Ein Zinnkrug als Erinnerung ist ja auch was „Anderes“ – ein Geschenk eben. Ich koche mit Silargan-Töpfen und habe nicht mal nachgelesen, was das eigentlich für ein Material ist. Nur dass es sehr gut sein soll und ich brauchte die Töpfe für meinen Induktionsherd. Bin eigentlich zufrieden damit und im „Rohr“ nehme ich gerne mal meinen Römertopf. Hier ist es heute sehr, sehr warm und es gibt nur einen kalten Wurstsalat mit vielen Radieschen und Gürkchen. Ich mag das ! Ein schönes Wochenende dir und der Küchenfee 😀 Sigrid

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