Rehfrankfurter, Wildkäsepuszta, Wildpuszta

Würstel sieden

Endlich geschafft! Wir waren am Bad Vöslauer Wochenmarkt und der Jäger war auch da! Wie in alten Zeiten damals auf der Freyung, gab es eine Leberkässemmel zum Einstimmen, nur war die diesmal vom Hirschen! Für Weihnachten sah’s eher trist aus, alles schon weg, Vorbestellungen wurden nur bis 8. Dez. angenommen, lang vorbei. Wildschwein gab es noch, das gibt’s dann morgen am 4. Adventsonntag. Doch für Weihnachten müssen wir uns was anderes überlegen.


Rehfrankfurter, Wildpuszta, Wildkäsepuszta. Die Rehfrankfurter waren knackig, wie Wiener Würstel es sein müssen. Die Wildpusztawürstel mit/ohne Käse waren fleischig, scharf – – ein Genuß. Da braucht‘s keinen Senft, nur zu den Rehfrankfurter. Perlzwiebeln und Gurkerln aus dem Südburgenland (Südobst).

Endlich Urlaub!

Nach der Firmenweihnachtsfeier ging‘s ab in den Urlaub. Auf der Fahrt hin zum Lokal, wo die Weihnachtsfeier stattfand, wurden wir von einem Kollegen mitgenommen. Der fahrende Kollege wollte mir zeigen, was ein modernes Auto alles kann, und so sollte ich einen Musikwunsch dem Auto-Musikpavillon gegenüber äußern. Doch o weh! Das Ding verstand „George Bizet Carmen das Vorspiel“ nicht richtig! Aus George machte es Schorsch. Aus Bizet machte es PC. Und aus dem Hinweis, daß es sich um eine OPER handelt, machte das Ding einen OPA. Ja so wird das nichts. Meine Firmenkollegen amüsierten sich prächtig! Dabei wird Carmen nach jedem Formel-1-Rennen bei der Champagnerdusche während der Siegerehrung gespielt. Womit bewiesen wäre, mit Hochkultur hat die neue Technik nichts am Hut, und sei sie noch so populär. Austropop im Wiener Dialekt dagegen, „Wolfgang Ambros Da Hofa“, verstand das Ding auf Anhieb. Nächstes Jahr werde ich Georg Friedrich Händel „Zadok The Priest“ bestellen. Spielt‘s bei jedem Champions-League-Spiel…

George Bizet: Carmen, Vorspiel und Habanera, Maria Callas, Georges Prêtre, NDR Symphonieorchester. Der Weltoperntag fällt auf George Bizets Geburtstag.

https://www.ardmediathek.de/video/ard-klassik/bizet-carmen-vorspiel-zum-1-akt-und-habanera-maria-callas-georges-pretre-ndr-symphonieorchester-ndr/ard/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE0MzQyNDM

Fotos und Text © 2025 https://kuechenereignisse.com

Sauerkraut und Wurst mit Burgunderblut

Wurst und Sauerkraut und Burgunderblut

Wenn […] alles schnarchet, Roß und Mann,

Vor meiner Trommel säß‘ ich dann:

Die Trommel müßt‘ eine Schüssel sein,

ein warmes Sauerkraut darein,

Die Schlegel Messer und Gabel,

Ein lange Wurst mein Sabel,

Mein Tschako wär‘ ein Humpen gut,

Den füll‘ ich mit Burgunderblut.

Aus „Der Tambour“ von Eduard Mörike in „Sämtliche Gedichte in einem Band“, S. 270, Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig 2001.

Doch fällt dem Tambour seine Liebste ein und der Spaß hat sein End. Wenn nur meine Mutter hexen könnt‘… sind seine letzten Worte.


Na so theatralisch ging ‘s bei uns nicht zu. Ich wollt‘ nur wissen, ob des deutschen Söldners mitternächtliche Schwelgereien einen handfesten Hintergrund haben. Sauerkraut mit Wurst konvenierte mit einem Pinot Noir, dem Burgunderblut? Das möcht‘ ich probieren, flugs war ein Pinot Noir organisiert beim örtlichen Spirituosenkontor. Und ich muß sagen, er hat es sich nicht zusammengereimt, es schmeckt tatsächlich, es reimt sich nicht nur.


Eduard Mörike, Hauptvertreter des Schwäbischen Biedermeiers, schrieb dieses Gedicht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vertont hat es Hugo Wolf 1888, durch den seine Lieder weit über alle Grenzen hinweg berühmt wurden. (S. 480 Sämtliche). Mir vorliegend in einer Aufnahme von Dietrich Fischer-Dieskau und Daniel Barenboim, 1974

Das ganze Gedicht hier zum Nachlesen:

https://www.mumag.de/gedichte/moe_e20.html

Sauerkraut und Erdäpfel: Gemüsestandl, Wochenmarkt Bad Vöslau

Bratwürstel: Fam. Bscheider, Wochenmarkt Bad Vöslau

Wein: Bourgogne Pinot Noir, Domaine Fourrey, 2023

Der Vöslauer Wochenmarkt

Diesen Samstag haben wir es geschafft, auf den Wochenmarkt in Bad Vöslau hinauszufahren, mit dem Zug, aber der Jäger war nicht da, der weilte ausnahmsweise in Markt Piesting. Wir haben uns trotzdem wohl gefühlt, ein schöner Wochenmarkt – und haben groß eingekauft: Rohmilch, Bratwürstel, Bauern-Jausenpaket mit Geselchtem, Preßwurst, Aufstrich und Jausenwurst (Fam. Bscheider), einen mittelalterlichen Glühwein, Zierfandler Essig, einen Himbeerpunsch, Roggenbrot, Powidltatschkerl, Weingebäck mit Traubenkernmehl, Selleriesalz, Basilikumsalz, Bad Vöslauer Oxymel, das ist ein Sauerhonig zum Aufspritzen (Wilson’s Garden), Waldviertler Hascheeknödel, Kürbiserdäpfelknödel, Erdäpfelknödel mit Schweinsbraten u. Kümmelbraten gefüllt, alles aus dem Waldviertel, dazu natürlich Waldviertler Mohnzelten, steirischen Ingwer und gerissenen Kren, echt scharf! Honigseife, Vorarlberger Bergkäse, Schafkäse uvam. Alles feinste Feinkost. Als wir wieder zurück in Wien waren, in Liesing umstiegen, hat uns gleich ein Dönergeruch umgehauen. Da wußten wir, wir sind wieder in Wien. Uns zieht‘s zurück nach – Bad Vöslau.

Eduard Mörikes Tambourgericht

Das Sauerkraut und das Bratwürstel haben zum Burgunder geschmeckt. Doch noch besser waren die Debreziner dazu! Die Debreziner waren trocken, vermutlich weil sie beim Braten Fett abgegeben haben, wie der Spritzer auf der Hauswand hinter dem Herd bezeugt. Diese Trockenheit verleitet dazu, einen Schluck vom Burgunderblut zu nehmen; – ein Schluck Bier hätt’s auch getan, aber ein Schluck vom Rotwein, zumal vom Burgunder – ist schon ein edles Tröpferl – läßt einen viel mehr dahinschmelzen: der löscht nicht profan den Durst, sondern verzögert das Verlangen, das Verlangen läßt nur langsam nach.  Wie auch Weingebäck eine staubige Angelegenheit ist, die den Wein aufsaugt.

Fotos und Text © 2025 https://kuechenereignisse.com