Fasten brechen mit Tomme de Brebis und einem Kalb

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Rezept Kalbssteaks mit Spinat, Ofentomaten und Tomme de Brebis

Getrocknete Knoblauchtomaten Blanchiere die roten Tomaten, ziehe die Haut ab, viertels und entferne die Kerne. Vermische gehackten Thymian und Salz in einer Schüssel. Lege die Tomaten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech. Schneide die Knoblauchzehen in Scheiben und legs auf die Tomaten. Schalte das Backrohr auf 140 Grad und trockne darin die Tomaten, etwa 1 ½ Stunden lang. Ofentomaten Blanchiere die großen Ofentomaten, ziehe die Haut ab, schneide die Kappe ab, legs in eine ofenfeste Form, beträufels mit Olivenöl, bestreus mit Salz und bestreichs mit etwas Honig.  Bedecks mit Folie und gare die Tomaten im Backrohr bei 140 Grad etwa eine Stunde lang. In der Zwischenzeit schneide die getrockneten Tomaten in grobe Stücke und verquirle den Schafsmilchtopfen mit etwas Knoblauchpaste, reibe den Tomme de Brebis. Wenn die Ofentomaten fertig sind, nimms heraus aus dem Ofen, gib auf jedes Tomatenstück einen Batzen Schaftopfen,  bestreus mit Käseabrieb. Schiebs nochmal in den Ofen für einige Minuten. Spinat Schneide die Wurzeln von den Spinatblättern, waschs und schleuders, gib Olivenöl in eine Kasserolle, spieße eine geschälte Knoblauchzehe auf eine Gabel, gib jeweils eine Handvoll Spinat in die Pfanne und rührs mit der Knoblauchgabel um. Wenn der Spinat in sich zusammengefallen ist, gib weitere Spinatblätter nach.

Frischer Spinat mit Wurzeln ist knackig und fällt nicht gleich zusammen wie das Gebilde aus der TK-Packung.

Und sieht auch viel schöner aus.

Kalbssteaks Erhitze einen Faden Olivenöl in einer Pfanne und brate die Kalbssteaks auf beiden Seiten an. Gib Knoblauchzehen und Thymianzweige dazu und gare ein paar Minuten nach. Anrichten erhitze Teller im Backrohr. Gib die Kalbssteaks auf die erhitzten Teller, stell die Pfanne zurück auf den Herd und lösche den Bratensatz mit dem gestern vorbereiteten Kalbsjus ab. Gib den Spinat auf den Teller, platziere eine Ofentomate darauf und beträufele die Steaks und das Gemüse mit der Sauce.


 Angelehnt an Ducasse Nature, S. 316. (Kein Zucker dabei wie bei Ducasse)

Kalbfleisch von der Fleischerei Ringl.

Dazu ein Glas von Umathums köstlichem königlichem Wein, dessen Rebsorte und Jahrgang es verboten ist, in Österreich zu nennen.

Nimm dies, tu das!

Im alten Sacherkochbuch von Maier-Bruck fand ich ein Exzerpt aus einem noch älteren Kochbuch, das im Imperativ geschrieben war. Also „Nimm“ statt „Man nehme“ was man heutzutage eigentlich auch nicht schreibt. Ich finde die Befehlsform gar nicht so schlecht, da sie das Verb voranstellt und man nicht erst einen Haufen Substantive lesen muß, um herauszufinden, was überhaupt damit geschehen soll, bei Aufzählungen ist das manchmal etwas mühsam. Also: Nimm!

Nimm ein kälbernen Schlegel, schneide Schnitzeln darvon, klopf es mit einem Messer wohl ab schön breit, spicks mit Speck, und bestreu es mit Semmelbresel, bachs ganz gäh in Schmalz heraus, hernach legs auf eine Schüssel, gehackte Sartellen, Milchram, Butter, Lemonisaft, und Schäller laß es ein wenig aufsieden, gibs auf die Tafel.

Aus „Kleines österreichisches Kochbuch“, 1798

1798 – offensichtlich handelt es sich hierbei um eine der ersten schriftlichen Aufzeichnungen eines Rezepts für Schnitzel, lange bevor das echte Wiener aufkam. Was auffällt, ist das Zusammenziehen eines im Imperativ stehenden Verbs mit seinem angeschlossenem Reflexivpronom; also zum Bespiel: „Nimm es“ wird zu „Nimms“, „Spicke es“ wird zu „Spicks“. Diese Syntax ist unserer heutigen Zeit verloren gegangen, sie ist nur mehr umgangssprachlich gebräuchlich. Wir habens in unserem Rezept wieder aufleben lassen.

Quelle: Franz Maier-Bruck: Das Große Sacher-Kochbuch, S. 270 Gebackene Schnitzeln.

Fastenbrechen

Zu Ehren des konspirativen Würstelessens im Hause Froschauer in Zürich gab es bei uns die Kalbssteaks mit Spinat, Ofentomaten und Tomme de Brebis. Das Würstelessen fand vor genau 500 Jahren statt, am ersten Sonntag der Fastenzeit und brach somit die Fastenzeit, was damals eine Ungeheuerlichkeit war. Dank 500 Jahren Aufklärung, Aufbruch in die Neuzeit und der großen Befreiung von der religiösen Bevormundung können wir uns selbst an einem Fastensonntag den Bauch vollschlagen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Gottseigelobt! Auf das europäische Projekt der Aufklärung!

Quelle:

NZZ Feuilleton „Was die Reformation unter Freiheit verstand“

Schnitzel mit nacktem Orangen-Tomatensalat

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Vermutlich geziemt es sich nicht, die marinierten Hühner-Schnitzel schon nach zwei Tagen ein weiteres Mal zu kredenzen. Aber sie waren so gut, und wir hatten ja angekündigt, sie zu wiederholen, wenn auch nur in einem Kommentar. Im Mittelpunkt steht sowieso der „nackige“ Orangen-Tomatensalat. Alexander Herrmann nennt diesen Salat, dessen Protagonisten nicht in Schale geworfen, sondern ihrer entledigt sind, „scharf“. Was wohl eher der Chili geschuldet ist, die da mittendrin ist. Die Schale der Tomate ist schwer verdaulich, wie das Weiße der Orange ist sie keine Spezerei.

Die Tomatenvielfalt blanchieren, die Haut abziehen und in mundgerechte Stücke schneiden. Aus den Orangen die Filets schneiden, das Weiße entfernen. Tomaten und Orangenfilets auf dem Teller anrichten.  Weißweinessig, den aufgefangenen Orangensaft, Olivenöl, Salz, Chili, gehackte Minze und Basilikum zu einer Marinade verrühren und die Tomaten und Orangenstücke damit beträufeln.

Einem Rezept aus Alexander Herrmann „Schnell mal was Gutes“*, S. 123 nachempfunden.

Schnitzel wie hier.

Kürbissuppe mit Dille In der Pfanne herausgebackene Pizza

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Mir kommt vor, dass die Pizza durch das Herausbacken in der Pfanne knuspriger wird. Sieht ein bisschen aus wie Langos. Das mag als Pizza vielleicht nicht ganz durchgehen. Geschmacklich jedoch einwandfrei, ich ziehe meinen imaginären Pizza-Hut vor diesen belegten Teigfladen.

Kürbissuppe mit Dille

Eine Stange Lauch in Scheiben schneiden, in einem 1 EL Butterschmalz anschwitzen, geschälte und gewürfelte Kürbisse, Eichel, Ufo und Baby Bear, dazu geben, ein paar Minuten mitschwitzen. Reichlich Knoblauch, 4 Zehen, und 1 EL Kümmel einrühren, mit Rinderbrühe aufgießen, sodass alles bedeckt ist. Kürbis weichkochen. Pürieren. 150 bis 200 ml Schlagobers dazu gießen, mit Apfelessig und Salz abschmecken, zum Schluss die Dillspitzen einrühren, Kürbiskernsplitter als Suppeneinlage dazu geben und servieren. Mit Tropfen von Kürbiskernöl beträufeln.

In der Pfanne herausgebackene Pizza

Für 4 Portionen

In 500 g Pizzamehl 21 g Germ, d.h. einen halben Germwürfel, hineinbröseln, mit 280 ml lauwarmem Wasser aufgießen, 1 TL Salz, 1TL Honig und 2 EL Olivenöl dazu und dann mit dem mit Knethaken bestückten Handrührgerät ein paar Minuten durchkneten. Auf die Arbeitsfläche legen und mit der Hand schön durchkneten, mit einem nassen Geschirrtuch abdecken, 20 Minuten gehen lassen. Auf die bemehlte Arbeitsfläche den Teig legen, vierteilen, durchkneten, ausrollen, Butterschmalz in der Pfanne erhitzen, sodass es schön heiß ist und einen Fladen hineinlegen. Beidseitig knusprig braten, eine Seite braucht zirka 2 Minuten. In einem Mörser zerkleinern: Fenchelsamen, Meersalz, Chili und grob gehackte Basilikumblätter, durch das Salz trocknet es auf. Die Teigfladen mit Tomaten und zerzupften Büffelmozzarella belegen, mit dem Kräutersalz bestreuen und mit Olivenöl beträufeln.

nach Alexander Herrmann, Schnell mal was Gutes*, S. 40

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Tomatensuppe mit Bronzefenchel und Ziegenweichkäse

Die Tomaten sind den Ochsenherztomaten nicht unähnlich: gerippt wie von Muskelsträngen, dunkelrot mit Einfärbungen, die ins Schwarze gehen, wie mit einem schwarzen Schleier umhüllt, daher wohl der Name „Marquise noire“. Die Schwarze Markgräfin kommt aus der Bretagne, aus Plougastel im Départment Finistère, dem äußersten Spitzel vom Spitzel sozusagen, das weit ins Meer hineinragt, wo die See kocht und das Land auf drei Seiten umtobt.

Espárragos y langostinos empanados

Gebratener grüner Spargel aus der Region Madrid, die für Spargel und Erdbeeren weit über ihre Grenzen hinaus bekannt ist. Garnelen, die mit gepopptem Vollkorn-Quinoa paniert sind. Eine Tomatensauce mit den klassischen Mittelmeerkräutern Thymian, Rosmarin, Basilikum. Alles in allem eine kleine, aber feine Vorspeise. Nach einem Rezept von Shane McMahon. Bei diesem Gericht ist schon sehr stark die Vorliebe der Engländer für die Iberische Halbinsel zu bemerken.