Trotz der Beteuerungen der Küchenfee, es läge alleine daran, daß es so gut schmecke, weil die Zutaten von so hoher Qualität sind – jene Zutaten, die wir von Iris aus Purbach im Burgenland haben, konnte sie uns nicht überzeugen. Die Küchenfee kann gut kochen, das war der Grund aus unserer Sicht. Daß die Zutaten natürlich nur von feinster Qualität sein sollten, versteht sich dabei von selbst.
Und so gab es:
Fenchelsuppe, mit Topping Paprika, Oliven und Avocado und Fenchelgrün
Schopf (Schweinenacken) mit Pilzragout und Buttererdäpfel, Pilze mit Kräuterseitlinge, Champignon, Shiitake u.ä
Erdbeerjoghurt mit gerösteten Mandeln
Der Schopfbraten war grillfertig aus dem Bauernladen in Eisenstadt. Gemüse und Erdbeeren von Iris Gemüseraritäten, Purbach.
Beim Vorbeifahren, wir drehten eine Runde um zu tanken, sahen wir, wie gerade die Thermobox geliefert wurde. Zu spät für dieses Mal.
Schneider, Gewürztraminer Sekt Austria Reserve Burgenland Vinothek, Purbach, Bgld. Grund zum Feiern gab es auch.
Am Samstag waren wir bei Iris Gemüseraritäten, unsere Bestellung abholen. Das Gemüse wurde am Morgen geerntet und war ab 10:30 in Purbach abholbereit. Iris hatte uns telefonisch nicht erreicht, um zu erfragen, wann genau wir kämen. Sonst richtete sie uns alles her in einer Kiste, damit man es nur noch mitzunehmen brauchte. So blieb alles in der Kühlvitrine. Gemüse direkt vom Feld ist frisch. Und damit das auch so bleibt, auf der langen Fahrt nach Hause, werden wir uns eine Thermobox zulegen, wie uns das Iris empfohlen hat und die Gastronomie verwendet. Dieses Mal haben wir den Einkauf in Bastkörben nach Hause gefahren.
Die Große Transformation nimmt langsam Formen an. Der Lebensmittelhandel in Wien, sei es Supermarkt oder Lieferdienst, wird in Zukunft ohne uns auskommen.
In Eisenstadt beim Bauernladen versorgten wir uns mit Schafkäse, Topfen, Wurst, Eier, Fischsuppe, u.ä.. Die Rohmilch von Amtmann in Oberschützen/Burgenland war aus. Und so mußten wir zu Denn’s rüber und auf Rohmilch von Hirsch aus Artstetten/NÖ ausweichen. Im Bauernladen hängt eine Liste der liefernden Bauern, sie kommen aus Eisenstadt Umgebung (EU).
Liste der BauernEinkauf vom Bauernladen in EisenstadtVon Iris GemüseraritätenEinkauf Bauernladen, im Hintergrund: Iris GemüseraritätenAsia-Suppe mit BuchweizennudelnOfenkartoffeln mit KräutertopfenOfenkartoffeln mit KräutertopfenOfenkartoffeln mit KräutertopfenOfenkartoffeln mit Kräutertopfen
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Wir leben ja in der besten aller möglichen Welten und wer’s nicht glaubt, der möge diese Geschichte einer kulinarischen Umorientierung lesen, eine wahre Begebenheit!
Wir fuhren nach Eisenstadt in die Markthalle „Kulinarium Burgenland“ vor dem Schloß Esterházy. Dort gab es auch Brot von Joseph und Öfferl, man sieht, es geht auch ohne gurkerl, doch wir nahmen Brot von Pannatura, einen Sandwichwecken, den „Pan nonier“. Von Pannatura gab es noch: Hirschschnitzeln, Wildschweinschnitzeln, Bratwürste, Esterházy-Eier und da es auch heißen Leberkäse gab, Wildleberkäse noch dazu, konnte ich nicht widerstehen und eine frische Leberkässemmel essen, auch die Küchenfee nahm eine. Bei Martina’s Brotkultur nahmen wir Oliven, einen geräucherten Saibling, korsischen Schafkäse und Thunfischaufstrich. Fisch vom Neusiedlersee gab es nicht, da gerade Schonzeit ist, erst im Juni wieder! Von der Markthalle nebenan nahmen wir ein Angus-Geselchtes mit sowie Majoran, Lorbeerblatt, u.s.w.
Es geht auch ohne gurkerl, man muß nur ins Burgenland fahren.
Womit bewiesen wäre, wir leben ja doch in der besten aller möglichen Welten; – eine Welt, die immer noch besser werden kann.
Wir fuhren bei Iris vorbei, doch leider war der Stand mit den Gemüseraritäten in Purbach geschlossen. Wir waren ratlos, hat sie für immer geschlossen oder sind wir nur zu früh da? Dabei war sie doch erst kürzlich im Fernsehen zu sehen. (War eine Wiederholung.)
Beim Stekovics in Frauenkirchen gab es nur Eingeglastes, keinen Knoblauchzopf, so fuhren wir weiter zum Rommer, einem Hofladen bei der Basilika, dort gab es Kartoffeln, „rote kleine“ und Ofenkartoffeln. Dann ging es weiter zum Leeb nach St. Andrä, doch konnte ich nicht ungeschaut beim Umathum vorbeifahren. So kamen noch ein Pinot Noir und ein Kirschgarten dazu, das ist ein Blaufränkisch. Die Küchenfee nahm einen Traubensaft. Josef Umathum war gerade mitten in einer Weinverkostung mit einem Englisch sprechenden Herrn und einer Dame, die aber auch deutsch sprach. Beim Umathum habe ich auch gesehen eine Holzkiste mit 15 Flaschen einer Burgenland-Auswahl, Ernst Triebaumer, Feiler-Artinger, Krutzler, Paul Achs, Kollwentz, Hans Igler, Leberl, Kerschbaum, Giefing, Gesellmann, Juris sind dabei – und Umathum natürlich selbst! Da erschien vor dem geistigen Auge die Aussicht auf der Terrasse, den ersten Roten aus der Holzkiste im Dekantierer und ein Glas davon in der Hand. Doch diese nahmen wir nicht mit, ebenso nicht die Kiste mit den 5 neuen Weinen und einer historischen, pannonischen Sorte. Erst bis es uns endgültig ins Burgenland zieht. Die werden wir nicht hinundher spazieren fahren.
Beim Leeb waren die Kirschen gerade aus, nur welche zum kosten waren da, die schmeckten ausgezeichnet! Wir nahmen den Kronprinz Rudolf sparkling, einen Apfelschaumwein, sowie Mariella, einen naturtrüben Apfelsaft, Silbermedaille, Pinova, ebenso naturtrüber Apfelsaft, Goldmedaille, das heißt das ist der Landessieger des Burgenlandes 2026. Sowie ein Freiraumgold “Kronprinz Rudolf“ ebenso ein naturtrüber Apfelsaft.
Dann ging es zum Bauernladen „allerhand“ in St. Andrä auf Empfehlung von Umathum, wo wir Gemüse kauften, Salat, Tomaten, Kohlrabi, Jungzwiebel, Paprika, Spargel, Radieschen und Erdbeeren. Man muß alles selbst einscannen und bezahlen, der Laden wird videoüberwacht.
Auf der Rückreise blieben wir bei der Bäckerei Goldenitsch in Frauenkirchen stehen, wir brauchten Semmelbröseln für die Schnitzeln. Doch gab es auch Somlauer Nockerln, die als Schnitten daher kamen und es gab Grammel-Pogatscherl, wo gibt es das sonst noch? Außerdem kamen mit Punschkrapferl und Cremeschnitten. Als wir wieder durch Purbach fuhren, kamen wir bei Iris Gemüseraritäten vorbei und siehe da, der Stand war geöffnet. Wir nahmen mit: violetten Spargel, Fenchel und Erdbeeren. So können wir nun eine Erdbeerblindverkostung veranstalten, St. Andrä gegen Purbach.
Auf manchen Feldern wurden Erdbeeren gepflückt, herrliche Aussichten auf den See wechselten einander ab, und der Wind blies uns entgegen, auf der Fahrt von einem Dorf zum anderen.
Zuhause hat die Küchenfee die Preise mit gurkerl verglichen. In der Regel ist es günstiger im Burgenland als bei gurkerl, man muß zwar selber fahren, aber es gibt kein Gedränge, keinen Stau und genug Parkplatz. Und niemand legt einem Kohlrabi auf die Erdbeeren.
Aus der schönsten Sackgasse Österreichs, aus Mörbisch am See, haben wir mitgebracht: Wiener Würstchen. Wir vergleichen sie mit den Altwiener Frankfurtern der Fa. Windisch in Wiener Neustadt. Diese stellt sie her nach dem Original-Rezept von 1805 vom Frankfurter Metzgermeister Johann Georg Friedrich Lahner.
Als die Küchenfee in der Fleischhauerei Fischl in Mörbisch bestellte, sagte sie „Drei Paar Wiener Würstchen“, schließlich sind wir nicht in Wien, nur dort heißen sie Frankfurter.
Das Brot dazu kommt vom Triebaumer in Rust. Es ist selbst gebacken, das Mehl ist selbst gemahlen und das Korn ist selbst gesät und geerntet. Es ist ein Sauerteigbrot mit Dinkel, Weizen und Johannisroggen, sowie Salz, Rosmarin, Hefe, Wasser – und Schmalz! Vermutlich ist das der Grund, warum es die Küchenfee so an ihre Kindheit erinnert.
Die Mörbischer hatten einen Geschmack im Abgang, bis ich draufkam, daß der vom Senf kam, einem mittelscharfen Senf. Man darf diesen Senf nicht zu Würsteln essen, das ist kein Würstelsenf, am besten nimmt man Ramsa-Senf.
Schwechater Lagerbier zum Spülen zwischendurch zwischen den Würsteln.
In Triebaumers Laden gab es auch Scotch Whisky, aus eigenen Fässern. Ein kurzer Schluck genügte, um festzustellen, davon muß man mehr haben. Wir beginnen mit dem Edradour.
Brot vom TriebaumerEinkauf beim TriebaumerFleischhauerei-Imbiss FischlHofgassl in MörbischMörbischer Hauptstraße einwärts Kühlschrankmagnet mit der Mörbischen Hauptstraße einwärts gesehenWurstkesselBrot vom TriebaumerWurstkesselWurstkesselWurstkesselMörbischer WürstelWurstkesselWurstkesselAltwiener WürstelAltwiener WürstelMörbischer Würstel
Wurzelspeck und Lardo vom Triebaumer, geräucherter Lardo und Császár szalonna (Kaiserspeck) aus Ungarn.
In der Storchenstadt geht man gern in die Adebar, wo auch sonst, Störche gibt es hier überall. Wir aber gingen ins Wirtshaus im Hofgassl am Rathausplatz und speisten dort in der Mittagssonne. Ein bißchen früh für die Jahreszeit, wenn der Große Wolkenschieber eine Wolke über uns geschoben hatte, war es kalt. Rinderfilet mit Gänseleber, Spargel und getrüffeltem Erdäpfelpüree. Und Gänseleber mit grünem Apfel und Portweinsoße als Hauptspeise. Beim Triebaumer-Laden am Rathausplatz versorgten wir uns mit Wein und Brot. Etwas irritiert waren wir von einer gut betuchten Frau: Ist das ein Bio-Honig? Ob es den Bienen eh gut geht? Denn sie will nur, daß es den Bienen gut geht… Über diese Fragen mit Seltenheitswert vergaßen wir zu fragen, was für ein Brot wir da eigentlich kauften. Ich wollte dann auch nicht mehr fragen, was es mit dem Whisky auf sich hat, der dort ausgestellt war: Scotch Whisky stand darauf, „Single Malt“, aber auch „Blaufränkisch Mariental Cask Finish“ und „Weingut Ernst Triebaumer“. Wie das zusammengeht, wäre die Frage?
Zu Hause angekommen, nach „Fun, fun, fun of the Autobahn“, gab es dann Speck in seinen mannigfaltigen Arten. Wurzelspeck und Lardo vom Triebaumer, geräucherter Lardo und Császár szalonna (Kaiserspeck) aus Ungarn. Dazu Verhackertes. Das Brot, ein feinporiges eher helles Brot, erinnert die Küchenfee an etwas, bloß an was? Wir müssen also noch einmal hinfahren, nach Rust, sonst kommen wir nie dahinter.
Wirtshaus im Hofgassl
Michelin was here.
Rinderfilet und Gänseleber
Hofgassl
Blick ins Hofgassl
Rust
Wo Meister Adebar sich trifft.
Neusiedlersee-Karte
Whisky im Triebaumer-Laden, Rust
Wurzelspeck und Lardo vom Triebaumer, geräucherter Lardo und Császár szalonna (Kaiserspeck) aus Ungarn.
Wurzelspeck und Lardo vom Triebaumer, geräucherter Lardo und Császár szalonna (Kaiserspeck) aus Ungarn.
Eigentlich wollten wir die Barockesel in Illmitz besuchen, doch diese waren unerreichbar. Dafür kamen wir zu einem Fossil. Das ist eine Lokalität in Purbach, die wir auf der Rückreise besuchten. Außerdem gab es zum Frühlingsbeginn die Kirschblüte zu begutachten. In Donnerskirchen beginnt der Kirschblütenweg. Er führt entlang den Hängen des Leithagebirges bis Jois.
Tournedos mit Apfelkreme, Kohlsprossenblättern und Erdäpfelchips.
Das Bullinarium ist ein Restaurant mit angeschlossenem Bauernhof für die Rinderwirtschaft. Das Futter kommt von den umliegenden Wiesen des Lafnitztals, dem Ramsar Schutzgebiet. Der Stallmist wird zu Biogas verwertet, damit werden 3.000 Haushalte mit Strom versorgt. Treibhausgase ade! So geht öko: Klimaschutz mit Tieren! Christoph Haller hat sich in Markt Allhau im Burgenland eine eigene Welt erschaffen. Um so mehr Freude macht es, ein Steak vom Bullinarium zu bekommen. gurkerl.at hat ein großes Sortiment davon. Heute gibt es Tournedos mit Apfelkreme, Kohlsprossenblättern und Erdäpfelchips. Obendrauf kommt ein Tupfen Gänseleberpastete. Und eine Trüffelscheibe.
Hier ist die nachhaltige Kreislaufwirtschaft verwirklicht, von der sonst immer nur gesprochen wird.
Die Hofköchin hat Erdäpfelchips zum Kosten gemacht:
Erdäpfelchips: fritiert oder angebraten in der Pfanne?
Hm. Mmm!… gebraten!
… aber getrüffelt muß es sein!
Nach einer alten Volksweisheit (Wienerlied)
Rezept Tournedos mit Apfelkreme, Kohlsprossenblättern und Erdäpfelchips
Dauer: 2 h
T o u r n e d o s mi einem Küchengarn in Form bringen. A p f e l k r e m e Gala-Äpfel schälen entkernen, würfeln. Butter, Wermuth, Zitronensaft, Honig und Salz in einer Kokotte leise köcheln lassen. Vom Herd ziehen und mit dem Handmixer pürieren und durch ein feines Sieb streichen. Im Kühlschrank auskühlen lassen. E r d ä p f e l c h i p s Die Laura-Erdäpfel auf der Mandoline länglich dünn hobeln. Die Scheiben in eiskaltes Wasser legen und ziehen lassen. Abtrocknen. In einer Pfanne mit einem Hauch Olivenöl braten. Mit Küchenkrepp abtrocknen, auf die Seite stellen. Kohlsprossen auf Blätter teilen. Kurz blanchieren. Trocken tupfen. Warm halten. T o r n e d o s mit einem Hauch Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Tournedos scharf anbraten, damit sie Farbe nehmen. Zum Schluß aromatisieren: Butter und Rosmarin und Thymian in die Pfanne geben und die Tournedos mit einem Löffel übergießen. Anschließend die Tournedos mit dem Rosmarin im Backrohr vorgeheizt auf 180° legen, ganz wichtig, darunter eine Auffangform, eine Alufolie legen, damit der Saft aufgefangen wird. S o ß e In einer kleinen Bratpfanne den Bratenansatz mit Port ablöschen, einköcheln, Rinderbrühe dazugießen. Fein gehackte Sommertrüffel dazugeben. Einköcheln lassen. Durch ein Sieb gießen und die Soße mit etwas Stärke binden. B r a t ä p f e l Dann einen roten Apfel achteln und das Gehäuse entfernen. In der Pfanne mit Butter goldbraun anbraten. A n r i c h t e n Die Tournedos auf dem Teller servieren. Die Apfelkreme dazu geben, einen kleinen Löffel Gänseleberpastete auf den Tournedos platzieren, die Braterdäpfel darauf legen. Kohlsprossenblätter sowie die Erdäpfelchips auch auf den Teller legen und mit der Soße begießen. Eine Trüffelscheibe auf die Tournedos legen.
Das Essen dieser vielschichtigen Speise aus Tournedofilet, Apfelkreme, Gänseleberpastete und Trüffel ist ein Vorgang von besonders intensiv genutzter Lebenszeit.
Danksagung: seitdem die Küchenfee Hofköchin geworden ist, kocht sie noch besser. Die Inspiration holte sie sich aus dem Freundschaftsbuch von Johann Lafer mit Eckart Witzigmann. Seite 269. Es ist aber ganz anders gemacht. Nur Inspiration!
Ziemlich genau am selben Tag wie letztes Jahr hatten wir wieder eine Nahtoderfahrung, dieses Mal auf der Rückreise aus Podersdorf auf der S1, als ein Klein-LKW plötzlich vor uns stand auf der linken Fahrspur in einer Linkskurve, wir konnten gerade noch ausweichen und wurden hernach von diesem Klein-LKW verfolgt. Dieser war uns schon vorher aufgefallen, da er immer wieder Andeutungen nach rechts machte, als ob er einnicken würde, also ließen wir uns zurückfallen, und plötzlich stand er vor uns. Möglicherweise ist er mitten auf der Autobahn eingeschlafen, auch der Beifahrer, und unser Hupen hat ihn wieder aufgeweckt. Andere Verkehrsteilnehmer hatten auch einen höchst eigenartigen Fahrstil (anfahren bis man auf gleicher Höhe ist, dort bleiben und dann bremsen), doch der war das Schlimmste. Auch gab es wieder eine Anpöbelung, weil wir ein Wiener Kennzeichen haben, in der Hölle (Illmitz, Ortsteil Hölle) bei Schrittempo schrie uns eine entgegenkommende Radfahrerin etwas Unflätiges zu. Ehrlich gesagt, hat uns das die Stimmung ziemlich vermiest. Bis dahin hat es uns im Burgenland ganz gut gefallen. Doch so bald wird uns das Burgenland nicht mehr wieder sehen. Es ist wie russisches Roulette, es hat schon ein paar Mal Klick gemacht, doch war glücklicherweise keine Kugel im Lauf. Wir möchten das Glück nun nicht mehr herausfordern.
Unser Ziel war Podersdorf am See, wohin man zum Baden fährt, doch wir hatten einen anderen Grund, einen Feinschmeckergrund. Das Gasthaus zur Dankbarkeit befindet sich dort. Wenn man es nicht kennt, fährt man daran vorbei, es liegt an einer Kurve vor dem Ortsende, die aussieht wie in unzähligen anderen Orten. Doch wenn man einmal im Gastgarten ist, hört man von der Straße nichts mehr, außer wenn eine Kolonne Harleys vorbeidonnert, das ereignete sich aber nur einmal. Wir kamen pünktlich wie es sich gehört um 12:00 Mittags an, die Sirenenprobe heulte gerade los, Wir waren die ersten Gäste und so konnten wir uns den Tisch aussuchen. Wir nahmen unter einem der mächtigen Kastanienbäume Platz, sehr schattig. Hier ließ es sich aushalten, trotz sengender Hitze, man braucht keine Klimaanlage, ein Baum genügt.
Wir hatten vor, einmal die Speisekarte von ganz oben bis ganz unten durchzuprobieren: also begannen wir mit einem Aperitif, einem Vitamin-Cocktail alkoholfrei. Dann gab es einen Gruß aus der Küche, Aufstrich, Butter, Mangalitzawürste mit Brot, ich glaub es war auch ein Sauerteigbrot dabei. Mit Stoffservietten, die Kellner stehen am Rand bei der Kassa und doch in der Mitte und warten, bis sie gerufen werden, der Teller wird sofort abgeräumt, serviert wird ausschließlich von rechts, so stelle ich mir Wirtshauskultur vor.
Dann folgte die Jiddische Hühnerleberpastete mit Brioche, wegen der wir überhaupt gekommen waren. Sie war sehr fein, viel feiner als wir uns das vorgestellt haben, und auch gemacht haben, siehe hier. Dazu gab es eine Trockenbeerenauslese 1998, wir nahmen nur ein Glas für zwei.
Das Gasthaus zur Dankbarkeit haben wir entdeckt, als wir zur Jiddischen Hühnerleberpastete nachgeforscht haben, siehe hier. Als Mitbringsel haben wir zwei Gläser davon mitgenommen.
Dann folgte eine Krautsuppe wie ein Eintopf. Das könnte als vollwertige Mahlzeit durchgehen, mit Fleisch und so gut, Dann einmal die Mangalitza-Bratwürstel und einmal ein kleines Beuschel. Auch das ein Hochgenuß! Danach war mal Pause angesagt. Ich bestellte mir ein Glas Cuvée Wiedehopf, 2021, Pfirsich-Aromen, voll und rund. Dann ging es weiter mit einem geschmorten Steppenrind mit Paprika-Zucchinigemüse, wobei ich sagen muß, das Gemüse war ein Gedicht, das Fleisch natürlich auch, aber beim Gemüse hat es mich umgehauen. Die Küchenfee nahm die Eierschwammerl mit Rahmkohl und Grießlaibchen, auch sehr gut, ich kann es nicht beschreiben.
Die Nachspeisen waren auf einer eigenen Karte, darauf waren Schomlauer Nockerl. Das war es!
Ein Gast neben uns ließ sich die Rechnung kommen, mit den Worten „Herr Ober? … eine gnädige Rechnung bitte.“ Seit der Großen Inflation sind die Preise sehr gestiegen, nicht nur in der Gastronomie, ein 1-Liter-Tonkrug kostet nun 100 Euro, auch der halbe-Liter-Krug, wie man uns sagte. Sie würden von einer Frau gemacht, die sie 7 Tage lang im Ofen brennt. Wir konnten keinen Rabatt aushandeln (“Machen Sie einen anständigen Preis.“) So blieb das Geld bei uns und der Tonkrug gehörte weiterhin der Dame.
Am Nachbarstisch war eine Damenrunde, sehr ausgelassen, aus deren Richtung vernahm ich das Wort „Fräulein?“. Lange nicht mehr gehört.
Nun hat uns auch noch eine Anonymverfügung aus dem Burgenland ereilt: 45 Euro wegen Schnellfahrens (86 km/h statt 70 km/h), außerhalb des Ortsgebietes, vor der Einfahrt nach Podersdorf, als wir auf dem Weg zur Dankbarkeit waren. Haben wir vermutlich übersehen, wir fahren so langsam, wie gesagt 86 auf der Bundesstraße, daß uns laufend Kfz überholen, vor allem die mit burgenländischem Kennzeichen, die fahren nämlich wirklich schnell… Aber dafür gibt es keine Nachsicht! Nicht im Burgenland! Dort wird gestraft! Gezählte zwölf Mal kommt in der Anonymverfügung das Wort Strafe alleine stehend oder im zusammengesetzten Hauptwort vor. Im Burgenland wird man ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. An dem einzigen Tag, an dem wir dieses Jahr im Burgenland waren. Aber man muß ja nicht hinfahren.
Gottfried Kumpf ist von uns gegangen. Er war Bildhauer und Maler, Kinderbuchillustrator, Festhalter des burgenländischen Lichts, niemand konnte das Licht im Burgenland auf die Leinwand bannen so wie er. Er war Gestalter von Briefmarken, Autobahnraststätten und Thermen, Hersteller der schönsten Tierfiguren, groß und klein, wie dem Elefanten „Jonathan“, der mit dem Gesäß, den man am liebsten abschmurln möchte, oder dem Esel „Grey“, der schön ist, aber nicht stolz. Der Esel war sein Lieblingstier, weil der Esel ein geduldiger, einfacher und bescheidener Begleiter des Menschen war in allen Zeiten und Kulturen. Und so sind seine Menschen gemalt: etwas rundlich und stämmig, mit beiden Füßen fest auf der Erde stehend, regsam, zufrieden und gutmütig. Vor allem bekannt aber dürfte er sein als Schöpfer der liebevoll „der Asoziale“ genannten Figur, die kaum wie eine andere Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Manchmal findet man ihn auf einem Bild, versteckt unter einem Baum, dann im Schilf, jedenfalls abseits des Trubels. Ihm genügt es, wenn er auf einem Hügel sitzt, unter der brennenden Sonne des Burgenlands. Entsprechend gegerbt ist die Haut des Asozialen. „Im Sonnenschein – habe ich den Tag genossen“ hieß eines seiner jüngeren Bilder (2021).
Es ist schon einige Wochen her, daß Gottfried Kumpf von uns gegangen ist: am Montag, dem 5. Sept., Aber wir haben es erst in diesen Tagen mitbekommen. Beim Stöbern im Dorotheum sah ich plötzlich neben dem Geburtsjahr auch das Todesjahr 2022 bei seinem Namen. Ich konnte es zuerst gar nicht glauben, hielt es für einen schrecklichen Irrtum. Erst nachdem ich die Todesnachrichten im Internet fand, war jeder Irrtum ausgeschlossen und so mußte ich es mit Betrübnis zur Kenntnis nehmen.
Ich weiß zwar nicht, ob ihm das geschmeckt hätte, aber ihm zu Ehren gibt es heute einen Schopfbraten mit Letscho. Das ist das Passendste, was uns zu Kumpf einfiel, in kulinarischer Hinsicht.
Das Burgenland ist ein kleiner Streifen, eingequetscht zwischen Österreich und Ungarn, ein fließender Übergang vom Wiener Becken in die Pannonische Tiefebene, eine Art Niemandsland. Wenn man es mit der Bahn quert, unterwegs zwischen Wien und Budapest – oder mit dem Auto darüber hinwegfährt, merkt man es kaum. Und doch hat Gottfried Kumpf einen beträchtlichen Teil seines Lebens diesem Stück Land gewidmet. 1980 hat er mit anderen zur Erhaltung des Naturschutzgebiets „Lange Lacke“ beigetragen, einem der letzten Rückzuggebiete Europas für Wasservögel und einem Paradies für Vogelgucker. Der „Löffler über der Langen Lacke“ wurde stellvertretend für die vielen Watvogelarten zum Symbol der Kampagne für den Nationalpark „Neusiedler See – Seewinkel“ und zu einem seiner bekanntesten Sujets, auch Poster wurden davon gedruckt. Reisebüros vermitteln Reisen zur „Langen Lacke“. Es ist eines der schönsten Orte des Burgenlandes.
Kumpf-Ausstellung im Dorotheum, Wien, 2021. Dieses Leuchten, diese Farben… man kann die Landschaft des Burgenlands durch die Augen von Gottfried Kumpf sehen, so wie man es noch nie gesehen hat.
Der große Bronze-Elefant im Tiergarten Schönbrunn, Wien, 2021
Streckhof von Kumpf, Breitenbrunn, 2021
Am Eingang zum Streckhof von Kumpf, Breitenbrunn, 2021
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