Flockig-lockerer Sommer-Schweinsbraten

Willkommen zu Teil 2 unseres Schweinsbraten-Wochenendes mit einem Mangalitza-Bauchfleisch; dieses Mal mit Kürbis-Püree mit Misopaste und Walnuß-Apfel-Salsa, das mit Mirin und Reisessig abgeschmeckt ist. Hier wird nun auch die gute Sauce verwendet, die gestern nicht dabei war.. Schmeckt hervorragend jedoch bleiben einige der Pölsterchen in der Kruste hart, warum wieso, irgendetwas machen wir falsch. Ist es zuwenig mit Zitronensaft einmassiert worden, sodaß manche Polster nicht genug Saft bekamen und daher verbrannten? Vielleicht mit einem Pinsel einstreichen, damit der Zitronensaft auch wirklich in jede Ritze gelangt? Das muß beim nächsten Mal nachgebessert werden. Doch nun haben wir genug vom Schweinsbraten, vorläufig zumindestens.


Beilagen von Ottolenghi, NOPI* inspiriert.

Vom mühsamen und doch vergeblichen Versuch, einen Mangalitza-Burger zu bauen

Aufgeschreckt durch die Aufgabe eines Mangalitza-Hofs in der Steiermark – der Hof mußte Insolvenz anmelden, die Schweine konnten aber gerettet werden vor der Notschlachtung durch Verteilung an Höfe in Deutschland und Österreich; wollten wir unbedingt noch einmal etwas mit Mangalitza-Schweinefleisch machen, dieses Mal einen Burger. Davor hatten wir ja schon den Kulinarischen Schmelztiegel mit Mangalitza-Schweinefleisch gemacht. Bei Gurkerl gibt es vom Thum zwei Arten von Mangalitza-Schweinefleisch: Das Karree und den Schopf. Schopf hatten wir schon gestern, also blieb das Karree, das sich auch als Patty besser eignen würde, dachten wir, weil das nicht so mit Fett durchzogen ist wie der Schopf. Dazu wurde ein toll klingendes Rezept aus dem „Burger Unser“-Wälzer ausgesucht, das „El Torro“, das wird mit einem Mangalitza-Patty gemacht. Da wir keinen Fleischwolf mehr haben, weil Fleischwolf gibt es eh in der Fleischerei, verwendeten wir das Karree vom Online-Supermarkt Gurkerl, der keine Fleischhauerei ist, kurzerhand ungewolft. Das war aber ein Fehler, wie sich später herausstellte. So kann man das Patty nur mit Messer und Gabel essen, wodurch der Burger einen Hauptzweck verfehlt.

El Torro, so nennt sich das Rezept im „Burger Unser“, habe ich nachgegoogelt, stammt wohl vom Verb torrar für „rösten“ ab, es handelt sich also um eine Substantivierung, das ist die Funktion des sog. „maskulinen Generikums“. Vielleicht heißt El Torro auch „er röstet“, mein Spanisch ist etwas eingerostet. Mit einem „r“ weniger, also Toro, heißt es Stier, der Name könnte also auf beides anspielen, der Röster und der Stier, die Einleitung handelt von Stieren, also ist wohl Stier gemeint, das Doppel-R ein Rechtschreibfehler. In der Einleitung zu diesem Rezept steht was von Hemingway, der geschrieben hätte, diesen Burger müsse man bei den Hörnern packen. Hätte? Hätte er wirklich? Und hätte, hätte Fahrradkette. Abgesehen von dieser unglücklichen Insinuation geht es in der Einleitung um die Chorizo Creme, von der man wie von einem Stier abgeworfen würde. Warum wird dann im Burger Schweinefleisch verwendet? Der Text hat nichts mit dem Rezept zu tun. Er läßt mich Kopf schüttelnd zurück, mir fehlt da die Stringenz. Man sollte auf das Marketingsprech mit dem an den Haaren herbeigezogenen Vergleich (Creme wirft einen ab wie von einem Stier, als ob man das haben möchte), das peinliche Name Dropping (Hemingway) und Artikelnamen (El Torro), die mit der Sache nichts zu tun haben, verzichten und dafür mehr schreiben, was Sache ist. Zum Beispiel über die Chorizo Creme, warum, wieso ausgerechnet diese Wurst verwendet wird. Diese Creme dient ja nur als Unterlage im Burger, was kann an der so wichtig sein? Und warum sollte man sie mit mühsamen Methoden aus einer Chorizo gewinnen? Im Grunde extrahiert man laut Rezept aus der Chorizo den Saft durch Pürieren und Sieben. Den Rest also das Wurstbrät (!) schmeißt man einfach weg, das hat die Welt ja noch nicht gesehen, welche Verschwendung! Das hätte man einfacher und billiger haben können. Indem man einfach eine scharfe Würze macht. Außer möglichst kompliziert ist nichts dahinter. Nun wird klar, daß man sich darüber mit ablenkendem Blabla hinwegschwindeln will.

Es stellt sich immer mehr heraus, daß jene Bücher mit dem großen Umfang, den gestylten Fotos und den säuselnden Texten, der größte Unfug sind. Man versteht die Absicht und ist verstimmt.

Kulinarischer Schmelztiegel mit Mangalitza-Schweinefleisch

Mangalitza-Schopfbraten mit Fregola und Ratatouille, ein Gericht mit Anleihen aus Italien und Frankreich; man hätte auch klassische Beilagen aus der Donaumonarchie nehmen können: Letscho und Tarhonya. Aber zu Ehren dieser Kulturnationen und: weil uns einfach danach war, kam es zu diesem kulinarischen Schmelztiegel aus Italien, Frankreich, Ungarn, Österreich und Spanien fürs Olivenöl. Grandios wie alles zusammenpasst!

Rezept Mangalitza-Schopfbraten mit Fregola und Ratatouille

Ratatouille Paprika, Zucchini, Melanzani, Zwiebel, blanchierte und entkernte Paradeiser würfeln. Knoblauch in feine Scheiben schneiden. Thymian, Petersilie und Basilikum fein hacken. In einem Sauteuse die Zwiebel in Olivenöl anschwitzen, die gewürfelte Paprika dazu geben, und ein Stück Parmesanrinde, auf mittlerer Hitze anschwitzen, in der Zwischenzeit in der Bratpfanne das restliche Gemüse, abgesehen von den Paradeisern, portionsweise in reichlich Olivenöl anbraten. Das Gemüse zur Sauteuse geben. Die gewürfelten Paradeiser, die Knoblauchscheiben und die verhackten Kräuter sowie Salz dazu geben und zusammenrühren. Eine halbe Stunde köcheln lassen. Kein Wasser dazu geben, da wir eine kompakte Masse haben wollten. Fregola Den Mangalitza-Speck klein würfeln, in einer Pfanne auslassen. Fregola dazu geben. Kurz mitbraten. Mit Wasser aufgießen, bei mittlerer Hitze fertiggaren. Schopf Eine Seite der Mangalitza-Scheiben mit Mehl bestäuben. Auf der Mehlseite in der Pfanne anbraten. Wenden. Anbraten. Herausheben und auf einem Teller im Ofen bei 180 Grad warmhalten. Fein gehackten Zwiebel und Knoblauch zur Pfanne geben und anbraten, mit Essig ablöschen, paprizieren und mit Wasser aufgießen. Einköcheln. Anrichten.

Getränkeempfehlung:

Dazu paßt ein Schwechater Bier vom Erfinder des Lagerbiers 1841, ein sog. Wiener Lager. Auf dem Etikett steht, daß dieses Bier zu österreichischen Klassikern perfekt paßt. Was wir hier haben, ist zwar kein solcher Klassiker, aber zu dieser Melange aus vielen europäischen Ländern paßt es mindestens genausogut.

Mangalitza

Mangalitza ist eine ursprünglich ungarische Schweinerasse, für deren Erhalt wir uns hiermit besonders einsetzen. Die Aufzucht eines Supermarktschweines dauert rund 100 Tage, die eines Wollschweins dauert 7 mal so lang. Der Geschmack von diesen Schweinen ist ganz anders, viel besser, viel schweiniger möchte ich fast sagen, das liegt am natürlich gewachsenen Fett. In der Steiermark mußte nun ein großer Hof mit hunderten Wollschweinen für immer zusperren, weil das Futter nicht mehr leistbar war, das tut uns leid. Ein Teil der Schweine konnte nach Deutschland übernommen werden, ein anderer Teil kam in Österreich unter, so wurden die Schweine vor der Notschlachtung gerettet. Als wir das gestern aus dem Fernsehen erfahren haben, wurde bei Gurkerl sofort ein Mangalitza-Schopfbraten bestellt. Die Fa. Thum produziert seit mehr als 150 Jahren Schinken in Wien, also schon zu Zeiten der k.u.k. Monarchie, als die Schweine aus Ungarn entlang der Ungargasse auf den Naschmarkt nach Wien getrieben wurden. Da ist es nur natürlich, daß Thum auf die ungarische Schweinerasse spezialisiert ist.

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aaj4608mex8y8b2n0ya6/

Schweinsbraten

Es hat uns einige Mühen gekostet, Mangalitza aufzutreiben, wir riefen an bei Urbanek am Naschmarkt, das ist eine Institution! Bei Thun-Schinken, das ist DER Spezialist für Mangalitza und noch dazu leicht zu erreichen auf der Triester Bundesstraße. Bei Nemec und bei anderen. Doch nirgends gab es einen Mangalitza-Schweinsbraten; ich bin enttäuscht! Bei Thun-Schinken gab es wenigstens Schopf und Karree vom Mangalitza, immerhin. Doch wir ließen uns nicht aufhalten. Wir sind dann halt zum Radatz gefahren. Aber Mangalitza war es nicht. Eigentlich möchten wir das nicht mehr erleben, trotz aller Mühen auf Mangalitza-Schweinsbraten zu verzichten. Schweinerei, daß man in Wien keinen Mangalitza-Schweinsbraten mehr kriegt.

Menüfolge

  1. Gemüsesuppe mit Zucchini und Sellerie und Kartoffel
  2. Gruß aus der Küche: Hautzinger-Schafjoghurt mit gehackter Petersilie und Basilikum, Tomaten von Stekovics, Schafkäse von Hautzinger mit Salat mit Kräuterjoghurtdressing auch von Hautzinger und Josephbrot.
  3. Schweinsbraten mit konfiertem Gemüse (Sellerie, Karotten, Kohlrabi, rote Rüben) und Kürbiskern-Schupfnudeln
  4. Apfel im Rock mit Limettensorbet

Mangalitza-Rippen und Krautsalat

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Das Stück war sehr fleischig mit einem sehr hohen Fettanteil für ein Rippenstück, das muss wohl an der Schweinerasse liegen, Mangalitza-Schweine sind bekannt für ihren extrem hohen Fettanteil, deshalb ist es so geschmackig. Dieses Fleisch muss sich daher besonders gut zum Grillen eignen, Fleisch das nicht austrocknet. Davon hätten wir gerne mehr gehabt. Bedauerlicherweise haben wir uns nicht ein größeres Stück bestellt. Wir haben das Rippenstück bis zum Ende abgenagt, bis zum Knorpelgewebe, ungarisch porcogo (porcszövet).

Letscho mit Tarhonya und Mangalitza-Würstel

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Im Sommer sind Paradeiser in aller Munde. Und Paprika! Beides zusammen ergibt Letscho. Klassisch wird es mit Tarhonya und Mangalitza-Würstel, wie man das vor allem in Ungarn und im Burgenland kennt, also in Transleithanien.

Krumpli leves kolbásszal

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Erdäpfelsuppe mit Hartwurst. Für die Jahreszeit perfekt, es gibt ja schon Heurige (Frühkartoffeln). Wir hatten die Wurst vom Mangalitza-Schwein, ganz der Region verbunden. Dazu kommt ein mit Käse überbackenes Kartoffelbrot.  Ein traditionelles ungarisches Gericht.

Mangalitza-Blutwurst und -Leberwurst, kolbász

Mixed pickles. Mangalitza from the puszta of Magyarország. Aus der ungarischen Tiefebene. Véres hurka, májas hurka, Blutwurst, Leberwurst, ein veritabler Hochgenuss. Kolbász. Genuine pleasure. Echt ungarisch.