Anatomie eines Hauses

Josef Frank - Spaces

Die Villa Beer steht nun zur Verfügung! Der Andrang ist groß, Besuchstermine werden nur mittwochs 12 Wochen im voraus freigeschaltet, vielleicht schaffe ich es mal.


Josef Frank habe ich kennen und schätzen gelernt durch das Buch „Spaces“, 2016, nur auf Englisch erhältlich, indem seine residential houses vorgestellt werden, unter anderem auch die Villa Beer, in der Wenzgasse im 13. Bezirk. Beim Vorbeigehen fällt der Bau nicht weiter auf, außer durch die schiere Größe, den er und das Grundstück einnehmen, und durch die Unscheinbarkeit der Fassade inmitten der großbürgerlichen Villen der Gründerzeit. Bis vor kurzem suchte man noch einen Käufer, 5,3 Mio. Euro für das renovierungsbedürftige Haus, nun ist es ein Museum der modernen Architektur.


Auf der Suche nach einer neuen Bleibe hielt ich es für sinnvoll, Konzepte und Ideen des Wohnbaus unter die Lupe zu nehmen, dabei stolperte ich über die Villa Beer und Josef Frank.

Spaces! Ein Schloß ist zwar auch geräumig und wir übernachteten auch mal in einem Schloß, aber in einem Schloß möchte ich nicht wohnen. Die Weiträumigkeit hätte mir schon gefallen, aber die Idee vom Haus als Weg und Platz, wie bei Josef Frank, fehlt. Ausgehend von Adolf Loos‘ Raumplan-Prinzip (Spaces, p. 20) meint Josef Frank, man solle sich durch ein Haus bewegen wie durch eine Stadt, mit schmalen Gassen, die in weite Plätze münden, die wiederum zu neuen, engeren Passagen führen. (Spaces, Villa Beer, p. 68).


Zur Werkbundsiedlung am Roten Berg, einem Ausläufer des Wienerwaldes, hat Josef Frank 1932, für die er Initiator und Gesamtverantwortlicher war, auch ein Haus beigesteuert, in dem gezeigt wird, daß der moderne Wohnbau auch auf kleinen Flächen funktionieren kann: Woinovichgasse 32. Ein anderes Haus kam mir so vor, als wäre es von Josef Frank inspiriert, von der Werkbundsiedlung ein Stück westlich: Cuviergasse 34, ein einstöckiges Haus mit Flachdach und Terrasse auf der gesamten Längsseite. Obwohl in der Cuviergasse der soziale Wohnbau zugeschlagen hatte, wurden seinerzeit keine Anleihen bei Josef Frank oder bei einem anderen modernen Architekten genommen. Ansonsten gibt es dort die üblichen Einfamilienhäuser, nicht der Rede wert. So nah und doch so fern. Die Architekten der 20er und 30er Jahre des 20. Jhdts waren ihrer Zeit voraus. Vielleicht ist es ja nun so weit, die Villa Beer möge dazu beitragen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Werkbundsiedlung_Wien

https://thespaces.com/josef-franks-villa-beer-is-ripe-for-renovation

Artikel von Josef Frank „Das Haus als Weg und Platz“ in „Der Baumeister“, 1931 Heft 8, S.316 bis 323, mit Fotos vom Wohnhaus B, Wien, XIII. ( Villa Beer):

https://delibra.bg.polsl.pl/Content/19471/P-270_1931_H8.pdf

Das moderne Wohnhaus entstammt dem Bohème-Atelier im Mansardedach. Dieses von Behörden und modernen Architekten als unbewohnbar und unhygienisch verpönte Dachgeschoß, das die Bauspekulation dem widerstrebenden Gesetz mit Mühe entreißen muß, das aus Zufällen aufgebaut ist, enthält das, was wir in den darunterliegenden, planvoll und rationell eingerichteten Wohnungen vergeblich suchen: Leben. […]

Josef Frank, Das Haus als Weg und Platz, 1931

Villa Beer

Jeden Mittwoch werden neue Termine freigeschaltet, immer 12 Wochen im voraus!

Besuch ohne Führung

Mit Zeitfensterkarte, 90 Min.

Samstag und Sonntag

Sie erkunden die Villa eigenständig. Bitte beachten Sie, dass das Musikzimmer sowie die Terrasse im Dachgeschoss nur mit einer Führung besichtigt werden können.

Öffentliche Führungen

Mittwoch bis Freitag, 14 und 16 Uhr,

Samstag und Sonntag 10, 14 (Englisch) und 6 Uhr

90 Min.

Sie besuchen die Villa Beer im Rahmen einer Führung und erfahren mehr über das Haus, die Architekten und die Restaurierung.

Obige Besuchszeiten und Führungen zitiert aus:    

https://www.villabeer.wien/besuchen

Viennissima war schon dort:

Das Buch

Josef Frank – Spaces Mikael Bergquist & Olof Michélsen, Stockholm. Park Books, Zurich, 2016

Fotos und Text © 2026 https://kuechenereignisse.com

Gründonnerstag in Österreich

Spinatsoufflé mit Spinatsalat

Seit Anbeginn aller Urzeiten ist der Gründonnerstag mit Spinat und Spiegelei verbunden. Die Möglichkeiten der Abwandlung sind begrenzt. Deshalb gibt es dieses Mal etwas ganz Neues, das lediglich auf den Grundzutaten aufbaut, Spinat und Ei.

Für 50 g Cremespinat kaufe ich keine Packung um 6 Euro. Da mache ich den Cremespinat gleich selber.

Die Küchenfee macht eine dezidierte Absage an die Tiefkühlpackung.

Rezept Spinatsoufflé

40 g Spinatblätter, 1 EL braune Butter (aus der Speisekammer), 250 g Topfen, 50 g Cremespinat (selbstgemacht), 4 Eiklar, 3 Dotter, 10 Pinienkerne, 50 g Maisstärke Salt, Pfeffer

Spinatblätter grob hacken und in brauner Butter dünsten. Pinienkerne rösten. In einen Topf den Topfen, Dotter, Cremespinat, Pinienkerne geben, dazu den gedünsteten Spinat, Mit Maisstärke glattrühren. Salzen, pfeffern. Die Souffléformen mit Butter ausstreichen und Mehl bestäuben. Eiklar salzen und mit dem Handrührgerät zu Eischnee schlagen. Eischnee mit dem Gummihund unter die Masse heben und in die Förmchen füllen. Im Backrohr ca. 25 Min. bei 200° C backen.

Rezept Spinatsalat

200 g Spinatblätter, 2 Elstar-Äpfel, Saft einer Zitrone, 1 TL Honig, 1 Jungzwiebel, 80 g Wurzelgemüse mit Karotte, Pastinake, Gelbe Rübe und Sellerie. Marinade: 1 TL scharfer Senf, 2 TL Marillenmarmelade, 1 EL Apfelessig, 4 EL Haselnußöl, Salz, Pfeffer. Pecorino, steirische Kürbiskerne

Die Spinatblätter in eiskaltem Wasser eine Viertelstunde stehen lassen. Äpfel schälen, würfeln. In Zitronensaft und Honig andünsten. Jungzwiebel fein hacken, Pastinake schälen, grob raspeln. Die Zutaten für die Marinade vermischen. Spinatblätter trocken schütteln. Mit den Äpfeln, Jungzwiebeln, Pastinake unter die Marinade mischen. Pecorino hobeln, steirische Kürbiskerne hacken und den Salat damit bestreuen.


Bier: freistädter Rotschopf, von der Privatbrauerei im Mühlviertel, Oberösterreich, seit 1777. Ein Bier nach altem Schlag: frisch, extrem süffig und mit rotbrauner Farbe.

Gründonnerstag

Das Grün in Gründonnerstag kommt unter Umständen vom Alt/ Mittelhochdeutschen „greinen“ und wurde durch volkstümliche Umdeutung zu Grün. Es ist aber schon von Alters her Brauch, an diesem Tag grünes Gemüse und Kräuter zu essen. Woher auch immer der Gründonnerstag seinen Namen hat, in Österreich ist es so, daß an diesem Tag Spinat mit Spiegelei gegessen wird, mit Kartoffeln dazu. Jedes Wiener Wirtshaus, das etwas auf sich hält, bietet das an diesem Tag an. Bis zum heutigen Tag, anno domini 2026. Zum Beispiel im Wirtshaus „Zum Bretschneider“, ehemals Gasthaus Stafler: „Cremespinat, Salzerdäpfel, Eierspeis“. Die Wirtshäuser mögen wechseln, das Brauchtum bleibt.

https://www.zumbretschneider.at

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In einer Pizzeria

Figoletta

Nach einem Wiedersehen in der Konditorei L. Heiner kam es zu einer Premiere. Im Figoletta by figlmüller gibt es das Cotoletta alla Milanese, ein Kalbsrücken am Knochen, gebacken nach Wiener Art. Wie ein Milaneser Kotelett auf Wienerisch schmeckt… doch das auszuprobieren haben wir uns für das nächste Mal vorgenommen. Beim ersten Besuch blieben wir ganz der Klassik verbunden bei Pizza.

Die Zutaten der Pizzen sind von ausgesuchter Qualität, was man schon daran erkennen kann, daß der Schinken von Thun, dem Mangalitza-Spezialisten in Wien, ist. Das Wichtigste an einer Pizza aber ist der Teig; – und dieser war besonders knusprig. Herausgebacken, wie ein Schnitzel möchte man fast sagen! Und angeblich, wie man so liest, wurde der Teig fritiert. Das macht sich bezahlt, schmeckt hervorragend.


Heute wars trüb und naß, da spielen wir den Frühlingsstimmen-Walzer und schon lacht der holde Frühling wieder!

Wiener Symphoniker, Petr Popelka, Solistin: Regula Mühlemann, Gesangsfassung, Konzerthaus, Wien:

Oder das Wiener Johann Strauss Orchester, Johannes Wildner, Orchesterfassung, Opera City Concert Hall, Tokyo:

Oder die Wiener Philharmoniker, Herbert v. Karajan, Solistin: Kathleen Battle, Musikverein, Wien:

Oder doch lieber die unvergeßliche Lucia Popp in dem Fernsehfilm „Hofball für den Walzerkönig“, BRD 1965:


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Wiener Frühstück Excelsior

Wiener Kipferl

Die Semesterferien beginnen. Während die Schihaserln abreisen, in ihren wohlverdienten Urlaub in den Alpen, bleiben wir hier, und machen es uns gemütlich, mit einem Wiener Frühstück, ganz wie wir es wollen, nach unserer Façon.

Möglichkeiten der Degustation

Teil 1:

Halbe Semmel mit Curry-Ei-Aufstrich

Halbe Semmel mit Linsen-Thymian-Aufstrich

Halbe Semmel mit gesalzener Butter

Schinken-Käse-Semmelhälfte mit gekochtem Ei

Halbe Semmel mit Ziegenkäse

Zum Abschluß ein Glas Sekt

Teil 2:

Wiener Kipferl mit gesalzener Butter und Marillenmarmelade

Krapfen mit Marillenmarmelade*

Dazu Kaffee

Danach ein Spaziergang zur Gloriette.


* Krapfen von der Bäckerei Öfferl.


Öfferl hat den diesjährigen Bewerb um den hochbegehrten Preis für den besten Krapfen von Wien gewonnen, in einer Blindverkostung von Gault&Millau. Dieser Krapfen hat eine ausgesprochen kurze Zutatenliste. Auf „moderne“ Backmittel wird mit Recht verzichtet. Öfferl beherrscht die Backkunst aus dem FF!

https://www.gaultmillau.at/news/der-grosse-krapfentest-2026

https://www.1000thingsmagazine.com/de/a/2183134/wien-krapfentest-gaultmillau-2026/


Musik:

Mozart, Eine kleine Nachtmusik. Academy of St. Martin-in-the-Fields, Neville Marriner, recorded at Studio No. 1, Abbey Road, London, 1976. Und es war vor fünfzig Jahr‘!

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Im Café Central

Samstag, vor 9:00 Uhr, vor dem Café Central hat sich noch keine Schlange gebildet, wir packten die Gelegenheit beim Schopf und gingen hinein.

Gleich beim Eingang begegnet man Peter Altenberg, der an einem Tisch sitzend die Wiener Kaffeehausstimmung ausstrahlt, genau dort, wo ankommende Gäste warten müssen, der Platz wird angewiesen. Sehr angenehm, dadurch wird man von den den Trubel auslösenden, auf Platzsuche hin und her hirschenden Gästen verschont.

Die Küchenfee nahm ein Croissant, ich ein Café Central Frühstück, beide eine Melange. Wir hatten noch nichts gegessen.

Am Nachbartisch saß einer mit Laptop und Buch „10x is Easier Than 2x. How World-Class Entrepreneurs Achieve More by Doing Less“. Da will einer vorwärtskommen. Konzentriertes Arbeiten ist hier möglich, im Café Central wird man nicht gestört, trotz Menschenauflauf. (Vielleicht sollte ich mein Büro hierher verlegen.)

Ich bin heute ausnahmslos für Niemanden zu sprechen.

Peter Altenberg

Das Café Central verfügt über eine Auswahl an lokalen und internationalen Zeitungen, also griff ich zu und nahm mir die Neue Zürcher Zeitung. Es tut wohl, diese Zeitung zu lesen, abseits vom sonst herrschenden Trump-Bashing oder dem beliebten Orban-Lästern erfährt man hier, was es in der Welt Neues gibt, mit bedächtigen Kommentaren, die ausführlich den Hintergrund beleuchten; – wie passend zur entspannten Stimmung im Café Central.

Der Küchenfee hat es im Café Central gefallen und so kam sie mit dem Ober ins Reden. Sie sagte, eigentlich hätte sie mich bestellen lassen sollen, weil ich bin ja hier der echte Wiener. Daraufhin erzählte der Ober eine Anekdote. An einem Tisch mußte er auf Englisch und Deutsch reden. Eine Dame bemerkte, er könne ja besser Englisch als Deutsch. Der Ober, der ein echter Wiener ist, erwiderte ruhig: Gnä‘ Frau, das war ja auch gar nicht deutsch, das war wienerisch.

Beim Zahlen nahmen wir Torten mit, eine Café Central Torte (Marzipan und Orange) und eine Altenberg-Torte (dreierlei Schoko-Mousse mit Sacherboden) und das Trio de Petit Fours. Es gab auch eine Johann-Strauß-Torte und eine Zwetschken-Nougat-Schnitte, die bleiben fürs nächste Mal. Aber ob’s ein Wiedersehen gibt, ist fraglich, die touristische Schlange verleidet‘s uns. Das kleine Büchlein über das Café Central wollten wir auch haben. „Nehmen S‘ Ihnen gleich zwa, die sind gratis“, sagte der Ober zum Abschied.


2026 feiert das Café Central seinen 150. Geburtstag.


Massentourismus war 1955 schon ein Phänomen. Hans Blumenberg hatte damals einen Artikel für die Süddeutsche Zeitung verfaßt, in dem er schrieb:

Der Reisende, das wird immer deutlicher, fährt nicht aus, um dieses oder jenes zu sehen, zu erleben, kurz: um da und dort zu sein, sondern er fährt aus, um, ebenso kurz: da und dort gewesen zu sein.“

Zitiert nach Rüdiger Zell: Hans Blumenberg, Der absolute Leser, Eine intellektuelle Biographie, Suhrkamp, 2020, S. 185


Angesichts der Schlange vor dem Café Central gewärtigt man, daß manch einer nur schnell hinein will (und wieder heraus), um ein weiteres Stück seinem Sammelsurium an erledigten Reisezielen einzuverleiben.

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Des Schneesturms Werk und der Verkehrsplanung Beitrag

Die Deutsche Bahn hat in Norddeutschland den Betrieb eingestellt, Hannover den Busverkehr und im Nordschwarzwald hat sich ein Schneepflug überschlagen und ist den Hang hinuntergeschlittert, nur um ein paar der jüngeren Ereignisse aufzuzählen, mehr hier. In Wien geht es gemächlicher zu. Hier schneit es nur ein bißchen, für die Gefahrenlage auf der Straße sorgen die Straßenbauwerke der Verkehrsplanung. Eine geringe Schneedecke genügt und ein Hupferl, das eine Straßenseite mit der anderen verbindet, wird unsichtbar. Normalerweise können Fußgänger die Straße auf dem Hupferl bedenkenlos queren, durch die Nivellierung mit dem Gehsteig brauchen sie nicht den Niveauunterschied zur Straße beachten. Das Hindernis wird den Autos übertragen, diese müssen die Auffahrtsrampen links und rechts hoch und wieder abfahren. Parkt jedoch ein Auto auf dem Hupferl, dreht sich der Spieß um und das Bauwerk wird zu einer Gefahr für Fußgänger. Um das Auto zu umgehen, geht man links oder rechts daran vorbei und kommt auf der Schräge des Hupferls zu Fall. Denn wer rechnet als Fußgänger mit einer Schrägen mitten auf der Fahrbahn, unsichtbar vergraben unter der Schneedecke? Vor dem Auto kam ich zum Erliegen, gottseidank ist nichts gebrochen. Aber was passiert, wenn das Auto über mich hinwegfährt? Das sind die Konsequenzen, die die Bevölkerung tragen muß, wenn Planer im Ministerium nicht alle Eventualitäten ihrer Eingriffe in den Straßenverkehr bedenken. Solche Schönwetterbauten braucht niemand.

Waldviertler Ente, gebraten

Gebratene Waldviertler Ente mit Rotkrautknödeln

Aus dem Waldviertel ist eine Ente angereist… gestern. Die wurde verspeist. Heute. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön ins Waldviertel!

Gebratene Waldviertler Ente mit Rotkrautknödeln, Schupfnudeln und Preiselbeeren.

Auch das Rotkraut und die Erdäpfeln kamen aus dem Waldviertel.

Es wurde eine Suppe gekocht. Mit selbigen Schupfnudeln, wie bei der gebratenen Ente. Von der Ente kamen die Innereien – außer der Leber – dazu die Flügerln und der Hals. From Nose to Tail, das ganze Tier ist zu brauchen. Aber wer mag heutzutage noch Suppe. Ich schon! Am Abend gibt es gebratene Entenleber. Der Rest wird durch den Fleischwolf gedreht, die Hofköchin macht Enten-Rilettes.

Waldviertler Rotkrautknödel Rezept

Ein halbes Waldviertler Rotkrauthappel fein hobeln. Mit dem Messer noch einmal drübergehen. Eine Waldviertler rote Zwiebel fein hacken, in Butterschmalz anschwitzen. 1 TL Waldviertler Honig dazugeben und karamelisieren. Mit einem Schluck Hopibauer-Essig ablöschen. Das gehobelte Rotkraut beimengen und salzen. Mitschwitzen. 2 Orangen auspressen, zum Rotkraut geben, ein Stück Zimtrinde, Wacholderbeeren 2 Lorbeerblätter und 1 Prise Nelken dazu geben und zugedeckt 20 Min, köcheln lassen. die Flüssigkeit sollte verdampft sein. Vom Herd nehmen. 2 EL Haferkleie einrühren und auf das Fensterbrett stellen, bei Minusgraden auskühlen lassen. MIt der Hand kleine Knödeln formen, dann panieren: zuerst durch Dinkelmehl, dann Ei, abschließend durch Brösel ziehen. Und in heißem Bratolivenöl herausbacken.


Zur Ente mit Rotkraut darf Rotwein nicht fehlen.

Wien und Wein liegn gar knapp beinand‘.
D‘ Wahrheit vom Wein, liegt im Wiener Land!
Geht wer auf Reisen und findt her nach Wien,
Trinkt durt ein Glaserl, erkennt er den Sinn.
Beim Heurigen, freilich! Mehr kanns gar net gebn.
Weil im Wein liegt die Wahrheit, und an Wein gibt’s in Wien.

Wiener Volksweisheit1, zirka 1880, unvertont

Wein: Wiener Trilogie, 2021, Wieninger, Wien. Sooft Wien und auf dem Etikett ist eine vereinfachte Skyline zu sehen, mit drei Sehenswürdigkeiten: Karlskirche, Stephansdom, Riesenrad. Auch unser Wochenende stand im Zeichen der Zahl Drei. Hiermit beschließen wir diese Trilogie: Schweinsbraten, Sulmtaler Huhn und Ente. Bis zum nächsten Mal. Morgen gibt es wieder etwas Gewöhnliches: Letscho mit Ei. Nächstes Wochenende haben wir schon den 1. Advent! Was wird es geben? Und schaffen wir es am Samstag zum Wochenmarkt in Bad Vöslau? Oder muß das einem Christkindlmarkt weichen? Oder kann man das verbinden? Und wird es wieder Schnee geben? Letzte Nacht hat’s obigschneit.


1Wiener Volksweisheit: so hätte ich mir’s gedacht.

Fotos und Text © 2025 https://kuechenereignisse.com

Allerheiligen/Allerseelen – der Ober St. Veiter Friedhof

Grab von Egon Schiele

Der Hietzinger Friedhof hat Gustav Klimt. Doch der Ober St. Veiter Friedhof hat Egon Schiele! Trotzdem ist er unbekannt geblieben; der Hietzinger Friedhof hat die höchste Dichte an Ehrengräbern; der Zentralfriedhof die meisten. Nicht selten daß ein Gast aus Japan, der am Schwechater Flughafen ankommt, direkt ohne Umständ über die Simmeringer Hauptstraße den schnellsten Weg zum Zentralfriedhof nimmt, die ehrenhalber gewidmeten Stätten der Komponisten zu besichtigen – wie Brahms, Beethoven, Schubert, Mozart, Gluck, Lanner, Millöcker, Suppé, die Strauss-Dynastie, Wolf; …… für Gustav Mahler bitte zum Grinzinger Friedhof weiterfahren. Mit solchen Berühmtheiten kann der Ober St. Veiter Friedhof nicht aufwarten. Zurückgezogen, abgeschieden von der Welt, liegt dieses Kleinod von einem Friedhof am Rand von Wien, an einem Hang, abgewandt von der Stadt, mit Blick auf den gegenüberliegenden Hang, einem Ausläufer des Wienerwaldes. Weiter oben, am oberen Ende, in der Nähe des Waldessaums, ist ein Bänklein. Hier kann man leicht der Welt abhanden kommen, so still und einsam ist es da. Bei manchen Gräbern erkennt man schon am Schriftzug, aus welcher Zeit sie stammen; die schwungvollen hochgezogenen Buchstaben, das ist Jugendstil; – und ein Blick auf die Sterbedaten bestätigt die Jahrhundertwende. Vornamen wie Gustav oder Adele verraten die Modernität der damaligen Zeit,  Inschriften die Schwere der damaligen Zeit, einer ist „vermißt in Stalingrad“. Sie ruhen in Frieden, jedoch nicht immer wird das Grab als letzter Ruheort verstanden. Auf einem steht „Verwandlungsort“. Man verwandelt sich also, erhebt sich mitunter, schwingt die Flügerln und schwebt von dannen. Das scheint mir ein erbaulicher Gedanke zu sein. Der Grabstein der Dynastie Kolm-Veltée hat die Form eines Filmstreifens, mit angedeuteter Lochung links und rechts. Sie hat Pionierarbeit geleistet auf dem Gebiet des österreichischen Films. Gustav Kolm war Begründer eines Filmstudios, aus dem dann die Rosenhügel-Studios hervorgingen, der Monumentalfilm „Samson und Delilah“ wurde dort 1922 gedreht. Walter Kolm-Veltée drehte den Film „Eroica“ über das Leben Beethovens mit Ewald Balser und Oskar Werner; Luise Kolm-Fleck, geb. Veltée, war die erste Regisseurin Österreichs und die zweite weltweit.

Das am reichlichsten geschmückte Grab ist das von Egon Schiele, er starb am 31. Oktober 1918, also gestern vor genau 107 Jahren; – in jenem Jahr also, als die Welt unterging und Österreich auslöschte, die Spanische Grippe Wien heimsuchte, der seine hochschwangere Frau Edith zum Opfer fiel und drei Tage danach Egon Schiele selbst. Mit Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zählt er zu den klassischen Malern der Wiener Moderne.

Der Krieg ist aus – und ich muß gehn. Meine Gemälde sollen in allen Museen der Welt gezeigt werden.

Angeblich letzte Worte Egon Schieles, sein Wunsch ging in Erfüllung.

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Schweinsbraten vom Bauchfleisch mit Kürbis und Nuss-Crunch

In manch Schule gibt’s kein Schweinefleisch mehr, das ist sehr bedauerlich. Wir können mit so viel alttestamentarischer Rückwärtsgewandtheit nicht wirklich was anfangen und lassen uns davon auch nicht beirren. Wir haben sogar einen Schritt vorwärts gemacht und den Schweinsbraten ein bisserl modernisiert. Unser Schweinsbraten war vom Sonnenschwein, einer Kreuzung aus Duroc (Nord-Europa) und Schwäbisch Hällisch (Deutschland/Schwäbisch Hall). Die Schwarte vom Bauchfleisch wird resch angebraten, damit es so richtig kracht beim Einebeißen. Es wird mit einer geschmeidigen Kürbiscreme serviert, dazu kommt ein Walnuß-Apfel-Crunch. Das Schwein selbst kommt aus der Südoststeiermark, an der Grenze zum Südburgenland, ungefähr auf der Höhe von St. Michael, und konnte dort die Erde umgraben. Ein Gemischter Satz aus Wien rundet die Sache ab, der kann auch ziemlich resch sein.


Resch muß es sein, damit die Schwarte kracht. Eine Fast-Food-Kette macht gerade TV-Reklame mit dem Krachenlassen beim Hineinbeißen. Ich kann dazu nur sagen: eßt Schweinebraten! Da kracht‘s richtig!


Bio-Hof Hartl, Burgau, SO-Stmk, Sonnenschweine und Ennstaler Bergschecken (!), alte österreichische Rinderrasse, wie kommen wir dorthin? Auf Mercosur wird gepfiffen.

https://www.nahgenuss.at/bauernhoefe/biohof-hackl/

Ennstaler Bergschecken:

https://bergschecken.at

Wein: Wiener Gemischter Satz, 2023, Ried Langteufel 1ÖTW, Rotes Haus am Nussberg, Wien XIX, Döbling. ÖTW -österreichisches Traditionsweingut, seit 1683. #Vinothek St. Stephan, Wien I.

https://www.rotes-haus.at/de/

A guater Tropfen, so dreimal täglich. Das ist a Hausrezept aus Wien. (Hermann Leopoldi)

https://www.vinothek1.at/

Aus unserer beliebten Reihe Schwein+.

Rezept Schweinsbraten mit krachender Schwarte

Die Hofköchin hat ihn ein bisserl asiatisch gemacht.

1,2 kg Schweinebauch vom Sonnenschwein, 2 Zitronengras, 12 Stück Knoblauchzehen, 1 Stück Ingwer, eine Handvoll grobes Meersalz, Noilly Prat.

Zitronengras in Stücke geschnitten, zerdrücke Knoblauchzehen und in Scheiben geschnittenen Ingwer in einer feuerfesten Form ausbreiten. Darauf kommt dann der Schweinebauch.

Damit der Schweinsbraten schön knusprig wird, hat ihn die Hofköchin mit Zitronensaft beträufelt, dann trocknen lassen, ihn mit grobem Meersalz bestreut und bei 240°C ins vorgeheizte Backrohr geschoben. Nach einer Stunde herausnehmen, das alte Salz obekletzeln und frisches Salz darauf gegeben und wieder ins Backrohr schieben, nach 20 Min. herausnehmen, das Salz heruntergeben, mit Noilly Prat aufgießen, aber nicht auf die Schwarte kommen, zurückdrehen auf 190°C, und eine halbe Stunde braten lassen.

Rezept Kürbiscreme

1 kg Butternußkürbis, etwas Olivenöl, 1 EL Butter, 2 EL Misopaste, 1 EL Mirin

Kürbis schälen, Kerne entfernen, mit Salz und wenig Olivenöl vermischen. Zum Fleisch schieben bei 190°, bis es weich ist, etwa 25 min. Dann herausnehmen, das Gemüse in einen Topf geben,  Butter hineingeben, sowie Misopaste, Mirin.

Rezept Nuß-Crunch

1 Granny-Smith-Apfel, 120 g geschälte Walnüsse, 2 EL Zitronensaft, 3 EL Olivenöl, 1 EL Mirin, Salz, Estragonblätter.

Granny-Smith-Apfel mit der Schale kleinwürfeln, Walnüsse in der Pfanne ohne Öl anrösten, auskühlen lassen, grob hacken. Zum Apfel geben und alles mit Zitronensaft, Olivenöl, Mirin und Salz vermischen. Ziehen lassen. Kurz vorm Servieren frisch gehackten Estragon dazugeben.


Danach war ein Stamperl Unicum fällig.


*obekletzeln: herunterkratzen.

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Wenn man nicht zum Heiner kommt,…

…kommt der Heiner zu Dir nach Hause. Aus besonderem Anlaß habe ich vom L. Heiner auf der Wollzeile 8 Tortenstücke mitgebracht und ein Kaffeeservice mit den Originaltassen wie sie beim L. Heiner auf den Tisch kommen. Es sind Torten vom Heiner, es sind die Kaffeetassen vom Heiner – nur es ist nicht beim Heiner!

Dobostorte, ein Muß. Ich wartete eine Stunde auf die Dobostorte. Nicht beim Heiner, in der Zwischenzeit machte ich meine Erledigungen. Pünktlich um 10:30 wurde sie geliefert. Biskuitböden, mit Schokoladenbuttercreme. Darüber eine Biskuitplatte mit Karamellzucker. Unverzichtbar.

Hernalser Torte. man kennt die Linzer Torte, die älteste Torte der Welt, aber kennen Sie die Hernalser Torte? Eben. Wir auch nicht, deshalb mußten wir sie kosten. Nußboden, Schokoladencreme (Pariser Creme), helles Biskuit getränkt mit Amaretto, Orangenlikör und Orangensaft, glasiert mit Schoko-Obersglasur.

Zitronenschaumtorte, daran kann man nicht vorbeigehen. Mürbeteig mit Zitronencreme und Baiser.

Jubiläumstorte. Im unteren Teil ein knuspriger Krokant, darüber eine cremige Schicht, ein Schokomousse. Hier trifft sich was zusammengehört, eine Apotheose von Torte. L. Heiner feiert 185 Jahre seines Bestehens.

https://www.heiner.co.at/heiner_torten.html


Während dem Warten auf die Dobostorte war ich in der Buchhandlung Morawa. Es gab kein Kochbuch für uns, die waren mir zu einfach gestrickt, oder zu politisch (mit Ukrainekrieg). Das neue Jamie-Oliver-Kochbuch wäre eventuell in Frage gekommen, aber das war auf Englisch. „Eat yourself healthy“ heißt es.


Die Hofköchin ist krank und überarbeitet, deswegen blieb sie zu Hause. Wir bitten die Depscher* an den Torten zu entschuldigen. Das liegt nicht an L. Heiner.


*Depscher, der, -s/-, auch Tepscher (ugs.). ein D. (eine Einbeulung, Delle) am Auto | seelische Erschütterung (aus dem Österreichischen Wörterbuch, 43. Auflage)

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