Die Institution Wiener Tafelspitz

Somit sind wir in der Hochkultur der Küchenereignisse angelangt. Tafelspitz ist aufwändig. Zeitraubend. Und etwas für Genießer. Die vielen Beilagen machen es unausweichlich, ständig und immer wieder zu kosten. Schon beim Kosten der Schnittlauchsauce entfuhr mir ein „Madonna! (di Campiglio)“. Der Wiener Tafelspitz wird begleitet von einem Haufen Beilagen: Schnittlauchsauce, Apfelkren, Kochsalat und Spinat. Das muß alles gekostet und abgeschmeckt werden. Von den Markknochenscheiben, die man für den Tafelspitz braucht, wird eine kleine Zwischenmahlzeit gemacht, sozusagen als Stärkung währenddem langen Kochvorgang. Nach dem Gebrauch in der Suppe wird das Mark mit einem Messer oder dem Stiel eines Löffels aus den Markknochen herausgelöst, gesalzen und dieses auf einem getoasteten Toast im Ofen mit der Grillfunktion zirka zwei Minuten lang überbacken. Das gibt’s zwischendurch. Ich sag‘s ja, Tafelspitz zu kochen, ist etwas für Genießer.

Rezept Wiener Tafelspitz

Für 6 bis 8 Portionen

Tafelspitz Vier Liter Wasser aufkochen. Den zirka 2,4 Kilogramm schweren Tafelspitz mit lauwarmen Wasser abspülen und trocken tupfen. Die Markknochenscheiben, acht an der Zahl, ebenso abwaschen. Etwa 300 Gramm Suppengrün (gelbe und rote Karotten, Sellerie, Petersilwurzel, Pastinaken, Lauch) putzen und in grobe Stücke schneiden. Zwei mittlere große Zwiebel halbieren und auf eine mit Alufolie ausgelegten Pfanne ohne Öl mit der Schnittfläche nach unten legen und rösten  bis die Fläche ziemlich schwarz ist. Wenn das Wasser kocht, den Tafelspitz hineinlegen. Danach die Markknochen, Zwiebel, das Gemüse und zwölf Stück ganze Pfefferkörner hineinlegen. Warten bis es einmal aufkocht. Ständig den grauen Schaum abschäumen. Herd zurückdrehen, sodaß die Suppe leicht köchelt. Nun dreieinhalb Stunden köcheln lassen. Unermüdlich den Schaum abschöpfen, bis die Suppe klar bleibt, was nach einer gewissen Zeit tatsächlich eintritt.

In der Zwischenzeit die Beilagen vorbereiten.

 Kochsalat Zwanzig Gramm Butter in einem Topf erwärmen. Zwanzig Gramm Mehl dazu geben und eine helle Einbrenn (Mehlschwitze) machen. Mit einem Viertelliter Rinderbrühe unter ständigem Rühren aufgießen. 400 Gramm Kochsalat und etwa 200 Gramm Erbsen einrühren. Fünf Minuten leise köcheln lassen. Mit etwas abgeriebener Muskatnuss, Salz und Pfeffer abschmecken. Spinat Zwanzig Gramm Butter in einem Topf erwärmen. Zwanzig Gramm Mehl dazu geben und eine helle Einbrenn machen. Mit 300 Milliliter Rinderbrühe unter ständigem Rühren aufgießen. Ein halbes Kilo passierten Spinat einrühren. Fünf Minuten köcheln. Sechs kleine Knoblauchzehen reindrücken, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Schnittlauchsauce 100 Gramm Toastbrot ohne Rinde in 200 Milliliter Milch einweichen und ausdrücken. Zwei hart gekochte Eier halbieren. Das Eiklar auf die Seite stellen. Den Dotter, das ausgedrückte Toastbrot, zwei rohe Dotter, Dijon-Senf, Salz und Pfeffer im Standmixer pürieren, unter gleichzeitigem Einlaufen von 300 Milliliter Rapsöl. Diese Masse in eine Schüssel geben. Wenn es zu steif ist, mit etwas Essigwasser etwas geschmeidiger machen, das gibt auch Geschmack, also nicht zögern. Das gekochte Eiklar würfeln. Einen großen Bund Schnittlauch in Röllchen schneiden und alles unter die Masse rühren. Apfelkren 300 Gramm Apfel (ob grün, ob rot, ad libitum) abreiben und ohne Verzug zwei bis drei Eßlöffel Zitronensaft dazu geben. Das um zu verhindern, daß der Apfel braun wird. Dann 200 Gramm gerissenen Kren einrühren.

Alle Beilagen bis zum Servieren ziehen lassen.

Kurz vor dem Servieren die Röstkartoffeln zubereiten. Kartoffeln in der Schale kochen, schälen und in Scheiben schneiden. Vor dem Servieren in der Pfanne fein gehackte Zwiebel in der Pfanne anschwitzen, die Kartoffeln dazu geben. Mit Majoran, Kümmel, Salz bestreuen, umrühren und in der Pfanne braten, bis es goldbraun ist.


Nach Plachutta „Meine Wiener Küche“*, 2008.

Weinempfehlung: Zierfandler aus Gumpoldskirchen.

Gesotten. Nicht gebraten.

Wie ein echter Wiener sein Rindfleisch mag.

Seezunge Müllerin mit Schwarzwurzel und Fenchel

Schwarzwurzel Die Schwarzwurzeln reinigen, schälen, waschen und sofort in mit Mehl vermischtem kaltem Wasser einlegen.

Damit das Gemüse seine ansprechende Farbe behält, wird es in mit Mehl verrührtem, kaltem Wasser 5 Minuten lang eingelegt, nicht in Zitronenwasser, denn dieses würde den Geschmack verfälschen.

Sinngemäß nach Meinrad Neunkirchner, „Österreich vegetarisch“, S. 186

Nachdem nun alle Schwarzwurzeln geputzt sind, das Mehlwasser abgießen, abspülen und die Schwarzwurzeln in einer Gemüsebrühe weichkochen, das dauert zirka etwa 20 Minuten. Die Schwarzwurzeln aus dem Sud herausnehmen und in einem Mixer-Standgerät pürieren, ergänzt mit Butter, Salz und einer Prise Muskatnuss. Wenn die Konsistenz zu fest ist, etwas von dem Sud dazu geben. Fenchel Den Fenchel mit Hilfe der Mandoline in dünne Scheiben hobeln und in eiskaltes Wasser legen, für etwa eine halbe Stunde, damit der Fenchel knackig wird. Marinade Zitronensaft, Olivenöl, Salz und eine Prise gemahlenem Fenchel gut vermischen, abgießen, den Fenchel abgießen, mit der Marinade mischen. Fisch Die Seezungenfilets leicht salzen, in Mehl wenden, in Olivenöl auf beiden Seiten braten. Zum Schluss eine Butterflocke dazu geben, sowie die gehackte Petersilie. Vom Herd nehmen und die Seezungenfilets mit der Petersilienbutter begießen. Sofort servieren.


Inspiriert von Alain Ducasse, „Meine Bistro Küche“*, Seezunge Müllerin, S. 100.


Oktoberfest

Obatzter und Wurstsalat nach Rita Falk „Knödlblues“* gemacht, dazu kommt Liptauer, weil ohne dem geht’s aa net. Dann Weißwurst mit bairischem Senf und Brezel und zum Schluss Zwetschken-Datschi nach Rita Falk.

Das Oktoberfest findet dieses Jahr nicht in München statt. Da haben wir es kurzerhand bei uns aufleben lassen, für ein paar Stunden wenigstens. Schwoamas owi1. In München steht ein Hofbräuhaus…


1 Spülen wir es runter.

Schottische Lachsschnitten mit Kohlrabi-Erbsen-Gemüse

Gewürze sind gut, wenn sie den Eigengeschmack hervor heben. Der Kohlrabi ist nur gedünstet, mit Sahne, einem Schluck Essig und etwas Muskatnuss, das ergibt ein „fades“, weißes Essen. Uns schmeckt‘s halt.

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𝕷𝖆𝖘𝖆𝖌𝖓𝖊 𝖆𝖑 𝖋𝖔𝖗𝖓𝖔 – Lasagne für alle

Zubereitet nach der traditionellen Methode mit Lasagneblättern, Ragù alla bolognese und Béchamelsauce, die mehrmals aufgeschichtet werden, bevor sie im Ofen gebacken werden. So weit ist das Rezept bekannt, aber das ist nicht alles.„𝕷𝖆𝖘𝖆𝖌𝖓𝖊 𝖆𝖑 𝖋𝖔𝖗𝖓𝖔 – Lasagne für alle“ weiterlesen

1.000 traditionelle Weihnachtskekse

Bis auf die Matcha-Kekse, die neu waren, haben mir alle Kekse geschmeckt. Ob Linzer Augen, Vanillekipferl oder Orangenkekse: Kekse haben eine lange Tradition bei uns. Unsere für Weihnachten gebackenen Kekse gehen auf die Biedermeierzeit zurück, also auf eine Zeit aus der ersten Hälfte des vorvorigen Jahrhunderts 1815 bis 1849 oder auf die Zeit der Wiener Ringstraßenepoche um 1890. Das ist schon ziemlich lange her und da sie sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreuen, sind es traditionelle Kekse. Die Bezeichnung „Tradition“ hat eine besondere Bedeutung. Dabei ist es ganz unerheblich, wer ursprünglich tatsächlich diesen oder jenen Weihnachtskeks zum ersten Mal backte. Auf dem millionenfach verkauften, 2011 erstmals erschienenen Christmas-Album von Michael Bublé gibt es drei Songs, die mit dem Vermerk „Traditional“ versehen sind. Es sind „Jingle Bells“, „Ave Maria“ und „Silent Night“ (Stille Nacht, heilige Nacht). Nichtsdestotrotz haben diese Lieder einen Komponisten, der sie schuf. „Ave Maria“ ist von Franz Schubert, geboren 1797 in Wien und gestorben 1828 ebenso in Wien. Der andere, mir bekannte Komponist ist der von „Stille Nacht, heilige Nacht“: Franz Xaver Gruber, geboren 1787 in Unterweitzberg, Oberösterreich, gestorben 1863 in Hallein, Salzburg. Der Vermerk „Traditionell“ ist eine diese Lieder adelnde Auszeichnung, der darauf hinweist, dass sie die Zeit überdauert haben, dass sie in den ewigen Kanon unserer westlichen Kultur aufgenommen wurden, sie sind unvergängliches Kulturgut. Diese Lieder sind eingesickert in unsere Kultur, die durch das geistige und kulturelle Erbe unserer Ahnen begründet ist. Sie erschufen unter anderem diese Lieder, nicht jeder kennt die Urheber, doch ist ihr Vermächtnis Teil unseres unbewussten, kulturellen Gedächtnisses. Bei unseren Weihnachtskeksen verhält es sich genauso. Man kennt ihre Erfinder nicht, doch haben sie Bestand und gehören zu unserem kulturellen Erbe. Sie sind nicht dem Zeitgeist ausgesetzt, der kommt und wieder geht, sie bestanden den Test der Zeit. Gegen solche Kekse ist es schwer, anzukommen. Die Matcha-Kekse waren einen Versuch wert. Etwa 20 traditionsreiche Kekssorten wurden gebacken, wenn man von den glutenfreien Varianten absieht, von jeder Sorte im Schnitt 50.

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Wiener Backhendl mit Erdäpfel-Vogerlsalat

Wir sind, was wir essen. Das Backhendl ist so typisch für das Land, in dem ich lebe, es ist nicht daraus wegzudenken. Es wird einfach serviert ohne viel Schnickschnack, das aber gut. Das ist Wiener Küche: das Wesentliche steht im Mittelpunkt. Für die gediegene Esskultur muss nur ein weißes Tischtuch her, das genügt als Aufputz. Ein mit einem weißen Tischduch gedeckter Tisch, darauf ein schlichter Teller mit einem Backhendl und einem Erdäpfel-Vogerlsalat, angemacht mit Kürbiskernöl, mehr braucht es nicht. Wir haben das Hendl nicht ausgelöst, sondern das Fleisch am Knochen gelassen. So hat man auch noch etwas zum Abnagen.


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Erdäpfel-Vogerlsalat Festkochende Erdäpfeln in Salzwasser bissfest kochen. Noch heiß schälen und in Scheiben schneiden und in eine mit einer Knoblauchzehe innen ausgeschmierte Schüssel geben und mit heißer Rinderbrühe verrühren. Hesperidenessig, Traubenkernöl, Senf, Salz und Pfeffer glattrühren, zu den Erdäpfeln geben, gründlich mischen und ziehen lassen. Eine in fein gehackte rote Zwiebel unter den Salat mischen und abschmecken. Für den Vogerlsalat die Marinade vorbereiten, aus Kürbiskernöl, Apfelessig und Salz. Backhendl das Wildhuhn zerlegen, die Ober- und Unterschenkel, Brust und Flügerl panieren, in Öl ausbacken, auf Küchenpapier abtropfen lassen. Anrichten Erdäpfel- und Vogerlsalat auf einen Teller legen. Mit der Kürbiskernölmarinade beträufeln und das Backhenderl dazu reichen.


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Waldviertler Martini-Gansl wie früher

Früher leistete man sich etwas, wenn man zu Martini bei einem Ganslessen dabei war. Als es noch keine TK-Gans im Supermarkt gab, hat man sich ein Jahr lang darauf gefreut – und fleißig gespart, um sich ein Ganslessen leisten zu können. Zu diesem Zweck ist man im örtlichen Wirtshaus einem Sparverein beigetreten. Die Verwaltung der Gelder wurde einer vertrauenswürdigen Person, dem Kassier, übertragen, sodass dieses übers Jahr oft vom Mund abgesparte Geld auch tatsächlich am Ende des Jahres, am Auszahltag, meist im November Dezember in der Martiniganslzeit, zur Verfügung stand. „Das Gansl ist da!“ war Ausdruck höchster Glückseligkeit und Bestätigung für die reibungslose Funktion einer Institution, die es heutzutage nur noch selten gibt. Der Sparverein ist eine für unsere Lebensart wie sonst nur das Schweinsschnitzel und der Veltliner stehende Institution, die längst ausgestorben ist. Nur am Land, vereinzelt in irgendwelchen Herrgottswinkeln, trifft man sie noch an. Aber wofür sollte man auch sein Erspartes in einem Sparverein anlegen, wenn doch alles und jedes Erdenkliche an jedem Eck zur Verfügung steht? Und das zu enorm tiefen Preisen. Heutzutage kann man sich ohne weiteres mehrmals im Jahr ein Ganslessen leisten. Eine Gans aus der TK-Truhe kostet nur einen Bruchteil, etwa ein Viertel, von einer Gans, die wie früher aufgezogen wurde. Nur schmeckt es halt nicht so gut wie eine Gans, die sich das Jahr über die Füße auf der Weide vertreten hat und die gemütlich durch den Teich geschwommen ist. Die über den Hof gewatschelt ist und sich von Gras und Kräutern ernährt hat, in echt und nicht nur in der Werbung. Wir hatten eine Martinigans aus dem Waldviertel, die so, wie es früher einmal war, auf der Weide gehalten wurde. Mit Knödel von Erdäpfeln aus dem Waldviertel und natürlich Rotkraut.

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Aalsuppe vom Neusiedlersee

Stets findet Überraschung statt. Da, wo man`s nicht erwartet hat. Dieser Spruch von Wilhelm Busch könnte einem durch den Kopf gegangen sein, als wir bei Eishken Estate geräucherten Aal entdeckten. Ohne zu wissen, was damit anzufangen ist und obwohl wir schon eine lange Liste anderer Meereskostbarkeiten eingekauft hatten, kam der Aal in filetierter Form mit. Im Burgenländischen Kochbuch fanden wir diese Aalsuppe.

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Unser futuristisches Caprese

Verschiedene Tomaten vom Markt, Büffel-Mozzarella, Pignoli, dazu Basilikum-Pesto. Aceto Balsamico und Olivenöl nicht zu vergessen. Dazu Panini – etwa Wurzelbrot – servieren. Mehr braucht es nicht für dieses futuristische Mahl. Futuristisch heißt es deswegen, weil es angeblich auf eine Forderung von Filippo Tommaso Marinetti zurück geht.

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