Warum ich das neue Jamie-Oliver-Kochbuch nicht kaufe

Erster grober Fehler: Keine Ahnung von Rechtschreibung

Ich lese die Einleitung des neuen Buchs in der Lesevorschau von Amazon und entdecke schon einen schweren Rechtschreibfehler. „Ich widme ONE meiner Number ONE. Wenn ich jemals ein Buch geschrieben habe, dass dir wie auf den Leib geschrieben ist, dann dieses.“ Nun hat man mit der sog. „Neuen Rechtschreibung“ die Rechtschreibung vereinfacht, rau statt rauh, und vieles erlaubt wie Rote Bete oder Beete, auf die Verwechslungsgefahr wird gepfiffen und zu schlechter Letzt wurde das ß zurückgedrängt. Abgesehen davon, daß das gräßlich aussieht; ich denke nur an das Wort „bißchen“, das sich nun „bisschen“ schreibt. Darüber stolpere ich jedes Mal, weil ich „bis schen“ lese. Wem ist das eingefallen? Wahrscheinlich den gleichen, die das Gendern so toll finden. Aber mal ganz abgesehen davon: ist es zu viel, von einem Buchverlag zu verlangen, wenigstens die vereinfachte Rechtschreibung unfallfrei hinzukriegen? Und das für den stolzen Preis von 30 Euro. Möglicherweise liegt es auch daran, daß die Rechtschreibung alle paar Jahre geändert wird. Vielleicht sollte man einfach aufhören, an der Rechtschreibung herumzudoktern, nicht einmal Verlage kennen sich mehr aus.

Nach zwei ganzseitigen Porträtfotos, von seiner Ehefrau und dann von ihm selbst, und ein bißchen Einleitungstext, aber keinem Rezept in der Vorschau kommt die Frage „Gefällt dir diese Leseprobe? Kaufe das Buch, um mit dem Lesen fortzufahren.“ Als müßte das schon genügen, das Buch zu kaufen. Leicht indigniert schließt man die Vorschau. Unter dem Titelbild findet man 10 Bilder aus dem Buch, darunter 6 exemplarische Rezepte. Na also, geht doch!

Zweiter grober Fehler: Keine Spur von Energiesparen

Das erste Rezept beginnt mit „Den Backofen auf 180° vorheizen.“ Als ob wir nicht gerade die größte Energiekrise seit dem Zweiten Weltkrieg durchmachen. Ich weiß ja nicht, wie es in England ist, aber hier bei uns und überall sonst auch, wie man so liest und hört, gibt es gerade extremen Energiemangel! Und doch wird nicht mit Strom gespart, immer noch wird den Leuten erklärt, sie müßten das Backrohr vorheizen.

Drittens

Das erste Rezept hat mich nicht gerade umgehauen, allerdings war ich da schon nicht mehr gut drauf. Auch kochen wir nicht mit Mikrowelle. („Reis in der Mikrowelle nach Packungsangabe erwärmen“). Das Rezept umzusetzen, dauert lt. Buch präzise 48 Minuten („FÜR 4 PERSONEN FERTIG IN 48 MINUTEN“). Ich weiß nicht mehr, ob das ernst gemeint ist. Also. Kein Buch für uns. Amazon führt das Buch als Bestseller Nr. 1 in „Eier & Mehlspeisen“.  Ich dachte, das ist ein Kochbuch? Wie gesagt, ich weiß nicht mehr, was ich ernstnehmen soll.

ONE, Geniale One Pot Gerichte, Dorling Kindersley Verlag, 2022

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Kategorisiert als Rezension

Vom mühsamen und doch vergeblichen Versuch, einen Mangalitza-Burger zu bauen

Aufgeschreckt durch die Aufgabe eines Mangalitza-Hofs in der Steiermark – der Hof mußte Insolvenz anmelden, die Schweine konnten aber gerettet werden vor der Notschlachtung durch Verteilung an Höfe in Deutschland und Österreich; wollten wir unbedingt noch einmal etwas mit Mangalitza-Schweinefleisch machen, dieses Mal einen Burger. Davor hatten wir ja schon den Kulinarischen Schmelztiegel mit Mangalitza-Schweinefleisch gemacht. Bei Gurkerl gibt es vom Thum zwei Arten von Mangalitza-Schweinefleisch: Das Karree und den Schopf. Schopf hatten wir schon gestern, also blieb das Karree, das sich auch als Patty besser eignen würde, dachten wir, weil das nicht so mit Fett durchzogen ist wie der Schopf. Dazu wurde ein toll klingendes Rezept aus dem „Burger Unser“-Wälzer ausgesucht, das „El Torro“, das wird mit einem Mangalitza-Patty gemacht. Da wir keinen Fleischwolf mehr haben, weil Fleischwolf gibt es eh in der Fleischerei, verwendeten wir das Karree vom Online-Supermarkt Gurkerl, der keine Fleischhauerei ist, kurzerhand ungewolft. Das war aber ein Fehler, wie sich später herausstellte. So kann man das Patty nur mit Messer und Gabel essen, wodurch der Burger einen Hauptzweck verfehlt.

El Torro, so nennt sich das Rezept im „Burger Unser“, habe ich nachgegoogelt, stammt wohl vom Verb torrar für „rösten“ ab, es handelt sich also um eine Substantivierung, das ist die Funktion des sog. „maskulinen Generikums“. Vielleicht heißt El Torro auch „er röstet“, mein Spanisch ist etwas eingerostet. Mit einem „r“ weniger, also Toro, heißt es Stier, der Name könnte also auf beides anspielen, der Röster und der Stier, die Einleitung handelt von Stieren, also ist wohl Stier gemeint, das Doppel-R ein Rechtschreibfehler. In der Einleitung zu diesem Rezept steht was von Hemingway, der geschrieben hätte, diesen Burger müsse man bei den Hörnern packen. Hätte? Hätte er wirklich? Und hätte, hätte Fahrradkette. Abgesehen von dieser unglücklichen Insinuation geht es in der Einleitung um die Chorizo Creme, von der man wie von einem Stier abgeworfen würde. Warum wird dann im Burger Schweinefleisch verwendet? Der Text hat nichts mit dem Rezept zu tun. Er läßt mich Kopf schüttelnd zurück, mir fehlt da die Stringenz. Man sollte auf das Marketingsprech mit dem an den Haaren herbeigezogenen Vergleich (Creme wirft einen ab wie von einem Stier, als ob man das haben möchte), das peinliche Name Dropping (Hemingway) und Artikelnamen (El Torro), die mit der Sache nichts zu tun haben, verzichten und dafür mehr schreiben, was Sache ist. Zum Beispiel über die Chorizo Creme, warum, wieso ausgerechnet diese Wurst verwendet wird. Diese Creme dient ja nur als Unterlage im Burger, was kann an der so wichtig sein? Und warum sollte man sie mit mühsamen Methoden aus einer Chorizo gewinnen? Im Grunde extrahiert man laut Rezept aus der Chorizo den Saft durch Pürieren und Sieben. Den Rest also das Wurstbrät (!) schmeißt man einfach weg, das hat die Welt ja noch nicht gesehen, welche Verschwendung! Das hätte man einfacher und billiger haben können. Indem man einfach eine scharfe Würze macht. Außer möglichst kompliziert ist nichts dahinter. Nun wird klar, daß man sich darüber mit ablenkendem Blabla hinwegschwindeln will.

Es stellt sich immer mehr heraus, daß jene Bücher mit dem großen Umfang, den gestylten Fotos und den säuselnden Texten, der größte Unfug sind. Man versteht die Absicht und ist verstimmt.

Alexander Herrmann: Weil’s einfach gesünder ist – Rezension

Alexander Herrmann weils einfach gesünder ist

Wir haben nun in das Kochbuch von Alexander Herrmann „Weil’s einfach gesünder ist“* hineingeschnuppert und es hat uns durchwegs gefallen. Es hat unseren Gemüsevorrat beträchtlich geschrumpft, was für das Kochbuch spricht, weil dieser Gemüsevorrat nicht für das Kochbuch angelegt wurde. Hier werden also keine schwer erhältlichen Zutaten verwendet. Nun endlich hat man ein Kochbuch zur Hand, in dem sich Alexander Herrmann mit gesunder Ernährung befaßt. Die Rezepte in Gesundheitskochbüchern sind ja oft geschmacklich nicht so rasend überzeugend. Doch das ist kein Gesundheitskochbuch, wie man es sonst kennt, es folgt keiner Diät und schlägt keinen Diätplan vor. Alexander Herrmann geht von den gesunden Zutaten aus wie z.B. bei den Kräutern Petersilie, Majoran, Rosmarin, Salbei, etc. bei den Ölen das Olivenöl, Leinöl, Kürbiskernöl, beim Gemüse Brokkoli, Knollensellerie, Kürbis, Paprika, Tomaten, etc. oder Buchweizen, stellt sie kurz vor und kocht dann was daraus. Fenchel zum Beispiel ist zwar sehr gesund, aber nicht jedermanns Sache. Buchweizen ebenso. Doch in den Rezepten von Alexander Herrmann werden gesunde Sachen nicht nur erträglich gemacht, nein, das schmeckt sogar. Rezepte auf gesunder Grundlage, durchdacht und schmackhaft, das ist es, was man bei diesem Kochbuch bekommt. Wer sich der gesunden Ernährung nähern will, sich aber bislang nicht so richtig getraut hat, weil er nicht auf tolle Rezepte verzichten will, für den ist dieses Kochbuch gemacht.


Dinkel-Spaghetti mit Paprika-Haselnuß-Pesto

2 Personen, pro Portion mit von einer App berechneten 830 Kalorien

Paprika-Haselnuß-Pesto Eine gelbe und rote Paprika in Stücke schneiden und im Ofen grillen bis die Haut schwarz ist. Herausnehmen und enthäuten. Die gelbe Paprika in dünne Scheiben schneiden, die rote Paprika mit 40 Gramm Olivenöl mit 10 Gramm Mariendistelöl, 20 Gramm geröstete Sonnenblumenkerne und 20 Gramm neapolitanische Haselnuß im Standmixer zu einem Pesto pürieren. Getrocknete Tomaten 40 Gramm getrocknete Tomaten in feine treifen schneiden. 180 Gramm Urdinkel-Vollkornspaghetti in kochendem Salzwasser sieben Minuten bißfest kochen. Ein Kaffeehäferl Kochwasser zur Seite geben. Abgießen, die Spaghetti in den Topf zurück geben. Mit dem Paprika-Haselnuß-Pesto, mit der gelben Paprika, in feine Streifen geschnitten und den getrocknete Tomaten verrühren. Wenn nötig, etwas Kochwasser dazu geben. Mit Tomatensalat servieren.

Inspiriert von Alexander Herrmann, „Weil’s einfach gesünder ist*, S. 71

Buchweizen-Gnocchi mit Fenchelsalat und Arganöl

2 Personen, pro Portion mit von einer App berechneten 1030 Kalorien

Fenchelsalat den gehobelten Fenchel mit folgender Marinade bis zum Servieren marinieren: ein Eßlöffel Olivenöl, ein Teelöffel Arganöl, drei Eßlöffel Orangensaft, ein bißchen Orangenabrieb, Salz und gemörserter Fenchelsamen zusammenmischen.

Buchweizen-Gnocchi 400 Milliliter Mandelkokosmilch mit zwei Lorbeerblättern, Salz und Muskatnuß aufkochen. In der Zwischenzeit 100 Gramm Maispolenta, 60 Gramm Buchweizenmehl, 40 Gramm gekeimten Buchweizen trocken vermischen. In die aufgekochte Milch dazu geben und verrühren. Mit dem Kochlöffel 7 bis 8 Minuten unter ständigem Rühren abbrennen, wie bei einem Brandteig. Es ist fertig, wenn der Brandteig sich von der Topfwand löst. Vom Herd nehmen. Nicht vergessen das Lorbeerblatt wieder herausnehmen. 40 Gramm kalte Butter und zwei Dotter nacheinander mit dem Kochlöffel einrühren. Diesen Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche durchkneten, mit den Handflächen zu einer Rolle formen. In etwa ein Zentimeter dicke Scheiben schneiden, jede Scheibe mit den Händen zu einer Kugel formen. Mit der Gabel eindrücken. In kochendem Salzwasser zwei drei Minuten ziehen lassen. In der Zwischenzeit Salbeibutter 40 Gramm Butter und zwei Eßlöffel Olivenöl erwärmen und Salbeiblätter hineingeben, nicht zu knapp, bei uns waren es schon 20! Buchweizen-Gnocchi: Wenn sie auf der Oberfläche schwimmen, abseihen. Abtropfen lassen. In der Pfanne Mit Butter kurz braten. Anrichten/ Servieren Fenchelsalat auf den Teller legen, filetierte Orangenscheiben darauflegen, die Gnocchis daneben platzieren, die Gnocchis mit Salbeibutter beträufeln.

Inspiriert von Alexander Herrmann, „Weil’s einfach gesünder ist*, S. 72

Geeister Matcha-Tee mit Pfefferschaum

Matcha-Eis Zwei Dotter mit 20 Gramm Ahornsirup in einer Schüssel schaumig rühren, 100 Milliliter Milch mit 20 Gramm Ahornsirup aufkochen und einen Teelöffel Matchatee-Pulver einrühren. Die heiße hellgrüne Milch unter ständigem Rühren auf die Dotter-Ahornsirup-Mischung gießen und glatt rühren. Diese Schüssel auf ein Dampfbad stellen und unter ständigem Rühren solange schlagen, bis eine cremig-schaumige Masse entsteht. Herunternehmen. Auskühlen lassen. In der Zwischenzeit 100 Gramm Schlagobers steif schlagen und unter die ausgekühlte Masse heben. In Silikonförmchen gießen und im Tiefkühl frieren. Anrichten 300 Milliliter Hafermilch mit einer Prise Vanillemark und einer Prise schwarzem Pfeffer aufkochen und aufschäumen. Oder das mit der Wasserdampfdüse einer Espressomaschine machen. Die Silikonförmchen aus dem Tiefkühl nehmen, das Eis aus der Form drücken, in die Tasse geben und mit dem Pfeffer-Vanille-Schaum aufgießen.

Inspiriert von Alexander Herrmann, „Weil’s einfach gesünder ist*, S. 40

Weitere von Alexander Herrmann „Weil’s einfach gesünder ist“ inspirierte Rezepte:

Wildschweinkotelett „rauhe Natur“

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Dieses Wildschwein war natur pur, der Geschmack nach Wildschwein wurde nicht mit Pfeffer oder ausgefuchsten Gewürzmischungen verwässert. So geht es einfacher und so schmeckt es… besser. Dazu kam Rotkohlsalat, Trüffelkartoffeln, passend zum Rotkohl, rötlich schimmernd, und Preiselbeer-Creme, ebenso, auf rötlichen Tellern serviert. Alles aufeinander farblich und geschmacklich 1a abgestimmt. Meine Empfehlung, das ist Schwein+!

Rezept Wildschweinkotelett „rauhe Natur“

Rotkohlsalat Rotkohl und rote Zwiebeln in feine Scheiben schneiden, mit Salz vermischen und ein paar Minuten ziehen lassen. Schweineschmalz in der Pfanne erhitzen, Rotkohl und Zwiebel hinein und unter ständigem Rühren fünf bis sechs Minuten scharf anbraten. In der Zwischenzeit Orangensaft auspressen, die Schale abreiben und Abrieb und Saft dazu geben, mit Balsamicoessig verrühren. Rotkraut vom Herd ziehen und diese Marinade dazugeben durchrühren bis zum Servieren ziehen lassen. Trüffelkartoffeln in der Schale kochen. Die Wildschweinkoteletts auf beiden Seiten schön anbraten. Preiselbeer-Creme Dazu Crème fraîche mit Preiselbeer vermischen und dazu servieren.


Red Snapper mit Erdäpfelschuppen

Das Fischfilet wird mit Erdäpfelscheiben belegt, die mit einem Keksausstecher ausgestochen werden. Sie sollten so klein sein wie Schuppen, Paul Bocuse verwendet einen Apfelstecher dafür. Durch Kochen der Erdäpfelscheiben wird die Stärke extrahiert und nach dem Braten wieder dazu gefügt, damit sie auf dem mit Eigelb bestrichenen Fischfilet besser haften.

Sauerkraut mit Lachs

Nun endlich liegt „Nature II“ von Alain Ducasse auf Deutsch vor. Die versammelten Restaurants Alain Ducasse‘  bringen es mittlerweile schon auf 19 Michelin-Sterne.  Da könnte man vermuten, dass seine Rezepte viel zu abgehoben sind, zum Nachkochen nicht geeignet. Doch die Rezepte in „Nature II“ sind überraschend einfach! Die Handschrift des Meisterkochs bemerkt man an den kleinen Dingen, die es wert sind, genau zu beachten. Und so entsteht dann doch ein Meisterwerk, wenn auch nicht so grandios wie im 3-Sterne-Restaurant. Man hat einen Ducasse auf den Tisch gebracht.