Ein Kurzbesuch im Hotel Sacher in Wien

Hier ist die Welt noch in Ordnung. Das war mein erster Gedanke, als wir das Sacher betraten. Man läßt den Trubel der Straße hinter sich, begibt sich in das Innere eines kleinen Universums. Man wird angesprochen, höflich und zuvorkommend.

Jegliche Anspannung, der man sich vorher gar nicht bewusst war, fällt spürbar von einem ab. Die Zeit bleibt stehen, oder bewegt sich nur mehr träge, eine riesige Wanduhr schreitet lautlos voran. Kein Mensch starrt auf sein Handy, Menschen im Hotel Sacher unterhalten sich in angenehmer Lautstärke, ein Ober fragt, was darf es sein. Um die Aufmerksamkeit des Obers zu erlangen, bedarf es nur unmerklicher Gesten. Man fühlt sich beachtet und geachtet. Nebenbei wird ein „Frau Doktor“ eingeflochten, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre. Wie sonst sollte man jemanden mit Wertschätzung anreden, mit dem man zu tun hat, mehr als über einen Kaffee hinaus, man ist sich ja nicht vorgestellt worden.

Es mag ja sein, dass es so etwas nur in Wien gibt. Aber wer geht schon als Wiener ins Sacher? Menschenschlangen vor dem Eingang zum Café wie auch vor dem Sacher Eck dokumentieren die Beliebtheit dieser Institution bei Touristen. Als Wiener geht man nur ins Sacher, wenn einen die Umstände dazu führen. Gottseidank war das bei uns der Fall.

Auch wenn wir nicht wegen der Kulinarik hergekommen sind, so ereilt sie uns am Ende doch. Unmittelbar neben mir, bei einer Melange und einem Sacherwürfel, hängt eine Christbaumfigur, ich sitze an einem Weihnachtsbaum. Es ist ein Koch im Sacher-Outfit, den will ich haben. Eine Nachfrage bestätigt, dass  sie zu erwerben ist und zwar im Sacher Eck. Aufgrund der Ratlosigkeit, die sich daraufhin bei uns breitmacht, wird man dorthin geleitet, persönlich und sofort.  Dort angelangt fällt bald mein Blick auf das Sacher-Kochbuch, während wir auf die Kassa warten. Und wie es der Zufall so will, stehen gerade zu der Zeit, als wir dort sind, nicht weit entfernt, der Küchenchef und der Patisserie-Chef bereit, um es zu signieren. Man muss nur kurz in diesem Buch blättern, schon wird man auf diesen Umstand aufmerksam gemacht.

Was am Sacher so schön ist: Hier ist nichts zu groß und nichts zu klein, es erscheint angemessen, weshalb man sich so wohlfühlt. Hier gibt es kein riesenhaftes Foyer, in dem man sich verloren verkommt. Vielmehr ist alles verwinkelt, aber nicht so, dass man nicht wieder herausfindet. Und auch die Menschen, die sich darin bewegen, passen hier hinein. Keiner tut sich groß hervor und gilt doch viel. Man muss die Größe haben, um bescheiden zu sein. Darin besteht wohl die wahre Größe dieses berühmten Hotels. Und dass die Stühle im Salon Metternich wie Seidenzuckerln ausschauen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Kurzbesuch im Hotel Sacher in Wien (4)OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

14 Kommentare

  1. Das Sacher steht wohl bei jedem Touristen auf der „To do Liste“. Meine Freundin stand dann auch ewig an, nur um eine Sachertorte im Sacher zu essen. Vermutlich gibt’s gute Sachertorten in ganz Wien 🙂 Aber danke für die tollen Fotos und die Impressionen des berühmtesten Cafés von Wien. Ich war schon mal in Wien, aber im Sacher nicht! Vielleicht doch ein Grund mal wieder zu kommen, denn das ist 40 Jahre her. LG

    Gefällt 1 Person

  2. Ich weiß, dass der Wiener einen besonderen Grund braucht, um ins Sacher zu gehen. Als Piefke brauche ich den Gott sei Dank nicht. Dabei wird dort die Melange so perfekt gemacht, dass ich schon mit dem Gedanken gespielt habe mich mit der Bitte an das Haus zu wenden, mir doch einen Crash-Kurs in dieser Disziplin zu gewähren. Außerdem waren die dort von mir erstmalig gegessenen Sacher-Würschtl eine Offenbarung für mich, das ideale Gabel-Frühstück! Ich kann die Euphorie für das Sacher nur teilen!

    Gefällt 1 Person

    1. Mit dem Sacher kommt man zwangsläufig in Berührung, auch wenn man nicht oder noch nicht dort war, der Name ist legendär. Sachertorte, Sacherwürstel, Sacherkaffee kennt man einfach. Eine Sachertorte hat einfach schon jeder Wiener gegessen. Das Sacherwürstel, dieses extralange Frankfurter/Wiener Würstel, hat es in den Wiener Opernball geschafft, wo auch noch nicht jeder Wiener war, aber das Sacherwürstel kennt man, man kann es sogar im Supermarkt kaufen. Original ist es natürlich nur vom Sacher. Aber wenn man weiß, wer das für Sacher macht, … Beim Sacherkaffee muss man aufpassen, die Kaffeerösterei „Helmut Sacher“ hat meines Wissens nichts mit dem Hotel zu tun, der Kaffee ist aber sehr gut, verwende ich zur Zeit selber.

      Liken

  3. Sehr schön, sehr stimmig.
    Für mich bitte ebenfalls eine Melange und einen Sacher-Würfel…
    Und der Koch im Sacher-Outfit würde sich auch an meinem Baum gut machen! 🎄

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.