Paprika-Palatschinken mit Spinat-Frischkäse-Füllung

Sehr zeitaufwändig, aber es zahlt sich aus!


Milch, Salz und Buchweizenmehl mit dem Schneebesen verrühren, Eier dazu geben, sowie Teebutter und Öl und verrühren. Rasten lassen. Palatschinken in einer Palatschinkenpfanne (flach und rund) herausbacken. Den aufgetauten TK-Spinat klein schneiden. Roten und gelben Paprika schälen, das Gehäuse entfernen und würfeln. Bis auf einen kleinen Rest den Paprika mit Frischkäse, Spinat, weißem Pfeffer aus der Mühle, edelsüßes Paprikapulver, Zitronensaft und Salbei vermischen, auf den Palatschinken verteilen, einrollen, in eine gebutterte, feuerfeste Form geben, abdecken und im Backrohr bei 120 Grad 8 Minuten erwärmen. Dann herausnehmen, schräg in dicke Scheiben schneiden, mit Paprikawürfeln und Paprikapulver bestreuen, mit Salbeiblättern garnieren und gesalzenem und Zitronensaft vermengtem Sauerrahm servieren.


Und wieder ein Gericht inspiriert von einem Rezept von Meinrad Neunkirchner aus „Österreich vegetarisch“*.

Roter, weiß gesprenkelter Fleckerlteppich

So unscheinbar es auch aussehen mag, aber dieses Gericht hat es in sich. Man kann es nur mit geschlossenen Augen genießen – ansonsten sticht einem der frische Kren ins Auge. Es ist ein Trompe l‘oeil, wie man es sonst nur von der Hochgastronomie her kennt, die Fleckerln verkleiden sich als rote Rüben, indem sie deren Farbe annehmen. Es ist nicht zum Anschauen, sticht im Auge, aber: diese Kombination aus Sauerrahm, Kren, roten Rüben und Fleckerln, bei uns aus Vollkornmehl – ist wahrlich ein Genuss für jeden Gastrosophen. Das ist ein Gericht, das lasse ich mir gern einreden.


Rote Rüben in Salzwasser mit Kümmel eine Dreiviertelstunde lang weich kochen, im Sud auskühlen lassen, erst dann schälen und klein würfeln. In den Rote-Rüben-Saft Kümmel, Honig, Essig und Salz geben. Aufkochen und um ein Drittel reduzieren. Die Sauce binden. Vollkornfleckerln und roten Rüben dazu geben. Mit Sauerrahm bestücken und mit frisch geraspeltem Kren bestreuen.

Der Kren (Meerrettich), frisch gerissen von der Krenwurzen, hat es in sich: so scharf, dass man meinte, es wird einem ins Auge gestochen und dabei ist er ganz mild vom Geschmack her.


Und wieder ein Gericht inspiriert von einem Rezept von Meinrad Neunkirchner aus „Österreich vegetarisch“*.

Erdäpfelnockerl mit Roter Zwiebelsauce

Natürlich kennt man die französische Zwiebelsuppe, kaum jemand kennt jedoch die gewisslich wohlschmeckende rote Zwiebelsauce nach Meinrad Neunkirchner. Mit Erdäpfelnockerln.


Rezept Erdäpfelnockerl mit Roter Zwiebelsauce

Die gewaschenen und mit etwas Olivenöl bestrichenen Agria, mehlig kochende Kartoffeln, auf ein Blech mit grobem Salz legen. Im Backrohr durchgaren bei 180 Grad, etwa eine knappe halbe Stunde. Noch heiß schälen. Durch die Kartoffelpresse pressen und mit drei Dotter, zwei EL Crème fraîche, Salz, Muskatnuss, gehackter Petersilie und Dille mit dem Gummihund(*) zu einer glatten Masse verarbeiten. Mit eingeölten Händen Nockerln formen. In Sonnenblumenöl goldbraun herausbacken. Drei fein gehackte rote Zwiebel und drei gepresste Knoblauchzehen in einer Pfanne mit Olivenöl hell anschwitzen. Einen EL Honig dazu geben und karamellisieren. Mit zwei EL Chianti-Essig ablöschen, einköcheln lassen und mit 400 ml Gemüsebrühe aufgießen. 10 Minuten leise vor sich hin köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit Kartoffelstärke binden. Anrichten Die Sauce in den Teller gießen, drei Erdäpfelnockerln darauf platzieren und mit in feine Scheiben geschnittene Zwiebel und Kresse bestreuen.


Eine weiteres Gericht inspiriert von einem Rezept von Meinrad Neunkirchner aus „Österreich vegetarisch“*.


(*) Gummihund, eine an die Wand einer Schüssel sich anschmiegende Teigspatel aus Gummi, mit der es möglich ist, z.B. den letzten Rest vom Teig heraus zu schaben oder den Teig glatt zu streichen.

Erdäpfelknödel mit Zellersauce auf Kraut – Oh selige Weihnachtszeit

Ein Wintergericht nach Meinrad Neunkirchner. Was bei ihm so gefällt: die so unprätentiöse Art seiner Gerichte, die keine Gourmet-Zutaten wie Kaisergranat benötigt, mit einfachen, direkt unscheinbaren Zutaten verblüffende Ergebnisse erzielt. Viele Köche können gut kochen, raffiniert und exquisit, eine Art, die bei Meinrad Neunkirchner überhaupt nicht zum Vorschein tritt. Bei ihm ist alles einfach, es ist nicht bodenständig es ist nicht traditionell, bei ihm ist es meinradisch raffiniert und neunkirchnerisch exquisit.


Rezept – Erdäpfelknödel mit Zellersauce auf Kraut

Eine mittelgroßen Sellerieknolle gründlich waschen, in Schale würfeln, in einer Sauteuse mit Sonnenblumenöl langsam anbraten. Zwei große, grob gehackte Zwiebel und drei Knoblauchzehen dazu geben. Einen TL Honig einrühren und karamellisieren lassen. Einen EL Tomatenmark einrühren, kurz schmurgeln lassen und mit einem Achtel Rotwein ablöschen. Mit einem L Gemüsefond aufgießen, leise vor sich hin köcheln lassen, eine Stunde lang, bis alles auf ein Drittel reduziert ist. Abgießen. Die Sauce mit Worcestersauce, Selleriesalz und Kümmel abschmecken und mit Kartoffelstärke binden.

Das Braunschweiger Kraut in mundgerechte Stücke schneiden, eine feingehackte Zwiebel in einer tiefen Pfanne mit Sonnenblumenöl anschwitzen, das Kraut dazu geben und anbraten. Wenn es Farbe bekommen hat, ganz wenig Gemüsebrühe ablöschen, einköcheln und mit Salz und Kümmel abschmecken. Vom Herd nehmen und vier EL Sauerrahm einrühren.

400 g Agria, mehlig kochende Erdäpfel, kochen, ausdampfen lassen, schälen, durch die Kartoffelpresse drücken und mit 70 g Kartoffelstärke, 20 g Weizengrieß, Salz und Muskatnuss rasch verkneten, Frischhaltefolie packen und im Kühlschrank eine Stunde lang ruhen lassen.

Salzwasser aufkochen aus dem Knödelteil kleine Knödel formen, ins Wasser geben und köcheln lassen, bis die Knödel zur Oberfläche steigen.

Anrichten: die Sauce in die Teller gießen, das Sauerrahm-Kraut darauf legen und zwei Knödeln darauf geben, mit grob gehackter Petersilie bestreuen.

Eine weiteres Gericht inspiriert von einem Rezept von Meinrad Neunkirchner aus „Österreich vegetarisch“*.


Hadnkuchn mit Sauerkirschen

Endlich ein Rezept, bei dem wir wieder mal den Gummihund von der Leine lassen konnten.

Hadn, kärntnerisch für Buchweizen.

Gummihund, ein Utensil aus Gummi, einem anschmiegsamen Teigschaber, mit dem es möglich ist, auch den letzten, an der Innenwand einer Teigschüssel angepickten Teigrest herauszuschaben.


Rezept Hadnkuchn mit Sauerkirschen

200 g auf Zimmertemperatur gebrachte Teebutter mit dem Ausgekratzten einer Vanilleschote in eine standfeste Teigschüssel  geben und mit dem Handrührgerät schaumig rühren. Fünf Eier trennen, die Dotter einzeln in die Butter einarbeiten. Dann 80 g Sukrin Melis dazugeben und weiterrühren. Dann 100 g geriebene, neunzigprozentige Zart-Bitterschokolade, 75 g geriebene braune (d.h. mit Haut) Mandeln, 75 g geriebene Haselnüsse zur Butter-Ei-Mischung dazugeben und ein paar Minuten verrühren. Das Eiklar zu steifem Schnee schlagen und den Eischnee vorsichtig mit dem Gummihund unterheben, damit der Schnee nicht zergeht. Und dann zum Schluss 150 g Buchweizenmehl portionsweise mit dem Gummihund unterziehen. Zwei geschälte, vom Gehäuse entledigte Äpfel reiben. Eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform mit der einen Hälfte der Teigmasse auslegen, die geriebenen Äpfel darauf verteilen, dann die zweite Hälfte der Teigmasse darauf verteilen, inklusive dem aus der Teigschüssel mit dem Gummihund herausgeschabten, letzten Rest. Bei 180 Grad 25 Minuten backen. Anschließend mit Alufolie abdecken. Weitere 20 Minuten backen. Dazu mit Marsala und Gelierzucker verrührte und eingeköchelte Sauerkirschen servieren.


Inspiriert von einem Rezept von Meinrad Neunkirchner in „Österreich vegetarisch“*


Ein Schwarzwurzelgericht der Extraklasse: mit Rollgerstl und Kohl

Schwarzwurzeln sind ein einzigartiges Gemüse. Hatten wir uns erst kürzlich an den Gedanken gewöhnt, dass sie der Spargel des Winters sind, stellen wir nun fest, dass man sie auch mit Kartoffeln verwechseln könnte. Der Hintergrund ist, dass wir in unserem bevorzugten Supermarkt zum ersten Mal Schwarzwurzeln gefunden haben, fürwahr dickstämmige Stangen – ich dachte bisher, Schwarzwurzeln sind dünn –  etwas verbeult und schmutzig. Eingehüllt in getrockneter, leicht abbröckelnder Erde, also nicht gerade wie aus der geschniegelten Supermarkt-Postille, passen sie nicht in unsere Zeit, und gerade dadurch sind sie sympathisch. Diese dicken, fleischigen Stangen schneidet man schräg an und schon hat man etwas, das vom Aussehen her der Kartoffel zum Verwechseln ähnlich sieht. Wer nicht weiß, dass es Schwarzwurzeln sind, wundert sich und sinniert, was das wohl sein könnte. Sie schmecken nicht nach Kartoffeln, Kohlrabi könnte es sein, vom Geschmack her. Aber es sind nun mal Schwarzwurzeln.

Rezept Rollgerstl mit Schwarzwurzel und Kohl

für 2 Personen

140 g Rollgerste in kaltes Wasser legen und zirka sechs Stunden einweichen. Abspülen mit kaltem Wasser. Eine große, fein gehackte Zwiebel in zwei EL Butter anschwitzen. Drei gepresste Knoblauchzehen dazugeben, dann die abgetropfte Rollgerste und nämliche ein paar Minuten mitschwitzen lassen. Einen halben Liter Gemüsebrühe eingießen und alles etwa 20 bis 25 Minuten köcheln lassen. In der Zwischenzeit die Schwarzwurzeln schälen, dann in kaltes, mit einem EL Mehl verrührtem Wasser legen und 5 Minuten darin ziehen lassen. Anschließend in ein cm dicke schräge Scheiben schneiden, in Salzwasser bissfest kochen. Vom Kohl den Strunk entfernen und die Blätter in rautenförmige Würfel schneiden.  Kohl und Schwarzwurzeln unter das Gerstl mischen, vorsichtig verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Grob gehackte Petersilie und Dille dazu geben.


Inspiriert vom Kochbuch „Österreich vegetarisch“* des viel zu früh dahingeschiedenen Wildpflanzen-Papstes, Meinrad Neunkirchner. Nämlicher wartet in diesem Buch nicht nur mit diesem unfassbar genialen  Schwarzwurzel-Gericht auf, sondern auch mit einem uns bis dato unbekannten Gewusst-wie. Bisher waren wir der Meinung, Schwarzwurzeln seien in Zitronen- oder Essigwasser einzulegen, um deren natürliche Farbe und Konsistenz zu erhalten. Jedoch entstellt die Zitrone eo ipso den Geschmack der Schwarzwurzel aufs Empfindlichste. Ein mit Mehl angerührtes Wasser erhält beides, Farbe und Aroma.


Erster Adventsonntag 2020

„Die Zeit der Besinnung und inneren Einkehr bringt auch die Menschen auf dem Arbeitsplatz näher zueinander. Erst vorvorgestern sagte der aus dem Norden zugewanderte Redaktionskollege Zander im kleinen Kreis: „Ach, lasst uns doch eine Adventsause machen! So eine Trinksache!“

Der Mann ist gut! Wer hat jetzt, Anfang Dezember, noch einen Termin für eine Weihnachtsfeier frei? Nach statistischen Erhebungen kehrt der arbeitende österreichische Mensch in der Adventzeit durchschnittlich bei 7,3 Betriebsfeiern ein. Die große Weihnachtsbetriebsfeier ist umrankt von den Weihnachtsabteilungs- und Weihnachtsunterabteilungsfeiern, auch die Teilnahme an außerhäusigen Weihnachtsfeiern setzt sich immer mehr durch. Experten sollen es auf 14 und mehr Stück bringen.

Der Weihnachtsfeierteilnehmer an sich konsumiert pro Veranstaltung 5,2 Achterln Wein, drei Sandwich normal, ein Sandwich trocken, 6 dag Liptauer, 2,4 Käsewürfel, eine Handvoll Popcorn (oder Kartoffelchips), zwei Blatt Krakauer, 11 Vanillekipferln und einen Schluck Mineralwasser.

Der allgemeine Fest-Rausch hat mit sich gebracht, dass einzelne Betriebe die Weihnachtsfeier schon Ende Oktober ansetzen, was den Vorteil hat, dass in der feierreichen Vorweihnachtszeit der eine oder andere Abend doch zu Hause im Kreis der Familie zugebracht werden kann. Am ehesten geeignet ist dafür der 24. Dezember.“


Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, diesen Weihnachtstrubel. In Zeiten des Lockdowns, des social distancing, wobei dieser Begriff hoffentlich physischen Abstand meint, nur und ausschließlich, wünscht man sich die alten Zeiten zurück, noch sehnlicher in der Adventzeit. Wir haben keine Mühen gescheut, unsere Archive umgegraben und vom Christkindlmarkt in Wien diese noch unveröffentlichten Bilder von vor zwei Jahren wieder entdeckt. Ist noch nicht lange her. Und trotzdem, wie fern erscheinen uns die Bilder, wie aus einer anderen Zeit. Niemand hätte sich vorstellen können, wie das einmal wird.

Text „Zeit der Einkehr“ aus dem Jahr 1989 von Hubert Hufnagl, Kopfstücke 1988 – 2005*

XL Lasagne – keine Spur zu groß

Von oben gesehen, erinnert mich diese Lasagne an ein Tiramisu. Das Aussehen von oben, der gebräunte Käsegratin sieht aus wie eine mit Schokolade bestreute Oberfläche – und die eckige Form haben diese Lasagne und das klassische Tiramisu wohl gemeinsam –  und beides ist italienisch! Ein Beitrag aus unserer italienischen Woche, nach einem alten, ehrwürdigen Rezept.

Klein gewürfelte Karotten, Petersilwurzeln, Sellerie, Lauch und Zwiebel in Olivenöl anschwitzen. Das faschierte Gemischte dazu geben, vermischen und alles unter Umrühren anbraten, sodass alles schön angebraten ist. Getrocknete Kräuter, Oregano, Thymian, Rosmarin, Basilikum, gepresste Knoblauchzehen, Salz und Pfeffer – und Obacht, weil altes, ehrwürdiges Rezept: die Parmesanrinde – dazu geben. Alle Viertelstunden wieder mit etwas Wein ablöschen, umrühren und köchelnd verkochen lassen, zirka 1 Stunde lang. In der nächsten Stunde dasselbe mit Kalbsbrühe machen, also alle Viertelstunden ablöschen, verrühren und geruhsam verkochen lassen. In der dritten Stunde das Tomatenconcassée dazu geben und einrühren, köcheln lassen. Mit den Kräutern abschmecken.

Béchamelsauce: eine helle Mehlschwitze machen und mit Milch aufgießen, mit Salz, Pfeffer und etwas Abrieb von einer Muskatnuss – ganz wichtig, ohne geht es nicht – abschmecken.

Die Lasagneblätter drei Minuten in kochendem Salzwasser geben, ein paar Minuten darin belassen, mit kaltem Wasser abschrecken, abtropfen lasen und auf einem trockenen Tuch trocknen lassen.

Dann fängt die Maurerarbeit an: In eine feuerfesten Form etwas von der Béchamelsauce geben, mit einer Schicht Lasagneblätter belegen, dann etwas von der Fleischsauce und mit etwas Parmesanabrieb bestreuen, mit etwas Béchamelsauce beträufeln, etc. Zum Abschluss eine Lasagneplatte darauflegen, mit Béchamelsauce begießen und mit geriebenem Mozzarella bestreuen – reichlich! Ich mag nicht, wenn Parmesan angebraten ist, deshalb: Mozzarella.

In das Backrohr schieben und bei 180 Grad etwa eine halbe Stunde backen lassen. Da es frische Lasagneblätter waren, zwar gekauft aber frisch, und genug von der Béchamelsauce verwendet wurde, wurde die Lasagne wunderbar weich und saftig, wie alle gefunden haben.


Die Parmesanrinde verleiht der Lasagne einen tieferen Geschmack. Seit Generationen von italienischen Mamas kommt deshalb Parmesanrinde auch in die Minestrone hinein, wie dieses Buch zu berichten weiß: Alexander Herrmann, Geschmacksgeheimnisse*.

Schweinsbraten vom Iberico mit Schwarzwurzeln

Schwarzwurzeln stammen ursprünglich aus Spanien, weshalb wir der Meinung sind, dass dann ein Iberico-Schwein wohl gut dazu passe. Gerade noch konnten wir den letzten Sack Schwarzwurzeln ergattern. Waren wir schon zu spät einkaufen, es war zirka 09:00 Uhr, oder liegt es am reduzierten Warenangebot in den Gastro-Großmärkten, dass nur mehr ein Sackerl da war, auf Schildern wird darauf hingewiesen, dass wegen dem Lockdown weniger Waren als üblich vorrätig sind. Oder ist es, weil ein Griss ist um die Schwarzwurzeln und die Leute im Lockdown vermehrt zu Hause kochen? Aber was nützt es schon, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Genauso gut könnten die Gastro-Großmärkte geschlossen sein, die Gastronomie wurde in Österreich wegen der Covid-19-Gefahr per Verordnung am 3. November geschlossen, nur noch Speisen zum Mitnehmen sind erlaubt. Die Mitarbeiter der Gastro-Großmärkte wurden in Kurzarbeit geschickt, doch die Märkte halten weiterhin offen. Man hofft offenbar vermehrt auf Privatkunden, um einen Totalausfall zu vermeiden. Das heißt also, auf uns! Und so übernahmen wir die volle Verantwortung und nahmen den letzten Sack Schwarzwurzeln mit.

Rezept Iberico-Schweinsbraten

Den geriebenen Knoblauch, die getrockneten Gewürze Oregano, Basilikum, Rosmarin und Thymian sowie Salz in Olivenöl verrühren. Diese Paste ins Schweinefleisch massieren. Vier Knoblauchzehen mit Schale halbieren, in die Bratform legen und dieselbe mit Karotten und Stangen vom Stangensellerie auslegen, das Fleischstück darauf legen. Im Backrohr eineinhalb Stunden bei 180 Grad garen und dann noch eine gute halbe Stunde bei 120 Grad weitergaren.

Schwarzwurzeln, wie hier.

Dazu Romanasalat mit Chicorée und eine Kartoffelmischung: mit Olivenöl und Salz einfetten und im Backrohr durchgaren.

Süßkartoffelsuppe, wie hier.

Wolfsbarsch, Spinat, Tomaten und Sauce Dugléré

Wenn man einen Fisch kauft, genauer gesagt, wenn man einen Fisch im Ganzen kauft, nicht nur ein Filet, steht man vor der edlen Aufgabe, den Fisch gesamthaft zu verwerten. Abgesehen davon, dass Fischfleisch viel besser schmeckt, wenn er frisch abgeschnitten wurde, kann man den Rest zu einer Sauce verarbeiten. Kauft man also einen ganzen Fisch, so hat man die Zutaten für die Sauce mit dazu, die man ansonsten erst wieder kaufen müsste. Und wer macht nicht gerne eine Fischsauce selber, wenn er weiß, dass dann nichts drin ist, was dort nicht hineingehört. Oder?

Eine Sauce, bei der der ganze Fisch verarbeitet wird inklusive Kopf, ist die klassische Sauce Dugléré, benannt nach Adolphe Dugléré, dem Mozart der französischen Kochkunst, wie ihn Giacomo Rossini nannte, einem Mann, der wusste, wovon er redete; bis heute ist er berühmt nicht nur für seine Opern, sondern auch dafür, dass er gute Küche zu schätzen wusste. Die Sauce Dugléré ist im Prinzip eine Mixtur aus zwei Saucen, die in sorgfältiger Ausgewogenheit vermischt werden, wodurch sich jeder Koch seines exquisiten Gaumens beweisen und in der Folge für seine Kochkunst rühmen kann. Da ist einmal die aus den Karkassen des Fisches gemachte Grundsauce. In ihr materialisiert sich der pure Geschmack des Fisches, man koste von dieser Sauce und Meer und Wolfsbarsch erscheinen vor dem geistigen Auge. Doch der Geschmack des Basisfonds ist zu intensiv und – zu einseitig. Abgemildert wird er durch die zweite Sauce, einer Essenz aus Tomaten und Fenchel, die das Gegengewicht bildet, das Geschmacksbild komplettiert und die mit gefühlvollem Abschmecken die Sauce in ein harmonisches Verhältnis bringt. Und sie so zu einem wahren Kunstwerk macht.

Rezept Wolfsbarsch, Spinat, Tomaten und Sauce Dugléré

Die Sauce Dugléré

Fischfond etwas Olivenöl und Butter in einem Topf erhitzen, eine Wolfsbarsch-Karkasse samt Fischkopf hineingeben und kräftig anbraten, sodass sie sich braun färbt, nach einiger Zeit hin und wieder umrühren, sodass die Karkasse zerfällt. Zwei klein gehackte Schalotten, einen kleinwürfelig gehackten Fenchel und vier gewürfelte rote Tomaten sowie zwei Knoblauchzehen dazu geben, kurz mitbraten und dann mit zirka 150 ml Malagawein ablöschen. Dann mit Geflügelfond aufgießen. Petersilienstängel dazu geben und zirka eine Stunde köcheln lassen. Durch ein Haarsieb passieren. Tomatenreduktion fünf große rote Tomaten halbieren, mit Salz und reichlich Olivenöl vermischen und mit der Schnittfläche nach unten in eine feuerfeste Form legen. Sechs, sieben zerdrückte Knoblauchzehen mit der Schale dazu geben, mit Alufolie abdecken und in das Backrohr schieben. Eineinhalb Stunden bei 180 Grad schmoren lassen. Aus dem Backrohr herausnehmen und mit etwas Fischfond aufgießen. Mit etwas grobem Pfeffer aus der Mühle bestreuen, ein paar Blätter Basilikum dazu geben und im Backrohr etwa eine Viertelstunde ziehen lassen. Herausnehmen und durch ein Haarsieb passieren. Abschmecken den Fischfond mit etwas von der Tomatenreduktion vorsichtig vermischen, abschmecken, wieder etwas Tomatenreduktion dazu geben, bis es die absolute Perfektion erreicht. Mit Butter binden.

Beilagen

Tomaten Zehn Tomaten blanchieren, die Haut abziehen, das Gehäuse samt Kernen entfernen und in Streifen schneiden. Die Hälfte der Tomaten bis zum Servieren auf die Seite stellen, die andere Hälfte mit Olivenöl vermischen und bei 10 Grad im Backrohr trocknen lassen. Spinat in Teebutter in einer Pfanne erhitzen, Spinatblätter dazu geben und in sich zusammenfallen lassen. Champignons putzen und vierteln, in einer Pfanne mit Butter hell erwärmen und unter den Spinat mischen.

Wolfsbarsch Das Fischfilet mit Olivenöl bepinseln und auf einen Teller legen und bei 100 Grad im Backrohr erwärmen.

Servieren

Spinat auf dem Teller anrichten, frische und getrocknete Tomatenhälften darauf legen, den Fisch daneben legen und mit der Sauce Dugléré begießen. Mit rohen Spinatblättern und Petersilie garnieren.

Inspiriert von diesem Kochbuch: Alain Ducasse, meine Bistro-Küche, die besten 110 Rezepte*.