Allgemeine Gedanken zur Musik

Der Goldene Saal im Musikverein

Alfred Brendel hat eine Weltkarriere als Musiker hingelegt, was man nicht von vielen Musikern aus Österreich behaupten kann. Außer ihm fällt mir spontan ein, Friedrich Gulda und Joe Zawinul natürlich. Auffallend ist, daß alle drei Pianisten waren. Ist Österreich ein Land der Pianisten? Das  hätte ich als Österreicher nicht behauptet, ich hätte unsere Stärke eher in der Blasmusik verortet. Aber ein großer Trompeter oder Posaunist kommt mir nicht in den Sinn, was vielleicht auch damit zusammenhängt, daß es sich hierbei um Instrumente handelt, die selten aus dem Ensemble hervortreten; – selten hört man von einem Trompeter-Recital, von Klavierabenden dagegen schon öfter.

Daß heutzutage wenig Pianisten nachkommen, liegt wohl daran, daß das Klavier aus dem bürgerlichen Haushalt verbannt wurde. Kaum mehr ein Haus, das einem Klavier Platz bietet; – und wo kein Klavier, hält sich auch der Nachwuchs in Grenzen.

Dabei ist das Klavier das Universalinstrument schlechthin, seit Jahrhunderten; – Auszüge von Opern und Sinfonien wurden für das Klavier erstellt, für kein anderes Instrument. Es gab einmal eine Zeit, da hat man als werdender Musiker Klavierspielen gelernt; – als Grundstock, von dem man sich weitergehangelt hat zu seinem Instrument.

Zuerst das Radio, dann die elektronischen Medien Fernsehen und Internet, haben das Musikmachen aus dem Leben verdrängt. Johann Wolfgang v. Goethe behauptet: „Wer Musik nicht liebt, verdient nicht, ein Mensch genannt zu werden; wer sie liebt, ist ein halber, wer sie aber treibt, ein ganzer Mensch.“ Wenn dieses Wort noch heute gilt wie vor 250 Jahren, woran kein Zweifel besteht, dann gibt es heutzutage kaum mehr halbe geschweige denn ganze Menschen. In einer Welt, die durch Maschinen-  und elektronische Geräusche die Stille vertrieben hat, aus der die Musik kommt, geht die Musik verloren. Bei Schubert hört man am deutlichsten, woher die Musik kommt.

Seiler & Speer behaupteten jüngst in einem Fernsehinterview, Musik sei dazu da, Gefühle zu transportieren. Dabei habe ich vor Augen die johlenden Menschenmassen, die in aufgeheizter Stimmung bei Festivals die Arme in die Höhe recken. Musikhören ist nicht Partymachen. Musik findet im Konzertsaal statt. Musik hat keinen Zweck zu erfüllen. Musik ist schwer zu begreifen; sie ist etwas Heiliges und Profanes; nicht von dieser Welt, und doch von dieser.


Seiler & Speer im Interview bei ServusTV „Servus am Abend“, am 14. Juli 2025.

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aa7zibb5jlz7jg3gya6z/

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Grillhendl mit Salat

Huhn mit Baby-Leaf-Salat, Wildkräutersalat und Fisolensalat

Heute gibt es gegrilltes Huhn mit Salat. Damit sind wir im Bereich von Mozarts Klaviersonaten. Artur Schnabel sagte einst, sie seien zu leicht für Kinder, zu schwierig für Künstler. Bemüht man sich, wird es leicht manieristisch, nur mit spielerischer Freude wird das was. Ein gutes Grillhendl wird unterschätzt wie Mozarts Klaviersonaten. Läßt man einem Huhn diverse Sperenzeln angedeihen, wirkt das leicht überkandidelt. Wenn man es einfach macht, wird es am besten: man grillt es und gibt Salat dazu. Das war‘s. Bitte keine Pommes frites, diese ziehen es herunter auf Kindermenüniveau.

Ein Grillhendl ißt man ja am besten mit den Fingern. Da braucht‘s dann keine Dekoration, zu Effeminiertes sollte davon ferngehalten werden.

Hat man kein Grillhuhngrillgerät, schneidet man das Huhn auf, breitet es schmetterlingsförmig auf einem Backblech aus und schiebt es ins Backrohr. So kann man es von oben grillen.

Das Huhn wird nur mit Olivenöl und Salz eingerieben. 200°C im Backrohr, zirka 40 Minuten, und zum Schluß Grillschlange von oben.

Salat: Fisolensalat mit Zitronen-Olivenöl und Dille. Wildkräutersalat, Baby-Leaf-Salat mit Olivenöl und Traubenbalsamessig.

Wein: St. Laurent, Umathum


Artur Schnabel, geb. 1882 in Galizien, Österreich-Ungarn, gest. 1951 in der Schwyz, Schweiz. Auf der Gedenktafel in Berlin-Wilmersdorf steht über ihn: „Als Interpret der Klavierwerke Beethovens und Schuberts sowie als Lehrer hat er bis heute unerreichte Maßstäbe gesetzt.“


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Schwarzwurzeln mit Kräuterseitlingen und Pesto, einfache Fassung

Die wahre Kunst

Wir hatten einmal auf Küchenereignisse ein Rezept mit Schwarzwurzeln und Kräuterseitlingen dazu Petersilien-Haselnuß-Pesto, hier. Die Hofköchin hat das Rezept vereinfacht und es schmeckt immer noch hervorragend, es ist ihr gelungen!

Einstein hat gesagt, man solle alles so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher. Das gilt in vielen Bereichen, bei technischen Lösungen, man denke etwa an die Glock-Pistole, die nur aus wenigen Einzelteilen besteht. Oder an gute IT-Lösungen. Oder an gute Texte. Aber auch in der musikalischen Aufführung, wie man so liest bei Alfred Brendel in „A bis Z eines Pianisten“, unter dem Buchstaben E wie Einfachheit, gilt das Einsteinsche Prinzip. Bei Rezepten geht das nicht, einem guten Rezept fehlt etwas, wenn man es vereinfacht. Ein gutes Rezept zu vereinfachen, heißt es zu verändern. Und wenn es dann dennoch schmeckt, dann ist das eine Kunst! Gute Zutaten helfen dabei, denn gute Zutaten brauchen nichts zur Verschönerung.

Einfaches Rezept Schwarzwurzeln mit Kräuterseitlingen und Pesto

 Zuallererst werden die Schwarzwurzeln unter fließendem Wasser mit Einweghandschuhen gesäubert, geschält und in ein Essigbad gelegt. Die Einweghandschuhe schützen vor dem klebrigen, die Haut verfärbenden Saft der Schwarzwurzel. Im Blitzhacker wird aus Basilikum, Zitronensaft und -abrieb, sowie Pinienkernen ein Pesto gemacht. Kräuterseitlinge werden gebraten, die Schwarzwurzeln werden weichgegart im gesalzenen Kochwasser, das erhält die weiße Farbe und mildert den Geschmack.

Moments culinaire

Ein spanischer Abend

I want to make music. That means I prefer the Steinway piano.” (Brendel). Es gibt zwar keine auf Kulinarik umgemünzten Steinway-Flügerln. Dennoch paßt der Spruch; wir verwenden nur die besten Zutaten für unseren Spanischen Abend.

Pan Tumaca (Tomatenbrot)

Tomaten blanchieren, enthäuten, bedachtsam Kerne entfernen. In Olivenöl und Salz ziehen lassen. Auf geröstetem Ciabatta eine Knoblauchzehe reiben. Tomaten darauf platzieren.

Spanischer Jambon

Tomaten-Oliven-Ciabatta mit Jambon belegen und schwarzen und grünen Oliven.

Thunfisch-Empanadas mit Mojo verde

Mürbeteig zubereiten, Thunfisch zerdrücken und Lauch in Scheiben schneiden, Salz, mit etwas in Wasser eingelegten Safran vermischen. Teig ausrollen, mit einem runden Ausstecher ausstechen, die Fülle daraufgeben und zusammenklappen, mit einer Mischung aus Eigelb und Sahne bestreichen, bei 180° goldbraun backen. Dazu Mojo verde: Petersilie und Koriander hacken, mit Olivenöl, Zitronenschale, Zitronensaft, geriebenem Knoblauch und Salz verrühren.

Manchego-Bällchen mit Paprikasalsa

Grüne, rote und gelbe Paprika entkernen und schälen, kleinwürfeln.  Lauch in feine Scheiben schneiden, mit Paprika vermischen, das Gemüse mit einem Dressing aus Zitronensaft Olivenöl, Salz bis zum Servieren marinieren. Manchego in Würfel schneiden. Durch die Panierstation ziehen und in heißem Öl fritieren.

Sardellen mit Olivenspießen

Ciabatta grillen, die Sardelle mit einem Holzspieß aufspießen, mit Oliven servieren.

Albondigas (Andalusische Mini-Frikadellen)

Rindfleisch mit angeröstetem Lauch, geriebenen Knoblauchzehen, Salz, gemahlener Koriander, Kreuzkümmel, gehackte Petersilie und Koriandergrün vermischen. Kleine Bällchen formen und herausbacken. Tomatensoße: Tomaten blanchieren, Haut und Kerne entfernen, würfeln. Feingehackte Zwiebel auf Olivenöl anschwitzen, Tomatenmark dazugeben, mitschwitzen, Die gewürfelten Tomaten dazugeben, salzen und ein paar Minuten köcheln. Dazu einen Safranreis.

Erlesene Zutaten:         

Tomaten aus Granada La Palma, Andalusien: dulcextra

Olivenöl aus Andalusien, ecologico lasolana2, Picual, mit extra viel Polyphenol.  Nach einem Hin und Her mit der Speditionsfirma konnten wir das Olivenöl endlich in Händen halten.

Manchego, Käse aus der Region La Mancha, Spanien

Faschiertes Rindfleisch: Wagyu aus Österreich

Tomatenraritäten für die Tomatensoße aus Österreich

Wein aus dem Burgenland: Pinot Noir 2022, Unter den Terrassen, Umathum


So genußvoll es ist, Brendel zu hören, ist es, ihn zu lesen. Man merkt schon am wohlgeformten  Ausdruck, daß hier ein Großmeister der Sprache am Werk ist. Ebenso gefällt mir, daß er der Schreibweise vor der Rechtschreibreform 1996 verhaftet ist.

Auf dem Leseteller: Alfred Brendel „A bis Z eines Pianisten“, erschienen 2012 in alter Rechtschreibung.

Auf dem Plattenteller: Alfred Brendel spielt Schubert u.a. „Moments musicaux“ (Philips, aufgenommen 9/1987 in Neumarkt/Oberpfalz, Deutschland)


Heute haben wir unser erstes IoT*-Gerät gekauft, einen Staub- und Wischroboter – ohne Smartphone und WLAN wären wir aufgeschmissen. Dafür sind wir in die SCS Vösendorf gefahren. Das neue Buch von Brendel, seine letzten Worte, „Naivität und Ironie“, haben wir nicht bekommen. In der einen Buchhandlung gab es ein Exemplar, das schon verkauft war (Morawa); die andere führte es gar nicht (Thalia). Das Buch wird als Bestseller Nr. 1 bei Amazon geführt – und wurde dort bestellt. Ich habe es probiert – ohne Internet geht’s halt nicht. In modernen Zeiten leben wir.


*Internet of Things

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Kaltschalenwoche

Rexgläser mit kalten Suppen

Sommer ist, wenn man nicht aus Hunger ißt; – sondern um sich von innen her abzukühlen. Gazpacho, woran man sofort denkt, haben wir schon gehabt. Dafür gibt es dieses Mal eine ganze Palette an kühlen Köstlichkeiten, die nicht nur für heute uns gereichen sollen; – die ganz Woche möchten wir uns an ihnen laben. Die Kaltschalen werden uns in der Mittagspause erfrischen – und zwar sofort und ohne Umschweife! Man muß ja nicht einmal eine Minute auf die Mikrowelle warten wie sonst.

Die Suppe, die aus der Kälte kam.

Wir möchten hier niemanden darüber belehren, wie man sich bei heißen Temperaturen verhält…. in schattigen Gemächern verweilen, am Morgen die Burg lüften, tagsüber verdunkeln, und ausreichend Wasser trinken, … das weiß doch jedes Kind; – nein das wäre ja wie Eulen nach Athen tragen. Jedoch ein paar Rezepte für kühlende Kaltschalen können nicht schaden.

Zucchinisuppe mit Ziegenkäsekugeln

2 geschnittene Jungzwiebeln in Olivenöl anschwitzen. 4 geriebene Knoblauchzehen dazu geben. Eine halbe gewürfelte, entkernte Zucchini, 1 Bund Dille, 1 Bund Minze, 1 entkernten gewürfelten Apfel mit Schale, einen halben Liter Milch, Saft und Abrieb einer Zitrone und die angeschwitzte Zwiebel und Knoblauch im Mixer pürieren. Wenn nötig, etwas kaltes Wasser dazu geben, durch ein Sieb streichen. Mit Salz abschmecken. Kugeln 100 g Ziegenfrischkäse, 1 EL geriebener Pecorino, 1 Ei, 2 EL Haferflocken vermischen, kurz ziehen lassen, zu einer Kugel formen, panieren. Und in heißem Olivenöl fritieren. Dazu kommt frisch gehackte Minze darüber streuen.

Gegrillte Grünpaprikasuppe mit Salzgurken

4 grüne Paprika grillen, Schale abziehen, mit 400 g gewürfelte Salzgurke, 1 gehackten Jungzwiebel, 1 Knoblauchzehe und 60 ml Saft von den Salzgurken und 1 Bund Dille im Mixer pürieren. Durch ein Sieb streichen. 200 ml Schlagobers hineinleeren. Als Suppeneinlage gewürfelte Salzgurken. Reis.

Gurkensuppe

Eine große Salatgurke, 2 Knoblauchzehen, Saft und Abrieb einer Zitrone, 200 g griechisches Joghurt, 1 Bund Dille und etwa 200 ml Wasser mit Salz im Mixer pürieren. Suppeneinlage: eingehackte violette Zwiebeln, gewürfelte Essiggurken, gehackte geröstete Kürbiskerne.

Apfelsuppe auf die ungarische Art

2 EL Honig karamelisieren. 4 geschälte, gewürfelte und mit Zitronensaft beträufelte Apfelstücke zum Honig geben. etwa 100 ml Wasser dazugeben. Zimt und Nelke dazugeben. Zum Schluß 150 ml Schlagobers dazugeben. Mit Maisstärke binden.

Heidelbeersuppe

300 ml Milch, 300 g Heidelbeeren, einen halben TL Zimt und gemahlene Nelke, 2 EL Honig und den Saft einer halben Zitrone aufkochen. Zurückdrehen, 10 Min. köcheln. Ein bißchen abkühlen, im Mixer pürieren. Durch ein Sieb streichen und 150 ml Sauerrahm hineinrühren. Dazu gibt es Topfenhaferknödel: 125 g Topen, 1 Ei, 50 g körniger Hafer, Abrieb einer halben Zitrone, 1 EL Honig, gut verrühren. Ziehen lassen. Zu kleinen Knödeln formen und in siedendem Wasser durchziehen lassen. Mit angerösteten Mandelblättern servieren.

Kichererbsen-Karottensuppe

200 g gekochte Kichererbsen, 4 gewürfelte und gegarte Karotten würfeln, 300 ml Gemüsesuppe, Sat und Abrieb einer Limette, Salz pürieren. Während dem Pürieren 4 EL Olivenöl hineingießen. Durch ein Sieb passieren. Mit Petersilie servieren.

Radieschen-Joghurtsuppe

4 Eier kochen, schälen, Dotter und Eiweiß trennen, Eiweiß würfeln und beiseite geben. Den Dotter mit 300 g Joghurt und 200 g Sauerrahm und einem TL Dijonsenf, Saft einer halben Zitrone und Salz pürieren. Als Beilage in Stifte geschnittene Radieschen, gewürfelte Gurke, gehackte Dille, das gewürfeltes Eiweiß, Minze und Schnittlauch. Und ein gekochtes Ei.


Wir haben zwei Gläser Salzgurken aus der Konservenfabrik in Eferding. Das wird nicht reichen, für die saure Gurkenzeit.


Paul Flora wäre heute am 29. Juni 2025 103 Jahre alt geworden. Zum Gedenken und zur Abkühlung: „Venezianischer Winter mit drei Pulcinellen“.

Bis zum nächsten Mal, wenn es dann heißt: Schneeflockensuppe und andere Kaltschalen, mitunter aus Ungarn.

Mit frostigen Grüßen!

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Antipasti Buffet/ In Memoriam Alfred Brendel

Antipasti-Buffet zu Hause

Das Anitpasti-Buffet wurde in der Küche aufgebaut, ein kleines Buffet für 2 bis 4 Personen.

Getrocknete Tomaten mit Thymian und Knoblauch

Gegrillte Paprikastreifen in Olivenzitronenknoblauch-Marinade

Mit Frischkäse gefüllter Snackpaprika

Gegrillte Zucchini und Melanzani

Melanzani-Creme

Tomaten-Mozzarella mit hausgemachtem Pesto

Gegrillte Lila Spargel

Gegrillte Champignon

Bresaola, Prosciutto, Salami und Pecorino

Dazu Brot von Öfferl, hergestellt auf die althergebrachte Art mit Sauerteig: ein Baguette „Crousto“ mit einer Weizen- und Roggenmehlmischung und ein Baguette “Capo” mit dem gleichnamigen Weizenmehl. Brot mit Sauerteig braucht nur wenige Zutaten: Mehl, Sauerteig, Wasser und Salz. Das Brot wurde gekauft in der Inneren Stadt, und von dort aus ging es ins Burgenland zur Dankbarkeit in Podersdorf, zu einer jiddischen Hühnerleber und einem Beuschl mit Serviettenknödel bzw. Rote-Rüben-Couscous mit Kräuterjoghurt. Dabei kamen wir vorbei bei Iris‘ Hofladen in Purbach, wo wir frische Erdbeeren, weiße und violette Maulbeeren, Kirschen, Paprika und violetten Spargel erstanden. Und wenn wir schon einmal ins Burgenland fahren, dann machen wir auch einen Abstecher zu Umathum, wo wir uns mit Sekt, Pinot Noir und Sankt Laurent eindeckten.

Melanzani, Zucchini und Tomaten sind von blün, Wien. Knoblauch aus Ungarn, Kräuter von Altschachl, Oliven und Olivenöl aus Italien, Champignon aus Tyrol. Salami und Prosciutto aus Italien.


Wein: Sankt Laurent, Umathum, Burgenland, 2022

In Memoriam Alfred Brendel

Als wir in der Innenstadt bei Gramola nach CDs des kürzlich verstorbenen Klaviervirtuosen Alfred Brendel fragten, beschied man uns, daß alles ausverkauft sei und daß auch keine neue Gesamtedition zu erwarten ist. Die Chefs der heutigen Plattenfirmen wären der Meinung, daß ja eh alles per Streaming-Dienste verfügbar sei und daher kein Bedarf bestünde. Oh werch Illtum! Und schaut man sich die Kataloge der Firmen an, wie etwa der Deutschen Grammophon, so sieht man, wie ernst die Lage ist: die Summe der Neuveröffentlichungen ergeben ein Bild von bestürzender Überschaubarkeit. Konrad Paul Liessmann hat jüngst ein Plädoyer für den Plattenspieler geschrieben. Vielleicht nützt das Veto eines alten Gelehrten, dem Wahn Einhalt zu gebieten.


Nun hat es Alfred Brendel also tatsächlich geschafft, ohne Titel durchs Leben zu kommen; – eine umso beachtlichere Leistung, da er ja Österreicher war. Das heißt, wenn man davon absieht, daß er in England, seiner Wahlheimat, zum Ritter des Ordens des British Empire (KBE) geschlagen wurde.

Alfred Brendel trug zur veränderten Wahrnehmung Schuberts einiges bei, mit seinen einfühlsamen Einspielungen. Mozart und Beethoven reichen bis zum Himmel – Schubert kommt von dort, so sagte Oskar Werner. Und wenn man Schuberts Klaviersonaten hört, vorgetragen von Brendel, eingespielt für die mittlerweile nicht mehr existierende Firma Philips, so versteht man, was Werner damit gemeint haben könnte. Wie nahe Brendel Schubert ging, konnte man an seinem Gesicht ablesen, das er zu Grimassen verzerrte, dessen er sich erst bewußt wurde, als er sich selbst im Fernsehen sah. Er stellte einen großen Spiegel neben dem Klavier auf, um das in den Griff zu kriegen. Die Hingabe, mit der Brendel Schubert spielte, kann man auch in den TV-Aufnahmen beobachten, die Mitte der Siebzigerjahre für Radio Bremen entstanden sind: eine Fernsehserie nur für die Klaviermusik von Schubert, vorgetragen von ein und demselben Interpreten – das hat es vorher nicht gegeben.

Aus Selbstschutz habe ich dieses Haus auch gekauft. Denn wenn eine Familie mit Kindern eingezogen wäre, um hier Rockmusik zu spielen, hätten wir ausziehen müssen.

Alfred Brendel über die Beweggründe, das Nachbarhaus in Hampstead auch zu kaufen.

Das allerletzte Konzert gab er im Musikverein, kurz vor Weihnachten 2008, mit den Wr. Philharmonikern. Am 17. Juni 2025 starb Alfred Brendel. Er wurde 94 Jahre alt.

No one has done more than Brendel to accentuate the complexity and dramatic intensity of Schubert’s musical and psychological personality or to elucidate the originality and compelling logic that characterize this composer. We are all in his debt.“ (Jeremy Siepmann, im Beiheft der DVD-Box von EuroArts „Alfred Brendel plays and introduces Schubert Piano Works“, in der die dreizehnteilige Fernsehdokumentation von Radio Bremen versammelt ist.)

https://www.universal-music.de/alfredbrendel/news/geheimnisse-der-wirkung-68401

https://www.profil.at/kultur/pianist-brendel-interview-8585104

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Donauwelle und Bodensee

Schweinsbraten mit Letscho und Gemüsehirse

8:30 Frühstück mit Kaffee und Schinkensemmel und frisch gepreßten Zitronensaft

9:15 Zutaten zusammenstellen. Schopfbraten (Esterhazy) 1 kg, Schweinsbraten (Esterhazy) 1,3 kg  

9:30 Schopfbraten mit Knoblauch spicken, Suppengrün und Tomatenmark scharf anbraten, mit Weißwein ablöschen. Mit Gemüsebrühe auffüllen. Eine Paste machen mit der Gewürzmischung „pulled pork“ (rote Dose) von „stay spiced!“ und geriebenem Knoblauch, getrocknetem Majoran und Kümmel. Damit den Schopf einreiben. Schopfbraten auf das Gemüsebeet legen.

9:45 Schweinsbraten schröpfen. Mit Zitronensaft die Schwarte beträufeln und einmassieren. Trocknen lassen. Und nochmals mit Zitronensaft einmassieren. Salzen. Knoblauchknolle halbieren, in eine Bratreine geben und das Fleisch darauf stellen.

10:30 Schweins- und Schopfbraten bei 220°C ins Backrohr schieben. In dieser Zeit das Letscho zubereiten. Und die Blumeninsel: Hirse, diese in Salzwasser kochen, in der Zwischenzeit eine gelbe und eine rote Karotten würfeln und 2 Stangen vom Stangensellerie in Butter anschwitzen, mit etwas Salz. Unter der gekochten und gut abgetropften Hirse untermischen.

11:20 Kontrolle, erhöhen auf 240°C

11:45 herausnehmen

Schweinsbraten „Donauwelle“ und Schopfbraten „Bodensee“ (mit Blumeninsel)

Der Schweinsbraten war ausgesprochen knusprig und das Fleisch darunter so zart, wie man sich das nicht vorstellen kann. Der Schopfbraten war im Vergleich trocken, da kam die Gemüsesauce grad recht. Die Hirse mit den Gemüsestücken „Blumeninsel“ hat den rechten Geschmackstupfer hinzugefügt.


Diese Bilder sind während dem Vorgang des Kochens entstanden und zeigen am Ende das Ergebnis.

Ein Hoch auf die Hofköchinn!

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Lasagne (gemeinsam essen)

Lasagne

Dieses Rezept mag dem einen oder anderen zu aufwendig erscheinen. Lasagne selber zu machen, ist anstrengend: man muß schwere Töpfe heben, Flüssigkeiten umschütten, man muß gar mit siedend heißen Flüssigkeiten hantieren – gefährlich! Und man muß stundenlang ausharren; bis das Ragu fertig ist; das dauert bisweilen 3 Stunden.

7:00 aufstehen! Der Tag beginnt mit Mozart. Kleine Nachtmusik (Concentus Musicus Wien). Kaffee trinken. Schinkensemmel essen. Orangenzitronensaft trinken. Das Tagwerk kann beginnen.

7:30 Zutaten zusammenstellen. 1 kg Rindsfaschiertes. 4 rote Zwiebeln. 2 rote Karotten. 1 gelbe Karotte. 1 Stück Sellerie. 2 Stangen Stangesellerie. 8 Knoblauchzehen. 600 g Tomaten-Concassée. 700 ml Weißwein. Gewürze: 1 TL gehackten Thymian, 1 TL gehackter Rosmarin, 1 TL getrockneter Oregano, 2 Salbeizweige. 4 Lorbeerblätter. 2 EL Tomatenmark. 150 g Butter. 150 g Mehl. 1 ½ L Milch. 600 g vorgekochte Teigplatten. 250 g Parmesan. Parmesanrinde. 300 g Mozzarella.

8:00 Gemüse in Brunoise schneiden (Knoblauch, Zwiebel, rote und gelbe Karotten, Petersilienwurzel, Stangensellerie, Sellerie)

8:30 Mozart Missae breves, Missa longa (Concentus, Teldec, 40 Jahre Das Alte Werk)

8:45 Das Faschierte anrösten. In einem anderen Topf das Gemüse anrösten. Hin und wieder umrühren.

9:00 Knoblauch blondieren: zum Gemüse dazufügen.

9:00 Brocken vom Faschierten mit dem Kochlöffel auseinanderstoßen. Umrühren. Tomatenmark dazugeben. Umrühren. Wenn das Tomatenmark sich am Boden angelegt hat, mit Weißwein (Grüner Veltliner) ablöschen.

9:15 Das Faschierte zum Gemüse schütten. Etwas Weißwein in den Topf vom Faschierten gießen, mit dem Kochlöffel Fleischreste abschaben und zum Gemüse schütten. Etwas Wein – auch Rotwein, wir hatten noch etwas Pinot Noir übrig – dazugießen. Umrühren. Mit 2 TL salzen. Umrühren und köcheln lassen, bis der Alkohol verdampft ist. Diese Prozedur wiederholen, bis die Flasche Weißwein weg ist, weiterköcheln lassen. (ca. halbe Stunde)

9:45 Mozart Piano Concertos 23 und 24 (ORF RSO, Zacharias)

9:45 Wenn alles verdampft ist und nur noch Fett austritt, das Tomaten-Concassée dazugeben. Die Gewürze und das Lorbeerblatt dazu geben.

10:00 Parmesanrinde hineingeben. Die nächsten eineinhalb Stunden köcheln lassen.

10:45 Rossini Il Barbiere di Siviglia (LSO Abbado)

11:00 Béchamelsauce machen: Butter zerlassen, Mehl dazugeben, auf mittlerer Hitze rühren, bis eine helle Einmach entsteht. Milch dazugießen, unter ständigem Rühren.  Durch ein Sieb streichen, um Mehlbatzen aufzulösen.

11:30 Schichtweise in ofenfesten Formen auflegen: Béchamelsauce, vorgekochte Lasagneblätter, Ragu, Parmesan; als Abschluß Teigblätter, Béchamel und mit Mozzarella bestreuen. Die Teigplatten saugen die Béchamel auf, deshalb wird es weich.

12:00 Ins Backrohr schieben bei 180° C.

12:45 herausheben, auskühlen lassen.

14:00 Aufschneiden und anrichten.


Man könnte natürlich auch eine Lasagnepackung aus dem nächsten Supermarkt besorgen, tiefgefroren – viele Gastronomen machen es nicht anders: im Großmarkt gibt es die Großpackung. Aber erstens schmeckt Selbstgemachtes am besten. Zweitens erlebt man Freude und Erfüllung, wenn man selber kocht.


Freude ist die einfachste Form von Dankbarkeit. (Karl Barth)


Lasagne läßt sich gut teilen und wird daher oft in Gesellschaft verzehrt. Das schafft Gemeinsamkeit. Glückseligkeit breitet sich aus, Momente der Stille und Einkehr. Das ist das Wunder des gemeinsamen Mahles. Ein kleines Wunder mit sinnlichem Glanz.


Erst wenn es aus den Tiefen brodelt, verwandelt sich das Faschierte in Ragu. Dafür braucht man eine gewisse Grundmenge. Und dafür braucht man schwere Töpfe. Freudige Esser sollten auch anwesend sein!


Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich in ihrer Mitte. (Matthäus 18,20)


Lasagne ist eines der aufwendigsten Gerichte, die es gibt, wenn man es auf die traditionelle Weise macht. Die Hingabe, die dafür nötig ist, wird belohnt.


Ein Hoch auf die Hofköchinn!

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Vitello tofunato

Vitello tofunato

Heute gibt es nichts klassisch Italienisches, heute gibt es: Vitello tofunato mit fritierten Knoblauchscheiben und Kräutern. Die klassische Variante geht mit Thunfischsoße und das Kalb wird gekocht. Bei uns gibt es Tofumörtel, gebratenes Kalb und fritierte Kräuter – alles ganz anders… trotzdem läßt sich die Abkunft vom vitello tonnato nicht verheimlichen.


Für den Tofumörtel:  300 g Seidentofu, 60 ml Zitronensaft, 3 zerdrückte Anchovis, 2 geschälte und geriebene Knoblauchzehen und 3 gehäufte EL geriebenen Parmesan. Das kommt alles in einen Standmixer und wird püriert. Im Kühlschrank aushärten lassen.

Das Kalbsfilet salzen und pfeffern. Butter in der Pfanne erhitzen. Darin das Kalbsfilet rundum anbraten. Im Backrohr bei 180°C 10 Min. ziehen lassen. Danach auskühlen lassen.

Estragonkräuter in Olivenöl fritieren, dann die Basilikumblätter und zum Schluß die Knoblauchscheiben. Achtung: es spritzt. Notfalls mit Küchenkrepp abdecken.

Wenn das Kalbsfilet ausgekühlt ist, das dauert zirka eine halbe Stunde, aufschneiden und mit dem Tofumörtel, dem Fritiertem und Rucola anrichten.


Das ist keine Zauberei, sagte die Hofköchin. Und meint das im vollen Ernst. Aber so gut wie das geschmeckt hat, klingt das unglaubwürdig. Warum gibt es das dann nicht öfter? Wenn’s eh so einfach ist… Auch wer keinen Tofu mag, wird hier zugreifen.

Dazu könnte ich mir gut Weißbrot vorstellen – und ein Glas Weißwein – einen Grünen Veltliner.

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10 Jahre Küchenereignisse – hochverehrtes Publikum!

Schinken-Käse-Toast

Nun ist es 10 Jahre her, als der erste Beitrag erschien. Zeit, ein paar kleine Veränderungen vorzunehmen. Ein Neuanfang tut gut, ein bißchen modernisieren: Statt auf deutsch erscheint der Blog nun in einfacher Sprache und einfacher Orthografie. Statt selbst zu kochen, gibt es Aufgetautes: Fertiggerichte werden gewärmt. Und statt Photographien mit einer Kamera zu schießen, holen wir uns Symbolfotos aus dem Internet. Und dann noch den Blog umbenennen in Küchenerzeugnisse. Küchenereignisse klingt so hochtrabend. Effizienz statt Opulenz. Glatt Gekämmtes statt Onduliertes.

Ach nein, wir machen weiter wie bisher.

Schinken-Käse-Toast – erweiterte Fassung für den gesteigerten Genuß

Drei Käsesorten treffen aufeinander, für den besonderen Gaumenschnalzer: Geriebener Parmesan und Mozzarella gestreut über Raclettekäsescheiben. Schinken ohne Zusatzstoffe, auch kein Zucker. Sauerteig-Toastbrot vom Bäcker Öfferl. Im Ofen am Backblech krustig knusprig gebraten.  Butter aus dem französischen Butterfaß. Dazu karamelisierte Zwiebel. Boretsch Micro Greens. Kapernbeeren.


Ein Toast wie ihn sich sonst nur der Teufel gönnt.

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