…kommt der Heiner zu Dir nach Hause. Aus besonderem Anlaß habe ich vom L. Heiner auf der Wollzeile 8 Tortenstücke mitgebracht und ein Kaffeeservice mit den Originaltassen wie sie beim L. Heiner auf den Tisch kommen. Es sind Torten vom Heiner, es sind die Kaffeetassen vom Heiner – nur es ist nicht beim Heiner!
Dobostorte, ein Muß. Ich wartete eine Stunde auf die Dobostorte. Nicht beim Heiner, in der Zwischenzeit machte ich meine Erledigungen. Pünktlich um 10:30 wurde sie geliefert. Biskuitböden, mit Schokoladenbuttercreme. Darüber eine Biskuitplatte mit Karamellzucker. Unverzichtbar.
Hernalser Torte. man kennt die Linzer Torte, die älteste Torte der Welt, aber kennen Sie die Hernalser Torte? Eben. Wir auch nicht, deshalb mußten wir sie kosten. Nußboden, Schokoladencreme (Pariser Creme), helles Biskuit getränkt mit Amaretto, Orangenlikör und Orangensaft, glasiert mit Schoko-Obersglasur.
Zitronenschaumtorte, daran kann man nicht vorbeigehen. Mürbeteig mit Zitronencreme und Baiser.
Jubiläumstorte. Im unteren Teil ein knuspriger Krokant, darüber eine cremige Schicht, ein Schokomousse. Hier trifft sich was zusammengehört, eine Apotheose von Torte. L. Heiner feiert 185 Jahre seines Bestehens.
Während dem Warten auf die Dobostorte war ich in der Buchhandlung Morawa. Es gab kein Kochbuch für uns, die waren mir zu einfach gestrickt, oder zu politisch (mit Ukrainekrieg). Das neue Jamie-Oliver-Kochbuch wäre eventuell in Frage gekommen, aber das war auf Englisch. „Eat yourself healthy“ heißt es.
Die Hofköchin ist krank und überarbeitet, deswegen blieb sie zu Hause. Wir bitten die Depscher* an den Torten zu entschuldigen. Das liegt nicht an L. Heiner.
*Depscher, der, -s/-, auch Tepscher (ugs.). ein D. (eine Einbeulung, Delle) am Auto | seelische Erschütterung (aus dem Österreichischen Wörterbuch, 43. Auflage)
Gekochtes Rindfleisch ist wie eine Sonate, es besteht aus mehreren Gängen wie die Sätze einer Sonate, die miteinander verwandt sind. Denn nur beim Rindfleischkochen entstehen die anderen Gänge gleich mit. Zuerst kommt die Suppe, die beim Kochen des Rindfleischs entsteht, dann die Hauptspeise, das gekochte Rindfleisch mit seinen Beilagen, am Ende wird aus dem Übriggebliebenen ein Rindfleischsalat gemacht oder was anderes, ein Altwiener Suppentopf, mit einer Fleischeinlage aus dem gekochten Rindfleisch. Es ist auch vergleichbar mit der Sonatenform wie sie Heinrich Birnbach 1827 zum ersten Mal beschrieb:
Exposition – Durchführung – Reprise – Coda
In unserem Fall wäre das dann so:
Exposition: Rindsuppe vom Mageren Meisl
Das Hauptthema, das Meisl, stellt sich vor, in verdichteter Form – flüssig – und anderer Tonart – als Suppe.
Durchführung: Mageres Meisl mit Spinat, geröstete Erdäpfeln, Semmelkren und Zuckerhutsalat
Das Hauptthema „Mageres Meisl“ kommt mit voller Wucht, dazu gesellen sich ein paar Seitenthemen, die Beilagen.
Reprise: Altwiener Suppentopf (nächster Tag)
Noch einmal das Hauptthema, das magere Meisl, in der Suppe. Neue Seitenthemen werden eingeführt: gelbe und rote Karotten, Stangensellerie, Kohlrabi, Petersilwurzel und Nudeln. Damit kommen wir unserem Ziel, 30 verschiedene Gemüsesorten pro Woche zu essen, einen gewaltigen Schritt näher.
Für die Coda habe ich keine Entsprechung gefunden. Außer jemand meint, das Ausschlecken des Tellers mit dem Finger zählt als Coda, weil es gar so köstlich war.
Der Semmelkren schmeckte uns, dieses Seitenthema aßen wir gerne, mehrmals griffen wir zu. Am Ende behielt er das letzte Wort, eine Ausnahme wie beim fünften und letzten Thema in Liszts h-Moll-Sonate, trotz mächtigem Auflehnens des Hauptgedankens, des mageren Meisls. Normalerweise behält das Hauptthema die Oberhand.
Essen, richtig zubereitet, ist Musik für den Gaumen.
Die Sonatensatzform wurde erst beschrieben, nachdem Beethoven, Haydn, Mozart und Schubert sie ausgiebig verwendet hatten. So ist das oft: Die Gesetze, die jene intuitiv aufstellen, müssen andere erst nachspüren, ohne sich darum zu sorgen, daß sie nicht entsprechen.
Die Rindfleischküche ist die Sonatenform der Kochkunst.
„Es ist bezeichnend, daß die Komponisten der Vergangenheit viel eher über „Expression und Gusto“ (Mozart), über Charakter, Atmosphäre, poetische Idee und ähnliches sprachen als über den normalen, musikalisch-handwerklichen Aspekt.“
Alfred Brendel, Nachdenken über Musik, 1976 (dt. 1982), S. 53 der deutschsprachigen Taschenbuchausgabe „Serie Piper Schott“
ZutatenExposition: SuppeDurchführung:Mageres Meisl mit Spinat, geröstete Erdäpfeln, Semmelkren und ZuckerhutsalatDas Hauptthema „Mageres Meisl“ Hauptthema und NebenthemenReprise: Altwiener Suppentopf
Hortobágyi-Palatschinken sind Fleischpalatschinken, also Palatschinken, die mit einer Fleischfarce gefüllt sind. Es sind die gleichen Palatschinken wie bei den süßen Palatschinken, nur kommt statt Marillenmarmelade etwa Paprikahuhnfaschiertes hinein. Man macht ein Paprikahuhn (Paprikás csirke), also ein Pörkölt mit Hühnerfleisch. Dann dreht man das Hühnerfleisch durch den Fleischwolf, und das ergibt die Fülle für die Palatschinken. Dies ist die originale ungarische Vorgehensweise, doch leider wird es oft falsch gemacht. Rohes Hühnerfaschiertes wird gekauft und angebraten, das bitte schön hat aber nichts mit einem Pörkölt zu tun. Hortobagyi-Palatschinken sind die Resteverwertung von einem Pörkölt.
Rezept Überbackene Hortobágyi-Palatschinken vom Paprikás csirke (Paprika-Huhn)
Für 10 Palatschinken: 200 g Vollkorndinkelmehl, 200 ml Mineralwasser mit Kugerln (mit Kohlensäure), 200 ml Milch, 2 Eier, Olivenöl, Prise Salz.
Für das Pörkölt: 1,3 kg ausgelöste Hühnerschenkel, 6 Zwiebel, 1 ganze Paprikaschote, 2 Tomaten, 2 EL Paprikapulver, 1 EL Majoran, 1 TL Kümmel, 4 Knoblauchzehen, 2 Lorbeerblatt. 1 Becher Sauerrahm
Die gehackten Zwiebeln in Olivenöl in einem Topf glasig braten. Das grob gewürfelte Hühnerfleisch mit Haut in den Topf geben. Das Hühnerfleisch läßt etwas Fleischsaft aus. Nun anbraten bis es auf das Fett reduziert ist. Dann den Topf vom Herd ziehen. Paprikapulver, Majoran, Kümmel und die geriebene Knoblauchzehen dazugeben. Den Herd zurückdrehen und den Topf wieder auf den Herd stellen. Ein paar Min. unter ständigem Rühren. Dan mit Wasser aufgießen, bis alles bedeckt ist. 2 ganze Tomaten und die entkernte, enthäutete und halbierte Paprikaschote dazugeben, sowie die Lorbeerblätter. Leise köcheln lassen, bis das Fleisch weich ist, zirka eine Dreiviertelstunde. Vom Herd nehmen. Saft durch ein Sieb abgießen auf die Seite stellen. Alles andere – das Fleisch, auch die Tomaten, Paprika und Zwiebeln durch den Fleischwolf drehen. Bei Bedarf etwas von dem auf die Seite gestellten Saft zum Faschierten geben.
Für die Palatschinken die Eier in einer großen Schüssel aufschlagen. Das Mehl und das Mineralwasser nach und nach dazugeben. Salzen. Halbe Stunde ruhen lassen. In einer Pfanne mit wenig Öl herausbacken.
Drei Kugeln Faschiertes mit dem Eisportionierer etwas oberhalb der Mitte einer Palatschinke legen. Die vier Seiten der Palatschinke darüber einschlagen, die lange Seite zwei Mal einschlagen. Dann das „Paket“ umdrehen. In eine feuerfeste Form etwas Saft geben und die 10 Palatschinken einlegen. Etwa die Hälfte vom verbliebenen Saft mit reichlich Sauerrahm abzüglich 3 EL vermischen und über die Palatschinken gießen. Im Backrohr eine halbe Stunde bei 180° backen. Restlichen Saft mit Stärke binden und 3 EL Sauerrahm vermischen und extra servieren. Eine Palatschinke auf den Teller legen und den Saft daneben gießen. Dazu einen ungarischen Gurkensalat servieren.
Rezept ungarischer Gurkensalat
Sauerrahm, Knoblauch und Salz mit einem Schluß Essig vermischen. Geschälte und gehobelte Gurken salzen und ziehen lassen. Ausdrucken. Und zum Sauerrahm geben. Mit ein paar Prisen Paprikapulver abschmecken.
Rezept Ungarische Champignon-Suppe mit Erbsen und Kohlrabi
2 gelbe Zwiebeln, 2 EL Olivenöl, 1 EL Mehl, 1 TL Paprikapulver, 4 Karotten, 1 Kohlrabi, 250 g Champignons, 300 g TK-Erbsen, aufgetaut, 3 EL Sauerrahm, Majoran, Apfelessig, Salz
Die gehackten Zwiebeln in Olivenöl anschwitzen. Mehl dazu geben und eine helle Mehlschwitze machen. Vom Herd ziehen, das Paprikapulver einrühren. 1 ½ L Wasser dazu geben, Salz und Majoran hineingeben. Die in Scheiben geschnittenen Karotten, einen gewürfelten Kohlrabi hineingeben. Suppe aufkochen. Zurückdrehen. Die in Scheiben geschnittenen Champignons in die Suppe geben, nochmal ein paar Min. köcheln. Die aufgetauten TK-Erbsen dazugeben. F e r t i g s t e l l e n Sauerrahm mit etwas Suppenflüssigkeit verrühren und in die Suppe gießen. Mit Majoran und mit Apfelessig abschmecken. Salzen.
Hortobagyi-Palatschinken wurden 1958 auf der Brüsseler Weltausstellung von einem ungarischen Koch vorgestellt. Dann stellte sich heraus, daß es die schon vorher gab, aufgeschrieben in dem Buch „Ein praktisches Kochlehrbuch im Rahmen von hundert Mittagessen“ von Andrea Kolmanné Lemhényi. So wurde also nichts daraus, diese Erfindung als kommunistische Errungenschaft auszugeben.
Was gab es doch früher für herrliche Einrichtungen. Altweibersommer! Goldener Herbst! Sind alle dem Klimawandel zum Opfer gefallen. Gibt es nicht mehr. Altweibersommer wäre genau jetzt: Ende September, Oktober. Nach dem kalten Sommer, folgt nun auch noch ein kühler Herbst. Den Barockeseln im Burgenland mußten wir eine Absage erteilen. Wir sind zwar keine Partygriller, die gerne im Freien sitzen, aber ein bißchen Wärme könnte nicht schaden.
Möchtest du noch etwas? Oder bist du glücklich und zufrieden?
Hm, vielleicht noch ein bisserl von den Braterdäpfeln.
Passend zu den Temperaturen gibt es einen Zuckerhutsalat, unserer kommt aus dem Tullnerfeld. Dieses Wintergemüse kommt auch mit Minusgraden zurecht, von Alters her ein treuer Spender von Salaten in harten Wintern. In unserem Happel war ein Kukacka (ungarisch, Verkleinerungsform von Wurm, gesprochen kukatska), der sich so richtig schön durchgebohrt hat; – es hat ihm wohl geschmecket. Da er noch lebte, sehen wir das durchaus positiv: Wie der Kanarienvogel in der Kohlenmine bestätigt er uns, daß der Zuckerhut sauber ist.
Zuckerhutsalat mit Apfel
2 grüne Äpfel, Zitronensaft, 30 ml Kürbiskernöl, 1 EL Sherry-Essig, 1 EL Zitronensaft, 1 TL Honig, Salz, 1 Zuckerhutsalat, Kürbiskerne, Radieschensprossen oder andere Micro Greens.
Äpfel würfeln, mit Zitronensaft reichlich beträufeln, Kürbiskernöl mit Sherry-Essig, Zitronensaft, Honig, Salz zusammenrühren. Auf die gewürfelten Äpfel gießen, damit marinieren. Zuckerhutsalat in feine Streifen schneiden und kurz vor dem Servieren zum Apfel geben. mit Kürbiskerne bestreuen und ein paar Radieschensprossen darüber streuen.
Kochsalat mit Erbsen
20 g Butter, 20 g Weizenmehl, Rindsuppe vom Rindfleischkochen, 1 Happel Kochsalat, Salzwasser, 100 g aufgetaute TK-Erbsen, Salz, Petersilie
Butter auslassen, Weizenmehl dazugeben und eine helle Einbrenn (Mehlschwitze) machen. Die Rindsuppe dazugeben, bis eine cremige Soße entsteht. Kochsalat in Streifen schneiden, in Salzwasser blanchieren und. den Kochsalat ausdrucken, in den Topf geben, ebenfalls die TK-Erbsen dazu geben. wenn nötig etwas Rindsuppe dazugeben, mit Salz abschmecken und mit gehackter Petersilie einrühren.
Dazu Rösterdäpfeln. Mageres Meisl wie Tafelspitz kochen. Mit Kren servieren. Rindsuppe entsteht beim Kochen des Rindfleischs.
Mageres Meisl, so nennt sich ein Gustostück der Wiener Fleischteilung. Es befindet sich im vorderen Teil der Schulter, es ist also das Schulterscherzel. Ausländische Bezeichnungen für dieses Stück wie Chuck Tenderloin sind falsch und irreführend, das ist ein anderes Stück, dieses liegt im Nacken und ist fett, das magere Meisl jedoch in der Schulter, es ist ein Muskel und mager. Es hat schon einen Grund, warum es eine Wiener Fleischteilung gibt, mit seinen ganz eigenen Bezeichnungen. Unser Meisel hat etwa 1,5 kg, wir haben versehentlich zwei gekauft. Wir werden es zu verspeisen wissen…
Die passende Musik: Schubert, Winterreise. Alfred Brendel, Matthias Goerne, 2003, Wigmore Hall, London.
Der grüne Teil vom Jungzwiebel sieht dem Schnittlauch ähnlich. Schnittlauch ist enorm teuer geworden. Natürlich, es gibt auch gefrorenen Schnittlauch, der ist günstiger. Aber Schnittlauch darf nicht letschert sein, muß frisch und knackig sein. Früher hat man Schnittlauch selber angepflanzt. Dorthin geht es zurück. Bin schon gespannt, wo die Reise nächstes Jahr hingeht, wenn die CO2-Steuer wiederum steigt und dann erst 2027, wenn CO2-Zertifikate gekauft werden müssen.
Ein Bund Schnittlauch kostet
bei SPAR: 1,39
bei gurkerl. at: 3,69
Bei SPAR Online bekommt man allerdings nur 25 g, bei gurkerl versteht man unter einem Bund viel mehr: 40 g. Nun vergrößern wir die im SPAR -Online Shop abgebildete Verpackung und siehe da, was steht auf der Verpackung drauf? 20 g. Ach gar? Wie kann das sein? Unter dem Artikelnamen unter der Artikelnummer steht doch 25 g. Nun rechnen wir uns den tatsächlichen Kilopreis aus: 1,39 bei 20 g ergibt: 69,50 / Kg, gleicher Preis wie auf der Seite angegeben, dieser Preis entspricht dem auf der Verpackung angegebenen Gewicht und nicht dem auf der Seite angegebenen, also irgendwo ist da der Wurm drin. Im Vergleich zu gurkerl mit 92,25 / kg ist das jedenfalls günstiger. Allerdings ist das bei gurkerl in Bio-Qualität und kommt aus Österreich. Bei gurkerl gibt es einen Abzug von 10 % für Mitglieder. Beim angegebenen Kilopreis 83,00 / kg wurde dieser Abzug bereits eingerechnet, der angegebene Kilopreis bei gurkerl, hat diese 10 % bereits abgezogen. Allerdings erscheint dieser Kilopreis durch die graue Schriftfarbe und die kleinere Schriftgröße so, als ob es sich um den noch nicht rabattierten Preis handelte, man also im Kopf noch einmal 10 % abziehen müßte, um auf den für Mitglieder bestimmten Kilopreis zu kommen.
Bei gurkerl gibt es einen „Schärdinger Landfrischkäse 20 % Schnittlauch“ um 2,39. Das Gewicht beträgt 200 g, also ist das Gewicht des Schnittlauchs 40 g, genauso viel wie der Bund, nur bezahlt man dafür viel weniger und bekommt noch Frischkäse obendrein. Wie kann das sein? Ein Blick in die Zutatenliste klärt auf: Cottage Cheese 20 % Fett im Trockenen, mit Schnittlauch.
Es lag nicht in meiner Absicht irgend etwas zu beweisen. Aber kaum schaue ich mir eine Sache näher an, stolpere ich über Ungereimtheiten.
Ich hatte mich im Home Office auf die Lauer gelegt, doch kein Paketdienst erschien. Stattdessen trafen E-Mails ein, die mir bescheinigten, niemand wäre anzutreffen gewesen und sie würden es am nächsten Tag nochmals versuchen. Nachdem man mich einige Tage so hingehalten hatte, wurde es mir zu bunt und ich rief bei der Lieferfirma an, dann klappte es endlich. Von diesen E-Mails wüßte man nichts, dafür wäre das Gut schon wieder im Transit am Flughafen.
Diese Erfahrung ist nun einige Monate her, das gelieferte Olivenöl ist mittlerweile gar, doch ich sehe von einer neuerlichen Bestellung in Spanien ab, so gut das spanische Olivenöl auch ist. Vielleicht habe ich auch nur Pech gehabt, aber ich kann mir das kein zweites Mal antun. Ich hatte mich auch in Spanien beschwert, daraufhin meldete sich niemand.
Griechenland ist ein Traum, viele zieht es dorthin. Es war einmal ein Aussteiger, der Ende der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts in Griechenland die traditionelle bäuerliche Verarbeitung von Oliven zu Öl kennenlernte. Bald darauf wurde das Olivenöl nach Wien geliefert und – man versah es sich kaum, aus dem Aussteiger war ein Geschäftsmann geworden. Die Firma Bläuel vertreibt mittlerweile in der zweiten Generation das MANI-Olivenöl, in bester Qualität – und wir lassen es uns frei Haus liefern, von gurkerl.at. Wir kaufen es im 5-Liter-Kanister.
Zur Feier des Tages gab es heute einen improvisierten griechischen Abend.
Rezept Pita-Brot (Fladenbrot)
250 g 00-Mehl, 150 g lauwarmes Wasser, 1 TL Honig, ½ Packung frische Germ, 30 ml MANI-Olivenöl, eine Prise Salz
Die Germ in das Wasser geben, sowie den Honig. Auf einem warmen Ort aufgehen lassen. Das Mehl durch ein Sieb seihen, die aufgegangene Germ dazugeben, Salz und gut durchkneten. Einen Knödel formen, mit Olivenöl bestreichen und einarbeiten. Das 4 bis 5 Mal wiederholen, bis das Olivenöl aufgebraucht ist, der Teig wird jedesmal geschmeidiger. In eine Schüssel geben und mit einem lauwarm nassen Tuch abdecken, an warmer Stelle 1 Stunde gehen lassen. Dann in Stücke teilen und mit Nudelwalker ausrollen. In einer heißen Pfanne etwas Olivenöl heiß werden lassen und einen Fladen nach dem anderen beidseitig bräunen. Auf die Seite geben, auf einen Teller legen, mit einem Küchentuch abdecken, damit es nicht hart wird.
Olivenöl mit Petersilie vermischen und den Fladen damit bestreichen.
Dazu Kalamata-Oliven in Oregano und einen mediterranen Kalamata-Mix, alles von MANI.
Tzatziki: Griechisches Joghurt mit Gurken und Knoblauch
Wein: Crasto Superior, Douro, 2020, Portugal. Die Weine aus Griechenland, Samos oder Retsina – sind nicht meine Weine. Um herauszufinden, welche Weine mir genehm wären, müßte ich erst einmal in Ruhe nachdenken. Dafür brauche ich Zeit. Und ein portugiesischer Wein sollte auch gut passen.
Musik: Mozart-Symphonien, Cleveland Orchestra, Christoph von Dohnanyi.
Die wilde Frische von Limonen ist nicht mehr. Wie wir erfahren mußten, wurde die Fa-Seife eingestellt. Jeder kannte sie, jeder mochte sie, die fabelhafte Seife. Seit 1954 wurde sie hergestellt. Und nun nach rund 70 Jahren ist es aus und vorbei. Eine Seife macht einen Abgang und wir nehmen Abschied vom deutschen Wirtschaftswunder.
Abschied vom Wirtschaftswunder deutscher Nation.
Fa-Seife gibt es nicht mehr. Jetzt kommt Fa-Spaghetti!
Wenn es die Fa-Seife nicht mehr gibt, ist Platz genug da für Fa-Spaghetti! Diese werden wie die Seife mit Limonen zubereitet.
Rezept Fa-Spaghetti mit Limonenpesto
2 EL Pinienkerne, 3 Bund Basilikum, 2 Knoblauchzehen, 2 EL Parmesan, 2 Zitronen, Olivenöl, Salz, Spaghetti
Pinienkerne anrösten, vom Basilikum die Blätter abzupfen. Knoblauchzehen reiben. Parmesan reiben. Alles mit einer Prise Salz in der Zauberette ohne Zugabe von Öl stückig mixen. In eine Schüssel geben. Zitronenabrieb und – Saft und dann das Olivenöl dazugeben. Spaghetti al dente kochen. Mit Limonenspänen garnieren.
Dazu empfehlenswert ein Glas frisch gepreßten Limonensaft. Oder Limoncello.
Link zum Werbespot Fa-Seife 1969:
Werbetext Fa-Seife:
Erregend wie ein Sprung in die prickelnde Kühle des Ozeans. So ist die frische Fa. Sie hat die wilde Frische von Limonen. Wenn der Ozean nicht zu ihnen kommt. Holen Sie ihn doch. Mit der wilden Frische der marmorierten Fa.
Werbetext Fa-Spaghetti:
Wenn die Trattoria nicht zu Ihnen kommt. Holen Sie sie doch. Und machen Sie sich die Spaghetti selber. Mit der wilden Frische von Limonen.
Dobostorte (gesprochen Doboschtorte, da ungarisch)
Mit der Dobostorte wurde eine Torte erfunden, die mit den kühltechnischen Mitteln des 19. Jahrhunderts 10 Tage haltbar war und nicht austrocknete – das wurde erreicht indem sie obendrauf mit einer Karamellschicht überzogen wurde – und die ihre Form behielt durch die sich abwechselnden Biskuit- und Buttercremeschichten. Der Legende nach hat ein Küchengeselle beim Buttermachen Salz mit Zucker verwechselt. Mit Salz wurde Butter haltbar gemacht. József Dobos kostete von der gezuckerten Butter und es schmeckte ihm so gut, daß er daraus die Buttercreme ableitete.
Doch nichts hält ewig. Wir lieben frische Lebensmittel und außerdem haben wir kein Tiefkühlfach. Wir sind keine Prepper, wenn bei uns etwas alt wird, so höchstens der Rotwein und der hat kein Ablaufdatum. Drum haben wir die Dobostorte gleich im Kaffeehaus verspeist. Wir begehen den 101. Todestag des ungarischen Konditormeisters József Dobos und feiern 140 Jahre Dobostorte. Im Jahre 1885 wurde sie bei einer Landesmesse in Budapest einem größeren Publikum vorgestellt. Kaiserin Elisabeth „Sisi“ und Kaiser Franz Joseph I. waren die ersten, die kosten durften. Der Ausspruch „Es hat mir sehr geschmeckt!“ ist nicht überliefert, aber sehr gut vorstellbar. Der Erfinder verstarb am 10. Oktober 1924. Bis zum Jubiläum ist es zwar noch eine Weile, aber fünf Minuten vor der Zeit ist des Konditors Pünktlichkeit.
Dobostorte gibt es in Wien bei L. Heiner auf der Wollzeile und bei Gerstner auf der Kärntner Straße vis-a-vis von der Oper.
P.S.: Andy Warhol hat die Dobostorte mehrstöckig und geschmückt gezeichnet, aber so sieht sie in Wahrheit nicht aus. Eine Dobostorte im Ganzen sieht man hier:
Wir haben geschenkt bekommen: 1 Liter steirisches Kürbiskernöl g.g.A., Weinhandl-Mühle in Dirnbach, Straden, ich glaub das liegt an der steirischen Weinstraße!
Es handelt sich hierbei um nichts Geringeres als um echt steirisches Kürbiskernöl, direkt aus der Steiermark mitgebracht von dem edlen Spender, der es selbst vor Ort in der Weinhandl-Mühle gekauft hat. Die Kürbiskerne werden in der Steinmühle vermahlen, auf einem Holzfeuer erwärmt, geröstet und gepreßt, bis schließlich das kostbare Öl in Erscheinung tritt. Die Abkürzung „g.g.A.“ steht für geschützte geographische Angabe; ich hätte gemeint, das A stünde für Anbau, aber das läuft wohl auf dasselbe hinaus. Auf den geographischen Ursprung kommt es an, denn ansonsten, so hab ich mir sagen lassen, könnte es ja glatt verwässert sein – mit niederösterreichischen Kürbiskernöl!
Adjustiert in Kochschürze und voller Elan machte sich die Hofköchin daran, das herausgelegte Siedfleisch vom Pinzgauer und vom Angus-Rind zu verkochen. Rindfleisch auf die Wiener Art sollte es werden – – gesotten, nicht gebraten, mit dem Hintergedanken, von dem was übrigbleibt, einen Rindfleischsalat zu machen. – Denn dafür braucht man Kürbiskernöl, am besten echt steirisches Kürbiskernöl, dafür ist es da.
2 rote Paprika, 2 gelbe Paprika, 2 grüne Paprika, 3 mittelgroße rote Zwiebeln, 400 g Käferbohnen, 100 g gelbe und grüne Fisolen, und das restliche Rindfleisch zirka 300 g, eine Handvoll gehackte Kürbiskerne, reichlich Kürbiskernöl, Apfelessig, Salz.
Paprika entkernen, schälen, würfeln. Zwiebeln schälen, schneiden. Fisolen in Stücke schneiden, Rindfleisch ebenso und alles zusammen rühren. Eine Marinade aus Kürbiskernöl, Apfelessig und Salz machen, durchrühren. An einem kühlen Ort ziehen lassen.
Würste haben in Wien eine lange Tradition, wie anderswo auch. Eines der Feinkosterzeugnisse, das Wien so einmalig macht und nicht wegzudenken ist, ist der Gabelbissen; – ein Mayonnaisesalat mit einer Einlage aus Fisch, Ei oder Wurst, überzogen mit Aspik.
Rezept Wiener Gabelbissen
Für 4 große Schüsseln: 5 rote Karotten, 1 gelbe Karotte, 3 Erdäpfel, 300 g TK-Erbsen, 250 ml Sauerrahm, 10 EL Mayonnaise, 500 ml Rinderbrühe, 6 Blatt Gelatine, 4 Eier, 3 Heringe, Salz
Das Gemüse würfeln. In Salzwasser bißfest kochen. Zum Schluß die TK-Erbsen dazugeben, aber nicht mehr kochen, die sind schon vorgekocht. Abgießen und gut abtropfen lassen. Den Sauerrahm mit der Mayonnaise und Salz vermischen. Die Gemüsewürfel vorsichtig unterheben, die Rinderbrühe aufkochen, vom Herd ziehen und die zuvor eingeweichten und ausgedrückten Gelatineblätter einrühren. Ein bißchen auskühlen lassen. Die Gemüsemayonnaise in die Formen verteilen. Heringe und hart gekochte und halbierte Eier darauf verteilen. Die Rinderbrühe mit Gelatine vorsichtig darüber schütten. Im Kühlschrank zirka 3 Stunden kaltstellen.
Gabelbissen ißt man als schnellen Happen zwischendurch, mit einer Semmel oder einem Salzstangerl, etwa zum Gabelfrühstück. Als Erfinder des Gabelbissens gilt die Firma von Carl Warhanek. Die Warhanekgasse im 21. Bezirk Donaustadt hat damit nichts zu tun, sie ist nach einem Wiener Juristen benannt. Carl Warhanek kam aus Böhmen.
Warhanek lernte sein Handwerk in der französischen Hafenstadt Marseille und gründete 1858 eine Fischkonservenfabrik in Wien. Dort erzeugte er Renner wie den Gabelroller in böhmischer süß-saurer Marinade und den Gabelbissen. Bald gab es Verzweigungen in die Doppelmonarchie etwa nach Budapest; auch in Böhmen, Mähren und Galizien wurden Betriebe gegründet. Warhanek wurde k.u.k Hoflieferant.
Der Name Warhanek und der Wiener Gabelbissen sind untrennbar miteinander verbunden.
Auch wenn in Wien heute nichts mehr daran erinnert. Carl Warhanek ist eine Galionsfigur der Gründerzeit der Doppelmonarchie.
In der Zwischenkriegszeit übernahm Josef Wojnar das Geschäft mit den Gabelbissen. Eine Gedenktafel für den Großindustriellen aus Böhmen hängt in seinem Geburtsort in Polná, im heutigen Tschechien; in Wien wüßt‘ ich jetzt nichts. Heute gibt es noch Erzeugnisse der Firma „C. Warhanek“, wie etwa die Teufelsroller, die Gabelroller – Heringsfilets in pikanter bzw. schlicht in Marinade – und die allseits beliebten Russen im Glas; – das sind ebenso Heringe in Marinade, aber nicht gerollt, sondern aufrecht geschlichtet; – beliebt vor allem in der Faschingszeit.
Den Wiener Gabelbissen ißt man aus der Schüssel. Unser Gabelbissen ist größer als der Gabelbissen von Wojnar.
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