Die echten Wiener Würstel (Frankfurter)

Frankfurter Würstel mit Senf und Kren sowie Scherzel

Ich weiß jetzt wie echte Wiener Würstel schmecken! Wurschtig, kräftig, und saftig sind sie! Nun verstehe ich Adalbert Stifter, der sie sich hat aus Wien schicken lassen. Lassen wir ihn gleich zu Wort kommen:

Der Oberösterreicher Adalbert Stifter war einer der guten Kunden Lahners. Er bestellte bei einem Wiener Freund immer wieder Würstelsendungen, wobei der Transport das schwierigste Problem darstellte: „Kaufe mir für das Geld“, schrieb er, „welches in diesem Briefe liegt, so viele so genannte Frankfurter Würstel, als du bekömmst, wenn du vorher die Schachtel bezahlt hast, in die du die Würstel tun musst, damit sie mir überbracht werden. Aber höre und überlege wohl: du darfst die Würstel nur bei kaltem Wetter senden.“

https://www.ooegeschichte.at/archiv/themen/alltagsdinge/wuerstel

Stifter nennt die Wiener Würstel also Frankfurter; – weil Lahner, dem sie eingefallen sind, sie so benannte. Ursprünglich hatte er sie Lahnerwürstel genannt, schwenkte dann aber um auf Frankfurter. Nun, Ehre wem Ehre gebührt – dem fränkischen Fleischermeister, der offenbar seiner Lehrstadt ein Denkmal setzen wollte; – nennen wir sie also Frankfurter! Überhaupt ist es in Wien üblich, Würste nach Städten zu benennen: Debrecziner, Mailänder, Augsburger, Kalbspariser, Münchner, Krakauer, Braunschweiger (Dürre), Nürnberger, Käsekrainer, Preßburger (heute Extrawurst), Budapester gibt es hier, auch Wiener, vielleicht auch das ein Grund für Lahner, die neuen Würsteln Frankfurter zu nennen und keinesfalls Wiener.

Frankfurt am Main ist nämlich die Stadt, wo Johann Georg Lahner sein Handwerk erlernte. Danach ging er als Fleischergeselle auf die Walz. Er verdingte sich auch als Ruderknecht, und so kam er stromabwärts nach Wien. Hier begab es sich, daß der fesche Oberfranke eine resche Wienerin kennenlernte; – und eine Dynastie war begründet. 1804 wurde er Fleischermeister, eröffnete eine Selcherei in Wien und 1805 erfand er die Frankfurter. 1832 vergrößerte er sich, dank des enormen Andrangs, den seine Frankfurter in der Wiener Bevölkerung auslösten.

Was der Lanner fürs Herz, ist der Lahner fürn Magen!

Wiener Volksmund.

Aber auch Persönlichkeiten wie Adalbert Stifter, Franz Grillparzer, Johann Nestroy, Franz Schubert und Johann Strauß waren große Verehrer der Würsteln vom Lahner. Erzeugt wurden sie später auch in Mailand (1842), Amsterdam (1861) und endlich auch in Linz (1865), — reichlich spät für Adalbert Stifter, dem nur mehr wenige Jahre verblieben. Weltausstellungen in Paris (1855) und Übersee (1893, Chicago) taten ihr übriges und machten die Frankfurter weltweit berühmt. Als Hot Dog kehrten die Frankfurter wieder zurück nach Wien. 1950 wurden die Berner Würstel erfunden, Frankfurter mit Käse gefüllt und Speck umwickelt; aber nicht in Bern/ Schweiz, wie man vielleicht denken mag, sondern in Zell am See/ Salzburg, von einem Koch namens Erich Berner senior.

Warum die Frankfurter Würsteln in Wien und nicht etwa in Frankfurt erfunden wurden, liegt schlicht und einfach an der Tatsache, daß man in Deutschland gewohnt ist, Regelungen rigoros einzuhalten.

 Es geht mal wieder um die Wurst.

Gesetze, Bestimmungen, Verordnungen, Regelungen usw. sind einzuhalten. Da ist man in Deutschland von je her sehr genau. Manchmal ist das von Nachteil.

Was die Wurst betrifft, so sind Schweinefleisch und Rindfleisch getrennt zu verwurschten, deroselbstige sind zum Zwecke der Wurstherstellung nicht miteinander zu vereinigen; so oder so ähnlich könnten die ehernen Gesetze der Metzgerzunft der Stadt am Main gelautet haben; –  Wien ist anders. In Wien konnte der deutsche Metzgermeister machen, was er wollte – und erfand eine Wurst gemischt aus Rind- und Schweinefleisch.

Keine Wimpeln am Haus, keine Straße, die nach ihm benannt ist, kein Ehrengrab am Zentralfriedhof, das wurde 1975 eingeebnet – und kein Museum. Man wundert sich ein bisserl, wie die Stadt mit Lahner umgegangen ist, wo sie doch sonst so großzügig Fachleuten jeglicher Couleur ihre Aufwartung macht. Das Wiener Würstel, respektive sein Erfinder, hat sich diesen Rang offenbar nicht verdient; obwohl es im Rest der Welt so berühmt geworden ist. Nur eine verwitterte Plakette ist am Haus in der Kaiserstraße angebracht, zwischen zwei Fenstern, leicht zu übersehen, – und erinnert an den großen Fleischermeister aus Oberfranken. Die Küchenfee hat im Auftrag von Küchenereignisse alles abfotografiert, auf der Suche nach Resten des 1967 geschlossenen Betriebs.

Inschrift auf der Plakette auf der Kaiserstraße 99, 7. Bezirk Neubau, Wien:

In diesem Hause Kaiserstr. 99 / Neustiftg. 112, früher mit der Bezeichnung Am Schottenfeld No. 54, stellte die Fleischselcher- und Fleischhauermeisterfamilie LAHNER von 1832 bis 1967 die nur in Wien als FRANKFURTER, auf der ganzen Welt jedoch als WIENER bekannten Würstel her. Der Dynastiegründer JOHANN GEORG LAHNER (1772 – 1845) aus Gasselsdorf, einem kleinen Ort in Franken, Bayern stammend, erlernte den Metzgerberuf in Frankfurt a. M. Auf der Walz nach Wien kommend, verblieb er in der Kaiserstadt und gründete Am Schottenfeld No. 272, heute Neustiftgasse 111 im Jahre 1804 eine eigene Selcherei. Dortselbst erzeugte er erstmals 1805 die weltbekannte Wurstfeinmischung LAHNER – Würstel, die er dann in dankbarer Erinnerung FRANKFURTER nannte.

Gewidmet 1994 von der Landesinnung Wien der Fleischer


Wir stellen zwei Gerichte vor:

  • Frankfurter mit Senf und Kren und einem Scherzel
  • Frankfurter mit Kelch (gesprochen Kööch)

Kelch nach einem Rezept aus dem Kochbuch für ländliche Haushalte, Meindl-Dietrich, Lechner, Österreichischer Agrarverlag, 2003, 60. Auflage, Schulbuchnummer 1987, „Kelch, eingebrannt“, S. 89:

75 dag Kohl, Salz, 4 dag Fett, 4 dag Mehl, 15 dag Kartoffeln, Knoblauch, Majoran.

Grobgeschnittenen Kohl, rohe Kartoffelwürferl in wenig Salzwasser weichkochen, stampfen, Einbrenn hinzufügen, aufkochen, mit Knoblauch und Majoran abschmecken.

Anmerkungen:

Kohl ist Wirsing.

Eine Einbrenn ist eine gebräunte Mehlschwitze.

Ur-Frankfurter nach J. Lahner 1806 von der Fleischhauerei und Selcherei Windisch in Wiener Neustadt.

https://www.windisch-wurst.at/wuerstel/198-ur-frankfurter-2

Mittelscharfer Senf von byodo, nach traditioneller Senfherstellung gemahlen

Steirer Kren von feldbacher

Dazu paßt am besten Bier.

https://www.ooegeschichte.at/archiv/themen/alltagsdinge/wuerstel

https://www.bmluk.gv.at/themen/lebensmittel/trad-lebensmittel/Fleisch/Fleischprodukte/frankfurter.html

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Lachs mit Artischocken-Salsa

Lachs mit Artischocken-Salsa

Frische Artischocken gibt es zu dieser Jahreszeit keine, wir haben zwei Gläser gekauft von verschiedenen Firmen; – und probieren heute das erste aus.  „Spar Vital Artischocken Herzen in Lake – ohne Öl“. Schmeckt nach Artischocke, etwas wäßrig, vielleicht muß man es ein bißchen länger abtropfen lassen. Im Glas, ohne Rapsöl, ohne Sonnenblumenöl, was den Geschmack ruinieren wurde, …bekommt von uns einen Einser.

Artischocken-Salsa: Artischocken, grüne und schwarze Oliven, gehäutete und entkernte Tomaten, rote Zwiebel würfeln. Mit Salz, Limettensaft und Olivenöl vermischen. Gehackte Petersilie und angeröstete Pinienkerne dazugeben.

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Unser andalusischer Abend – Paella

Paella andaluz

Andalusien war ja das Armenhaus Spaniens, das heißt das Hinterland der Costa del Sol, um Valencia ; – – und von der kommt ja die Paella Andaluz her, die Paella für Arme; – also nicht mit Garnelen und Co. Stattdessen Hasen- und Hühnerfleisch. Was halt so kreucht und fleucht auf einem Bauernhof. Hasenstall hab ich noch als Kind erlebt, am Hof herumlaufende Hühner auch. Bei uns ist es mindestens so heiß wie in Andalusien und deshalb gibt es bei uns genau das, nach einem Rezept im „Grand Livre de Cuisine“ nur ohne Safran; – kann ich mir nicht vorstellen, daß das teuerste Gewürz dem andalusischen Kleinbauern zur Verfügung stand. Das heißt, Moment, doch! Safran wird in Andalusien seit langem angebaut.

Unser Hase von gurkerl kommt sogar aus Spanien!

(wenn auch nicht aus Andalusien, sondern aus Kastilien-León)

Das Rezept im Grand Livre de Cuisine sieht keinen Knoblauch und keinen Zwiebel vor.

Na das ist ja ziemlich naturbelassen!

Im Grand Livre wird der Safran abgezählt: 16 Fäden gibt’s. Mehr nicht!

REZEPT

Einen Hasen filetieren. In der Paella-Pfanne 1 EL Olivenöl erhitzen. Eine Hühnerbrust, einen Flügel, die 2 Stränge Hasenrücken und die ausgelösten Hasenschenkel salzen. In der Paella-Panne rundum scharf anbraten. In eine feuerfeste Form legen und bei 140°C im Backrohr fertiggaren. Achtung, daß das Fleisch nicht austrocknet. In die Paella-Panne mit dem Bratensatz 1 EL Olivenöl geben. 200 g Paella-Reis dazugeben. Kurz anrösten. Mit ½ L Hühnerbrühe aufgießen. Dabei löst sich der Bratensatz. 16 Safranfäden,  6 mittelgroße, enthäutete, entkernte und geviertelte Tomaten dazugeben, auf starker Hitze köcheln, nach 10 Min. 250 g Fisolen hineingeben. Etwas Flüssigkeit dazugeben. Fertiggaren. Zurückdrehen. Mit Salz abschmecken und ziehen lassen.


Nach Alain Ducasse, « Grand Livre de Cuisine – Die mediterrane Küche», Seite 604, dem 19-fachen Michelin-Sterne-Träger.

Andalusien – – von der Landesgröße her und einwohnermäßig mit Österreich vergleichbar, auch von den sommerlichen Temperaturen her mindestens ebenbürtig – –  ist bekannt für seine tolle Musik: Flamenco! Und seine berühmten Weine –  Sherry! Mal abgesehen von der Paella. Sherry haben wir nicht, da nehmen wir einen Roten aus dem Burgenland, aber als musikalische Untermalung wurde Paco de Lucia aufgelegt, der andalusische Flamencomeister auf der Gitarre!

Musik: Al di Meola, John McLaughlin, Paco de Lucia “Live – Friday Night in San Francisco”, Philips, 1981. Zu Beginn der CD-Ära gab es einmal eine Zeit, da war akustische Gitarrenmusik populär –  2 Millionen verkaufte Einheiten, das erfolgreichste akustische Gitarrenalbum aller Zeiten – diesen Erfolg würde man heutzutage nicht mehr für möglich halten. Mittendrunter in „Short Tales of the Black Forest“ (Chick Corea) verfallen McLaughlin und Di Meola in das „The Pink Panther Theme“ (Henry Mancini), aus einem Blues herausentwickelt, um etwas später, nur ganz kurz „An der schönen blauen Donau“ (Johann Strauß Sohn) anzuschlagen, als Schuhplattler! – andere musikalische Zitate folgen. Das Trio gab ein Konzert im September 1981 in Wien, Halle D, das habe ich damals versäumt. Dieses Album war stilbildend für eine Generation. Es wirkte immunisierend, danach fühlte sich das meiste andere flach, unaufrichtig oder beides an. Von Friday Night ging‘s dann weiter zu Egberto Gismonti.

Wein: Umathum, Rotwein-Cuvée, Haideboden 2021, Frauenkirchen i. Bgld

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Steak und Ratatouille

Dry Aged Rib Eye Steak vom Schreckbauer aus Salzburg, Bischofshofen, dort sind wir durchgefahren, ohne anzuhalten, weil es so naß war. Schreckbauer läßt seine Rinder auf die Weide, und im Sommer auf die Berge, wo sie die Almen vor dem Verwalden bewahren.

Rezept Ratatouille

In Scheiben geschnittene Zwiebel in Olivenöl bei mittlerer Hitze in einer Sauteuse (Pfanne mit hochgezogenem Rand) langsam braten, damit die Zwiebeln schön karamelisieren. In einer zweiten großen Pfanne eine in Scheiben geschnittene gelbe Zucchini und eine Melanzani nacheinander einzeln in Olivenöl  braten und dann erst zu den Zwiebeln geben. Das Tomatenconcassee und geschälte in Stücke geschnittene rote und grüne Paprika und den in Scheiben geschnittenen Knoblauch zum Gemüse geben. Salzen, pfeffern. Die Hälfte des fein gehackten Thymian, Rosmarin dazu geben. 10 Minuten köcheln lassen. Restliche Thymian und Rosmarin und den gehackten frischen Basilikum einrühren. Noch mal mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Rezept Baby-Kartoffeln

In Salzwasser kochen, schälen, im Ganzen in der Pfanne mit Butter und Rosmarin anbraten.


Die Temperaturen in diesem Erntemonat sind exorbitant, dazu convenirt ein naturtrübes Kellerbier von einer kleinen Privatbrauerei in Vorarlberg.


Druckbleistifte frommen, wenn sie funktioniren. Meiner ist kaputt gegangen und mußte derohalben  zu seiner exclusiven Companie in der Schweiz retournirt werden. Nach vier Monaten kehre ich zurück zu einem gewöhnlichen Crayon, Koh-i-Noor ist mir wohlfeil und kommod.


Nach diesem weniger prickelnden Erlebnis ereilte mich ein Telephonanruf von Gramola, dem ersten Schallplattengeschäft in Wien. Die Plattenbosse haben entschieden! – – – Die Brendel-Box wird doch wieder aufgelegt. – – –

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Gepflegtes Huhn mit Marillen-Chutney

Mit Marillen? Ich komme!

Ein Hendl aus der Steiermark, Marillen (Aprikosen) aus dem Burgenland –  was will man mehr!


Für das Marillen-Chutney 3 fein geschnittene Jungzwiebel anschwitzen in Olivenöl, von 6 Marillen die Haut abziehen und würfeln, zu den Zwiebeln in die Pfanne geben. Mitschwitzen und mit 1 TL Honig karamelisieren. Mit Sherry-Essig ablöschen. Einköcheln. Mit Salz abschmecken.

Das Huhn salzen, etwas Olivenöl in eine ofenfeste Form geben, Huhn hineingeben und in den Ofen schieben. Ab und zu mit dem ausgetretenen Saft begießen. Fertigbraten. In der Zwischenzeit Bratkartoffeln zubereiten. Anrichten: das Huhn in Stücke zerteilen und auf Tomaten, grünen Eichblattsalat, Baby-Spinat, Kresse, Rot- und Grünkohl legen. Mit Jungzwiebelröllchen und Kresse bestreuen.


Huhn mit Marille schmeckt hervorragend! Wir haben unsere Fleischaversion überwunden!

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Kabeljau mit Schwarzwurzeln und Bratkartoffeln / Ribiselschaumkuchen

mit Petersilpesto

Die Zubereitung von Schwarzwurzeln ist so aufwendig, daß die Hofköchin nur im Urlaub oder an geruhsamen Wochenenden bereit ist, dafür den Kochlöffel zu schwingen, verständlicherweise. Man muß sie unter fließendem Wasser reinigen und schälen; und man benötigt dafür Handschuhe, um sich vor dem scharfen Saft der Schwarzwurzel zu schützen. Und die Schwarzwurzel muß sofort in Zitronen- oder Essigwasser gelegt werden. Der Rest ist dagegen ein Kinderspiel.

Die Serviettenform ist das „Schiff“; denn heut gibt’s Fisch. Ahoi!

Rezept Ribiselschaumkuchen1

3 Eier mit 60 g Xylit auf einem heißen Wasserbad schaumig aufschlagen. Vom Wasserbad herunternehmen und 150 g blanchierte und fein gemahlene weiße Mandel langsam unterrühren. 1 TL Backpulver und 2 Messerspitzen Vanille dazugeben und einrühren. In eine Tarteform gießen und bei 180° 25 Min fertigbacken. In der Zwischenzeit 300 g Ribisel mit 10 g Xylit einköcheln. Wenn es dickflüssig ist, durch ein Sieb streichen. 2 Blatt Gelatine dazugeben. Torte auskühlen lassen. Von der Tarte eine 3 mm hohe Schicht abheben, einen 1 cm breiten Rand stehen lassen. Darin die Ribiselmarmelade gießen, 100 g Ribisel darauf verteilen und in den Kühlschrank stellen. In der Zwischenzeit 3 Eiweiß mit einer Prise Salz aufschlagen, und schön langsam Xylit hineingeben und steif aufschlagen. Den Eiweißschaum in einen Spritzsack füllen. Die Torte aus dem Kühlschrank nehmen und kleine Häubchen daraufspritzen. Mit dem Bunsenbrenner flämmen.


1Ribiseln heißen Johannisbeeren in Deutschland.

Nur wundern können wir uns über manche Essensgewohnheiten, die Einzug gehalten haben in letzter Zeit; wie riesenhafte Burger, mit Buns so groß wie Parasole; die geliefert werden in Kartonschachteln, die Winterstiefeln gerecht kämen. Woher kommt diese Vorliebe für das Ungraziöse? Aus dem Roman „Adolphe“ von Benjamin Constant stammt folgender Satz:

Nous sommes des créatures tellement mobiles, que, les sentiments que nous feignons, nous finissons par les éprouver.

Unser Wesen ist so wandelbar, daß wir vorgetäuschte Gefühle am Ende selbst empfinden.

Romane können gefährlich sein. Sie erscheinen oft realer als die Wirklichkeit. Die Gefühle, die einem dabei eingeflößt werden, oder auch die man sich nur aus einem Jux heraus vormacht, können zu Selbstbetrug führen. – Benjamin Constants Buch erschien vor mehr als 200 Jahren. Die Lehre, die daraus gezogen werden kann, ist nicht Allgemeinwissen geworden. Warum wird das Buch nicht in den Schulen gelesen? Dabei wäre es so wichtig, darüber Bescheid zu wissen. Denn die Konfrontation mit Medien geht heutzutage über Romane weit hinaus. Heute bearbeitet uns eine breite Front, die versucht uns für ihre Gefühle, Standpunkte und Haltungen einzunehmen und sie uns zu eigen zu machen. Ohne zu wissen, wie leicht empfänglich wir dafür sind, sind wir dem mehr oder minder schutzlos ausgeliefert.

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Gemüsenudelsalat „Lorenzo Tequila“

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Ich weiß schon, an was mich das erinnert, was da fehlt: Schinken; ich kenne Nudelsalat nur mit Schinken. Doch solch Befreiungsluft erfüllt uns noch nicht, daß wir uns daran laben könnten; – die Fleischallergie hat uns noch fest im Griff.

REZEPT

2 Paprika „Tequila“ in Violett und 2 Paprika „Lorenzo“ in Grün, 10 Stück Cherry-Tomaten, 4 Jungzwiebeln, 2 Minigurken, 150 g TK-Erbsen, 2 Karotten, 10 kleinere Radieschen in Stücke schneiden. Hafernudeln bißfest kochen, abtropfen lassen. Während die Nudeln kochen, die Marinade zubereiten: 200 g Cottage Cheese, 2 große EL Joghurt, 2 große TL Senf, den Saft einer Zitrone und das Salz verrühren. Dem Gemüse und den Nudeln untermischen.

Ziegenkäse mit Kirschen

Ein Sommergericht

Mit Kirschen kocht die Hofköchin selten, einmal hatten wir Hühnerleber mit Kirschen siehe hier, das hat uns tadellos geschmeckt. Und da Kirschenzeit ist, gibt es nun gebratenen Ziegenkäse mit Kirschen und Radieschen.

Kirschen entkernen und davon 250 g verwenden. 4 kleine rote Zwiebeln in Scheiben schneiden. Radieschen länglich vierteln. Eine Marinade mit 3 EL Quittenessig, 2 EL Olivenöl 1 TL Honig und Salz verrühren. Kirschen, Zwiebel und Radieschen dazugeben. 10 Min. ziehen lassen. In der Zwischenzeit den Ziegengrillkäse –à la Halloumi außen fest und innen cremig – in wenig Olivenöl in der Pfanne goldbraun anbraten. A n r i c h t e n mit Kresse bestreuen.

ausgehend von einem Docfleck-Rezept.

Wein: Grüner Veltliner, 2019, Schloß Gobelsburg, Ried Renner Erste Lage, Kammern, Kamptal

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Kabeljau und Erdäpfelsalat

Kabeljau auf Kartoffelsalat mit roten Zwiebeln und Friséesalat

Zum ersten Mal seit Jahren – seit der Coronazeit, hat es uns wieder zu Eishken Estate im Inzersdorfer Großgrünmarkt verschlagen; und das nur weil wir zufällig in der Gegend waren. Dabei, wenn wir gewußt hätten, daß der Stift, der am Henkel meines Aktenkoffers herausgefallen war, gar keine Mutter zur Befestigung benötigt, wären wir erst gar nicht dorthin gefahren.

Bei Kraemer auf der Laxenburger Straße war der Name Gertraud Wallmann ein Begriff.

Da war mir sogleich klar, hier bin ich richtig!

Jedenfalls hat mir die Dame bei Kraemer auf der Laxenburger Straße sehr geholfen, ohne mir irgendwas zu verkaufen, nicht einmal die winzigste Mutter, die ich mir eingebildet habe, hineindrehen zu müssen.

Ferdinand ist der Name meines Aktenkoffers. Es handelt sich dabei um nichts Geringeres als um einen von Gertraud Wallmann angefertigten Schulz-Koffer. Den aus einem Stück Leder gefertigten Koffer kann man auf den Boden stellen, ohne daß er umfällt; – damals um 1930 eine Weltneuheit! Leider hat sich Fr. Wallmann mittlerweile zurückgezogen, was verständlich ist. Das Aktenkoffergeschäft ist ja auch total eingebrochen. Außer mir kenne ich niemanden, der einen Aktenkoffer im beruflichen Alltag in Gebrauch hat. Ich verstehe schon, daß ein Rucksack, beidseitig über die Schultern getragen, ergonomischer ist. Entschuldigung daß ich das so frank herausplatze, aber: einen Rucksack in der Stadt zu tragen, schaut einfach bescheuert aus. „Die schönen Dinge zeigen an, daß der Mensch in die Welt passe.“ Dieser kardinale Satz von Immanuel Kant trifft auf Rucksäcke im städtischen Bereich nicht zu, meines bescheidenen Dafürhaltens.

Das ist der berühmte Aktenkoffer „Ferdinand“, gefertigt von Gertraud Wallmann, nach Norbert Schulz, dem Erfinder des modernen Aktenkoffers.

Weitere Informationen:

https://www.lederkraemer.at/

https://wallmann-lederwaren.businesscard.at/

https://www.diepresse.com/1547607/atelier-ledermanufaktur-wallmann


Bei Eishken Estate haben wir ein norwegisches Kabeljau Loin mit Haut mitgenommen. So kann man es schön auf der Haut braten.

Kabeljau auf Kartoffelsalat mit roten Zwiebeln und Friséesalat.

Dazu braucht es keiner weiteren Erwähnung, das war natürlich ein Gedicht!

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Holländischer Pak-Choi-Tofu

mit Koriander und Erdnüssen

Pak Choi ist ein asiatisches Gemüse. Früher wurde es aus China importiert. Mittlerweile produzieren die Holländer den Pak Choi, unserer kommt von dort. Dafür werden nun Philips-Geräte aus China importiert. Ob das wirklich so gscheit ist, die Handelsflüsse umzudrehen…

Im Urlaub hat es oft Fleisch gegeben, Schweinefleisch meistens: im Schweinsbraten oder im Schnitzel. Deshalb brauchen wir nun ein Antidot. Das nur zur Erklärung, warum wir es derzeit mit der fleischlosen Küche haben. Fisch wäre noch denkbar. Aber Fleisch? Nein. Hoffentlich sind wir von unserer Fleischallergie geheilt, bis die Arbeit wieder anfangt.

Außerdem müssen wir ein bißl reduzieren, oder „detoxieren“ wie man auf Neusprech sagt.

REZEPT

200 g Tofu zerzupfen. Sojasoße mit geriebenem Knoblauch verrühren. Den Tofu gut einlegen. Und eine Zeitlang marinieren lassen, wir ca. ¾ Stunde lang. In der Zwischenzeit 150 g Shii-Take-Pilze in wenig Kokosöl anbraten und in einen größeren Topf geben. 7 Pak Choi teilen, in der Pfanne mit wenig Kokosöl braten, zu den Pilzen geben. Selbiges mit den 4 in Scheiben geschnittene Jungzwiebeln machen. Dann den marinierten Tofu auch anbraten, und zum Gemüse geben. In der Zwischenzeit eine gute Handvoll Brokkoliröschen in Salzwasser blanchieren und auch dazugeben. 200 ml warme Gemüsebrühe mit 50 g Erdnußmus verrühren und dazugeben. Verrühren und ein paar Min. leise köcheln lassen. In der Zwischenzeit Erdnüsse in der Pfanne anrösten, Koriander grob hacken. Pak-Choi-Tofu mit den gerösteten Erdnüssen und Koriander servieren,


Mit den angerösteten Erdnüssen darin schmeckt das sehr gut – keinesfalls weglassen.

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