Kuschelrock-2-Risotto

Mit mildem Acquerello-Reis, dem Kaviar unter den Carneroli-Reisen, eingeköchelt in selbstgemachter Hühnersuppe, umschmeichelt von creamy Parmesan, und als kulinarische Farbtupfer obendrauf kommen Lachsstücke, sachte gebraten in wenig Olivenöl; und dazu ein Bärlauchpesto mit frisch gepflücktem Bärlauch, der Jahreszeit entsprechend, auch frisch gemacht; so stellen wir uns einen gelungenen Abend vor.  

Italien will den Titel!

Risotto ist eine Götterspeise und ein Lieblingsessen der Feinschmecker rund um die Welt, so wie viele andere Speisen aus Italien. Nun hat Italien seine Küche bei der UNICEF als Kandidat 2023 für das Weltkulturerbe angemeldet. So als ob es irgendeines Nachweises bedürfe, wie herausragend die italienische Küche ist… meinen Segen haben sie, allerdings ist die italienische Küche eh schon seit 2013 Weltkulturerbe und zwar als Teil der mediterranen Küche mit anderen Mittelmeeranrainerstaaten. Ja man kann halt nicht oft genug auf die Exzellenz der Speisen italienischer Provenienz hinweisen.

Quelle:

https://www.rainews.it/tgr/tagesschau/articoli/2023/03/die-italienischen-kche-knnte-zum-weltkulturerbe-werden-05818d3f-72ea-4fd0-9b9e-1366bdb1e33b.html

Rezept Lachsrisotto mit Bärlauchpesto

Am Vortag wurde die Suppe zubereitet, dafür wurden 1 kg Hühnerrücken blanchiert,  und mit Wurzelgemüse, Knoblauch, Zwiebel, Ingwer, und frischen Kräutern: Petersilie, Basilikum, Rosmarin, Thymian, Majoran, Liebstöckl, Wacholder, Lorbeerblatt, Tomaten und Apfelessig in einem großen Topf mit kaltem Wasser aufgesetzt. Die Suppe haben wir den ganzen Tag über ca. zehn Stunden lang vor sich hin köcheln lassen; deshalb wurde sie schon am Vortag gemacht. Man hat weiter nichts zu tun, denn das Schaumabschöpfen ist nicht notwendig, weil die Tomate die Schaumbildung verhindert. Zum Schluß wird die Suppe mit drei Safranfäden abgeschmeckt. Nicht alles wurde für das Risotto verwendet. Der Rest wurde in Icebergs verwandelt.


Lang gekochte Hühnersuppen schmecken nicht nur gut, sondern man tut damit auch seiner Gesundheit etwas Gutes. Das darin vermehrt enthaltene Glutamin „dient als Nährstoff der Immunzellen des Darms, fördert unter anderem die Zinkaufnahme und hilft bei der Regeneration des Körpers.“ (Anne Fleck, 2021, S. 234) Wer hätte gedacht, daß Risotto auch gesund machen kann?


Am eigentlichen Küchenereignistag: Nun stellt sich die große Frage, ob das Risotto all‘ onda, „wellig“, oder mehr fester gemacht werden soll? Das wellige Risotto entspricht der Art, wie man es im Veneto zubereitet, wie Marcella Hazan in ihrem Buch „Die klassische italienische Küche“ schreibt. Das festere Risotto wird ihr gemäß sonstwo in Italien zubereitet. Es kommt darauf an, ob man die Flüssigkeit ganz verdampfen läßt oder eben nicht. Wir nehmen die festere Form, weil es uns so vorkommt, daß diese dann wohl geschmacklich intensiver ist, das erschien uns geeigneter für die Risottokuschelrockversion.


Risotto Den weißen Teil der Frühlingszwiebeln in Olivenöl andünsten, den Reis dazu geben, mitdünsten, bis der Reis glänzt wie Perlen. Mit Weißwein ablöschen, verdampfen lassen, eine Parmesanrinde dazu geben und nach und nach mit der Hühnerbrühe unter ständigem Rühren aufgießen, so lange bis der Reis gar ist. Vom Herd ziehen, Butter und zum Schluß geriebenen Parmesan einrühren. Pesto Bärlauch mit Olivenöl, geriebenen Pecorino, geröstete PinienkerneSalz, Zitronensaft in einem Mixer zu einem Pesto pürieren. Lachs würfeln und auf der Hautseite in etwas Olivenöl anbraten.


Risottorezept angeleitet von „Risotto mit Zander und Bärlauchpesto“ aus dem Buch „Risotto ti amo“, auf S. 163 von Ambrogio Stefanetti, Küchenchef und Besitzer der “Vecchia Osteria Seseglio” in Seseglio in der Schweiz, hart an der Grenze zu Italien.


Tafelmusik: Kuschelrock-2 CD, z.B. „Careless Whisper“ von George Michael auch schon tot.


Restaurants, wo es Risotto gibt und wo wir vielleicht gerne mal hingehen würden:

https://hansen.co.at/risottobox/

Dort gibt es täglich alternierend ein anderes Risotto. Leider steht auf ihrer Homepage nichts darüber, welcher Art diese Risotti sind.

Tja, so richtig fündig sind wir nicht geworden. Risotto hat irgendwie kein Leiberl in Wien.

An einem romantischen Abend kommt man irgendwie nicht an italienischen Speisen vorbei. Pizza, Spaghetti, Lasagne, et cetera ist alles kuschelrocktauglich.

Jiddische Hühnerleber

Die Jiddische Hühnerleber ist eine Spezialität des Burgenlandes, untrennbar mit der Geschichte des Landes verbunden. Früher einmal wohnten Juden in Deutsch-Westungarn, größtenteils in sieben Gemeinden rund um den Neusiedlersee, genannt Esterházysche Sieben-Gemeinden – das deshalb, weil die dort angesiedelten Juden über Jahrhunderte hinweg ihren Schutz dem Haus Esterházy verdankten. Unter der Ägide1 dieses fürstlichen Geschlechts fühlten sich die Juden sichtlich wohl: sie bezeichneten sich selbst als die „Hochfürstlich Esterházy Schutzjuden“. Von der langen Zeit des jüdischen Lebens in Deutsch-Westungarn verblieb im kollektiven Gedächtnis des Burgenlands nur eine kleine Erinnerung – in der Form einer Speise, die sich hin und wieder auf den Speiskarten der rund um den Neusiedlersee gelegenen Gasthäuser2 findet: die Jiddische Hühnerleber. Diese kulinarische Anekdote wird dem langen, jüdischen Leben in Deutsch-Westungarn nicht gerecht.

Schabbatbrot

Schabbat beginnt am Freitag Sonnenuntergang und dauert bis Samstag Sonnenuntergang, wir hatten die jiddische Hühnerleber am Freitag Abend, also schon am Schabbat. Aber was wäre ein Schabbat ohne Schabbatbrot? Na gut, haben wir ein Schabbatbrot auch noch gemacht, nach Neni „Hayas Küche, Challa, S.28.

Ungarische Krautsuppe als Vorspeise

Nur ein Schabbatbrot mit jiddischer Hühnerleber kam uns ein klein wenig zu wenig vor. Daher gab es davor noch etwas zur Region Passendes: eine ungarische Krautsuppe.

Zur Kulinarik der Jiddischen Hühnerleber

Wir versuchen, die Jiddische Hühnerleber so zu machen, wie man sie damals gegessen haben könnte. Unser Rezept ist mit Pfeffer3, denn ich glaube schon, daß es damals bis in die verstecktesten Zipfeln der k.u.k. Monarchie hinein Pfeffer gegeben hat: Kotányi, der Gewürzwarenhändler der k.u.k. Monarchie, hat es wohl gebracht4. Knoblauch und Majoran waren sicher ebenso reichlich vorhanden. Wir haben uns gegen Schweineschmalz entschieden, wäre auch nicht angebracht und dafür Gänseschmalz genommen; so wie das auch im Burgenländischen Kochbuch von Marietheres Waldbott und Gottfried Kumpf steht. Wir nahmen auch keine Butter, dafür umso mehr Schmalz, denn das glauben wir ganz generell nicht, daß man früher mit Butter und nicht mit Schmalz gekocht hat.

Nach Durchsicht einiger Rezepte für Jiddische Hühnerleber machen wir es so:

Rezept Jiddische Hühnerleber

3 Eier zum Hartkochen aufsetzen. 2 kleine Zwiebeln feinhacken und in 3 EL Gänseschmalz glasig dünsten, dann ein halbes Kilo Hühnerlebern solange darin dünsten, bis sie innen nicht mehr rötlich scheinen. Auskühlen lassen, Lebern fein hacken, die hartgesottenen Eier fein hacken. Eier und Leber vermischen, mit fein gehacktem Knoblauch und Majoran vermischen, salzen. Mit 4 EL Gänseschmalz abrunden. Kalt stellen. Zu Schabbatbrot und Bauernsauerteigbrot servieren.

Rezept Ungar. Krautsuppe

Eine große Zwiebel feinhacken, in Gänseschmalz anschwitzen, ein halbes Kilo Sauerkraut mit Wasser durchspülen, ausdrücken und nicht hacken, aber ein bisserl kleiner schneiden. 125 g Speck würfeln zu den Zwiebeln dazu geben, mit schwitzen, 2 TL Paprikapulver einrühren, dann das Kraut dazugeben und durchrühren. So etwa 300 ml Rindsbrühe dazugeben, das Kraut weichdünsten. Mit 700 ml Brühe aufgießen, die in Scheiben geschnittene Kolbász dazu geben, 200 ml Sauerrahm einrühren, ein paar Minuten köcheln lassen. Anrichten: Suppe in den Teller gießen, einen Klecks Sauerrahm darauf geben und mit frisch gehacktem Majoran und Petersilie bestreuen.

Rezept Schabbatbrot

Am Vortag: 14 g frische Germ mit etwa 100 ml lauwarmen Wasser und einer Prise Zucker aufgehen lassen. 500 g Mehl (Pasta- und Pizzamehl Hartweizen griffig), 35 g Zucker mit 70 g geschmolzener Butter, ein Ei und 75 g flüssiges Schlagobers vermischen. Dann die aufgegangene Germ einrühren, mit dem Knethaken etwa 5 Minuten durchrühren, dann erst 2 TL Salz dazugeben und noch ein paar Minuten durchrühren. Eine Stunde abgedeckt im Kühlschrank ruhen lassen. Teig auf 6 Teile aufteilen, ausrollen und zusammenflechten. Ein Backpapier mit Butter beschmieren, in eine Reine hineinlegen und dann den geflochtenen Teig darauf legen. Mit Frischhaltefolie abdecken und bis zum Verwenden am nächsten Tag im Kühlschrank lassen. Dann am Verwendetag: aus dem Kühlschrank herausnehmen  und eine Stunde in der Wärme gehen lassen. Mit geschmolzener Butter bestreichen und bei 190° etwa 30 Min. backen.

Weinbegleitung: Esterházy, Leithaberg DAC, Pinot Blanc, 2017, vom Ried Tatschler, der großen Burgunderlage. Auf dem Etikett ist Anna Julia Gräfin Nádasdy (1630 – 1669) zu sehen.

Andere Rezepte für Jiddische Hühnerleber:

Waldbott, Kumpf: Burgenländisches Kochbuch, Jiddische Hühnerleber, S. 43

https://www.servus.com/r/jiddische-huehnerleber

https://www.falstaff.com/at/rezepte/kochen/jiddische-huehnerleber

https://www.gusto.at/home/woman-gourmet-reise-teil-2-die-rezepte-osten-oesterreichs-84014/slide-6

https://brigittaskulinarium.bonappetit.blog/2020/12/23/jiddische-huehnerleber/

https://www.gtours.at/gehackte-zores-gehackte-huehnerleber-aufstrich/

http://www.contadino.com/Rezept/Jidische-Huehnerleber-traditionelle-Version


Historische Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Siebengemeinden_(Burgenland)#Entstehung_der_Gemeinden

http://bavaria-wien.at/download/maximaler_abend_skriptum.pdf


Fußnoten:

1Ägide (lateinisch aegis, griechisch aigis = Schild des Zeus), Schirmherrschaft, Leitung, z.B. in „unter jemandes Ägide“.

2Zu finden auf der Speiskarten vom „Gasthaus zur Dankbarkeit“ in Podersdorf zum Beispiel.

https://dankbarkeit.at/gerichte/

3Früher wußte man gar nicht, woher der Pfeffer kam, wie in diesem Zeitungsartikel nachzulesen ist. Von da her rührt wohl die Redewendung, man gehe doch dorthin, wo der Pfeffer wächst.

https://www.profil.at/wirtschaft/reden-wir-ueber-pfeffer-herr-kotanyi/401864282

4Kotányi :

https://www.kotanyi.com/at/de/gastronomie/produkte/pfeffer/


An dieser einfachen, aber genialen Speise, die sich bis zum heutigen Tag erhalten hat, möge man erahnen, was man an jüdischem Geist für immer verloren hat.

Iceberg Soup

Im Norden wenn die Gletscher kalben, spalten sich große Eisbrocken ab, die Icebergs. Mit großer Wucht klatschen diese Riesen ins tiefe Wasser. Drüben in Tirol gehen Lawinen ab; eine um die andere braust mit großem Getöse ins Tal. Sehr imposant zum Anschauen (wenn auch gefährlich) – davon sind wir meilenweit entfernt. Aber dafür haben wir die Icebergs in der Suppe!

Icebergs are large chunks of ice that break off from glaciers. This process is called calving.

The National Geographic

Unsere Iceberg Suppe war eine Hühnersuppe mit Champignons, Fisolen, Erbsen, Navetten und zerkleinertem Suppengrün. Und Hühnerfleisch selbstverständlich. Darüber gestreut wurden Backerbsen. Die Icebergs waren tiefgekühlte Hühnerbrühe, das heißt konzentrierte Hühnersuppe; sie wurde eingekocht, dieser Prozeß dauerte gestern 9 Stunden. Und dann wurde die Hühnersuppe portioniert in der Silikonform für Financiers und eingefroren. Mit diesen Icebergs haben wir nun für eine Weile Hühnersuppe auf Vorrat.


Iceberg Soup – wo die Eisberge schwimmen in der Suppe.


Iceberg Ahoi! Iceberg ahead.


Bei uns gibt es kein Haar in der Suppe, dafür gleich ganze Icebergs!


Quelle des National Graphic Zitats:

https://education.nationalgeographic.org/resource/iceberg

Minestrone für harte Zeiten

Der Hartung1 zieht ins Land… Zeit für Kohl, der im Freien wächst, wenn‘s draußen friert. Diese Minestrone ist eine Spezielle: sie wurde entwurzelt und in nördlichere Gefilde versetzt, aber nicht ihres italienischen Flairs beraubt. Hartung nannte man früher den Januar. Nun, bei Außen-Temperaturen von locker-flockigen 9 Grad kann man nicht gerade von einem harten Winter sprechen: aber vielleicht bringt ja der Jahreswechsel noch was Härteres… Hartung hilf!

Die Küchenfee und ich wünschen euch allen… Prosit? Neujahr!

Wenn draußen ohne Unterlaß Trunkenbolde ihre Feuerwerkskörper sprengen, dann muß Silvester sein. Da schließen wir uns ein im trauten Heim und produzieren unseren höchsteigenen Theaterzettel: wir geruhen uns die Fledermaus von 1972 vorzuführen, zum 50 Jahre Jubiläum sozusagen, als weiland Otto Schenk den Frosch mimte. Die DVD wurde bereits hergerichtet. Zuvor noch die Zauberflöte mit der Gruberova als Königin der Nacht. Und etwas Rameau zum Drüberstreuen.

Am Neujahrstag früh aufzustehen, ist schlechterdings unmöglich. Da gibt’s dann gradmal ein Gabelfrühstück zur Live-Übertragung des Wr. Neujahrskonzerts aus dem Musikverein. Dieses Servis genehmigen wir uns jedes Jahr.

Minestrone für harte Zeiten (Rezept)

Mittelgroßer Topf: 2 rote Karotten, 1 gelbe Karotte, 2 lila Karotten, 1 Kohlrabi, ein Viertel Sellerieknolle, 4 gelbe Rüben und einen halben Wirsing, einen kleinen Bunde Petersilie und Salbei. Das Gemüse putzen, zerkleinern. Einen geräumigen Kochtopf mit Wasser aufsetzen und die Gemüseabfälle hineingeben, Lorbeerblatt, Pfeffer, getrockneter Liebstöckl und Wacholderbeeren. Salbei- und Petersilienstängel dazugegeben, köcheln, lassen, man bekommt eine Gemüsebrühe. Großer Topf: Einen Lauch in feine Scheiben schneiden, 6 Knoblauchzehen reiben und 4 EL Olivenöl hellbraun anbraten. Das Gemüse dazugeben und mitbraten. 3 EL Tomatenmark hineingeben, 3 Minuten mitbraten. 2 TL gemahlenen Kümmel hineingeben. Mit der Gemüsebrühe aufgießen (die Gemüsebrühe aus dem mittelgroßen Topf abseihen). Mit Salz abschmecken , 2 EL Leinöl dazugeben und auf kleinerer Flamme bißfest köcheln. In der Zwischenzeit Petersilie feinhacken und die Salbeiblätter frittieren. Den Parmesan grob raspeln. Zum Schluß die Petersilie hineingeben, anrichten mit dem frittierten Salbei und dem geraspelten Parmesan.


1 für Januar von hart im Sinne von hart gefroren.

Vergleichende (Eß-)Kulturwissenschaft: Kräuterbutter beim Steak

Dieses Mal eine Premiere! Zum ersten Mal aus dem Bitter-Kochbuch, und dann gleich zwei! Wir hatten uns für das Steakrezept mit der Fernet-Branca-Kräuterbutter entschieden, weil wir letztens eine Kräuterbutter „Café de Paris“ probiert hatten, von der wir begeistert waren. Die Fernet-Branca-Kräuterbutter ist auch sehr gut.

Karottensuppe mit Earl Grey, Kardamom und Zitronen-Dill-Gomasio

Nach einem Rezept aus Bettina Matthaei, Bitter, wie ebendort auf S, 24. Hier war das Bittere der Earl Grey.

Rostbraten mit Ofenkartoffeln und Fernet-Branca-Kräuterbutter

Nach einem Rezept aus Rezept aus Bettina Matthaei, Bitter, wie ebendort auf S, 24. Wir hatten kein „Hüftsteak“ sondern einen Rostbraten vom Angus, auch kein Rind von Traurigkeit. Hier war das Bittere die Fernet-Branca-Kräuterbutter.

Dazu ein Rucola-Chicorée-Salat mit Orangen nach eigenem Rezept.

Danach Orangen.

Der bittere Geschmack

Das Bittere ist ein Geschmack, an den wir uns noch gewöhnen müssen. Die Suppe war überraschend gut, den Tee hat man nicht herausgeschmeckt, aber für das Bittere hat man über die Karotte hinaus Süßkraft gebraucht, deshalb kommt wohl auch noch der Agaviendicksaft hinein.

In dem Buch gibt es immer einen Pol und Gegenpol, also Bitter bekommt einen kleinen Gegenpol Süß. So ist es ja auch umgekehrt, z.B. kommt beim Guglhupf etwas Salz dazu, um das Süße zu betonen. Nun wird also das Bittere mit Süßem betont. Ob das gut geht, steht zur Diskussion; denn schließlich und endlich war bisher der bittere Geschmack immer ein Warnzeichen dafür, daß etwas giftig ist. Da müssen wir wohl noch etwas warten, bis es Klick macht. Aber zum Beispiel beim Bier schmeckt es mir, das Bittre: im Pils.

Erst ablehnen, dann lieben

Bettina Matthaei im Bitter-Kochbuch auf S. 012 (Das Buch hat dreistellige Seitennummern, mit führenden Nullen, als wäre es aus dem Konsolen-Printer DECwriter gefallen.)

Bordeaux

Dazu ein Glas Bordeaux. Ein Medoc. Ich glaub, ich mag einen Pomerol lieber. Letztens hatte ich versehentlich einen Merlot gekauft, in der Annahme einen Bordeaux zu kaufen. Nun, er war ja aus Bordeaux. Also nächstes Mal einen Pomerol probieren. Oder war es ein Saint-Emilion, der mir seinerzeit so gut geschmeckt hat? Man weiß es nicht…. Probieren, probieren, probieren.

Aber vielleicht verträgt sich auch nur der Wein nicht mit dem bitter schmeckenden Essen. Es gibt im Bitter-Kochbuch auch „Flüßig-Bitter“. Damit müssen wir uns noch auseinandersetzen.

Andererseits ist besonders im Rotwein ein Bitterstoff enthalten, das Tannin; also müßte doch roter Wein durchaus zu bitter schmeckenden Speisen passen.

Rote Suppe

Rote-Bete-Suppe mit scharfer Radieschen-Kresse und erfrischendem Joghurt. Gesund, schnell und einfach, das man vorbereiten kann, keine ausgefallenen Zutaten.

Rezept

2 rote Bete (ca. 1/2kg insgesamt) im Backrohr vorgaren, bis sie weich sind (ca. 1 Stunde bei 180 °). Die rote Bete herausnehmen, schälen, würfeln. 2 gehackte Schalotten, 3 in Scheiben geschnittenen Knoblauchzehen in 1 EL Olivenöl anschwitzen. Die gewürfelte rote Bete dazugeben, mit ca. 600 ml Gemüsebrühe, die wir gemacht haben, aufgießen und zugedeckt 5 Min. köcheln. 2 EL (ca. 60 g) Mandelmus und 3 EL Balsamico-Essig einrühren, weitere 2 Min. köcheln und dann pürieren. Mit Salz abschmecken. Mit Joghurt und Radieschen-Kresse anrichten.

Nach Dr. med. Anne Fleck, Gesünder geht`s kaum, S. 108

Karfiolsuppe und Kukuruz

Diese Woche hatten wir uns vorgenommen, nur Suppe zu essen, es ist immer etwas dazwischen gekommen. Am Montag haben wir noch das Flanksteak gegessen, am Dienstag wurde vorbereitet für Mittwoch: Tomaten-Risotto mit Schnitzel à la Jamie Oliver aber nicht für uns, für uns nur Aufstriche, am Mittwoch blieb die Küche kalt, da wurde Liptauer gemacht, auf die ungarische Art, für das 30-Jahre-Jubiläum (Werkstatt, Auto) am Donnerstag wurde dort gegessen, am Freitag sind wir Essen gegangen. Am Samstag gab’s nur Toast nach dem Börsetag. Deshalb gibt es heute Sonntag, also am hochheiligen Tag des Sonntagsbratens ausnahmsweise mal eine Karfiolsuppe. Alles selbstgemacht versteht sich.

Diese Woche kam die Lieferung mit dem spanischem Olivenöl.

Einschub: Rezept

Drei kleine Schalotten in Olivenöl anschwitzen, einen mittelgroßen geschälten Erdapfel und einen halbe Karfiolkopf auf Röschen aufteilen und dazu geben, mitkochen. 6 grobgehackte Knoblauchzehen dazu geben und mit einem Liter hausgemachter Gemüsebrühe aufgießen. Den Karfiol weichkochen, 2 EL Creme fraîche einrühren und mit dem Standmixer pürieren. Für danach: Kukuruz weichkochen und in einer Pfanne mit brauner Butter und mit Knoblauch braten.


Außerdem wurde eine Küchenschere bestellt; zur Auswahl standen: die Standardküchenschere um 11 Eur oder eine Marken-Küchenschere drei Mal so teuer. Ich kaufe nichts „Made in China“ und wenn es noch so billig ist. Nichts aus einem totalitären Land und wenn sie es mir nachwerfen. (Naja, dann natürlich schon gar nicht.)

Küchenschere mit Friodur-Härtung, Fa. Zwilling, MADE IN GERMANY

Hafer- und Pastinakensuppe (verkehrte Welt)

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Das ist ja völlig verkehrt herum! Im Frühling vor Ostern ist Fastenzeit. Im Sommer, wenns heiß ist und man eh keinen Hunger hat, nicht. Daher haben wir beschlossen, die Sache umzudrehen. Als Grundlage von Fastensuppen braucht man eine Gemüsesuppe. Also wurde der Riess (hellblauer Kochtopf mit ordentlich Fassungsvermögen: 8 L ) vom Kuchlkastl heruntergeholt und los gings. Wenn die Suppe nicht abgeschmeckt ist, also kein Salz, sagen wir dazu Gemüsebrühe. Die Gemüsebrühe wurde am Vortag aufgesetzt. Bis in die tiefen Abendstunden hinein ließen wir sie leise vor sich hin köcheln.

Am nächsten Tag gab es dann als erste Ausprägung einer Fastensuppe: Pastinakensuppe. Einen kleinen Lauch, eine kleine Kartoffel, drei große Pastinaken, alles gewürfelt, in einem Topf mit einem TL Olivenöl anrösten. Mit 700 ml Gemüsebrühe aufgießen, Salz und Knoblauch dazu geben, weich kochen. Pürieren. 100 ml Hafersahne einrühren. Anrichten: Mit Leinöl beträufeln und mit Petersilie bestreuen.

So und wir widmen uns wieder anderen Sachen.

Zum Frühstück: Hafersuppe mit Banane: Haferdrink mit Wasser erwärmen. Haferflocken und Bananenscheiben dazu geben, 5 Minuten wärmen. Etwas Tonkabohne (die Alternative zu Vanille) abreiben, pürieren. Fertig. Wer will, kann etwas Zimt darüber streuen.

Hähnchen-Nudel-Suppe (Jamie Oliver)

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Mit Ingwer, statt Redang-Gewürz den Rest der Korma-Paste, und knackiges Gemüse, bei uns gab es dazu rote Paprika, Zucchini. Melanzani, Sojabohnen, Erbsen, Shiitake-Pilze und den Minimaiskolben. Shiitake-Pilze sind kein Gemüse? Tja, wir haben noch ein paar Pilze hineingeschmuggelt. Tschuldigung, Jamie! Das ist aus dem „7 mal anders“-Kochbuch, Themenbereich „Hähnchenbrust“.

Strategem № 1: Aus der Not eine Tugend machen

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Aufgrund eines Totalausfalls bedingt durch Corona konnten wir dieses Mal unsere samstägliche Tour zu den Stätten der Kulinarik in Wien nicht durchlaufen, das hat aber auch etwas Gutes: so kamen wir auf das Gurkerl, ein Unternehmen, das es sich zur ehrenvollen Aufgabe gemacht hat, allerlei Delikatessen prompt und zwar ohne Umständ zu liefern, was man sich sonst erst mühsam erlaufen müßte. Zum Beispiel einen Curry-Ei- oder einen Linsen-Aufstrich vom Schwarzen Kameel, einem Restaurant und seit 1618 eine Spezerei mitten in Wien; oder einen Guglhupf vom Café Landtmann gegenüber vom Burgtheater, das liegt auch nicht gerade auf unserem Weg. Das alles hätten wir an einem Samstag nie derglengt. Ich bin ja der Meinung, daß die Lieferdienste den Supermärkten über kurz oder lang sowieso das Wasser abgraben werden; es macht ja auch wirklich überhaupt keinen Sinn, x Supermärkte abzugrasen, im digitalen Zeitalter, nur um festzustellen, daß auch im letzten Einkaufstempel das gewünschte Produkt leider gut aber aus ist; wie mir das letztens passiert ist, als ich ein Packerl Oatly Barista besorgen wollte. Das Gurkerl hats. Die letzten Katzenzungen (auf ungar. genannt Macska nyelv [motschko njelv] hat das nicht einen liaben Klang…) vom Schwarzen Kameel haben wir erwischt, ohne uns je vom Diwan zu erheben. Wichtig ist allerdings neben guten Produkten, vernünftigen Preisen und prompter Lieferung ein gescheit aufgebauter Onlineshop; das sehe ich beim Gurkerl gegeben. Das ist nicht selbstverständlich, es gibt genug schlechte Beispiele, shöpping.at ist eines davon, dort haperts an allem. Onlineshoppen spart Zeit und Nerven, das Verkehrstohuwabohu, die Zahrerei mit den Einkaufssackeln und das Gfrett mit den Leuten … ist alles nicht notwendig. Na vielleicht das Plauscherl in der Fleischerei würd uns schon abgehen, aber: daß wir unsere Spezialgschäftln wie Ringl und Eishken Estate aufgeben, hab ich ja nicht gesagt. Den Gang zum Supermarkt können wir uns schenken.


Die Suppe von heute wurde gemacht aus einem Steirerhendl von Gurkerl.at. Die Brust wurde paniert und auf einer anderen Assiette serviert. Fleisch von der Keule und Karkassen sind in die Suppe gewandert. In die Suppe kamen noch Karotten, Champignons, Erbsen und Nudeln. Ist alles vom Gurkerl außer den Nudeln.