Weil grad Eierschwammerlzeit ist: Im Eierschwammerlgulasch vereinigt sich Cis- mit Trans-Leithanien. Das Gulasch, das Paradegericht aus Ungarn, wird hier abgewandelt, statt Schweinefleisch kommen Eierschwammerl hochdeutsch Pfifferlinge rein, dazu gibt es Semmelknödel.
Kategorie: Österreich
Vom Risotto zum Orzotto (mit Schaferino und Zucchini)
Mit Rollgerste, diesem früher unverzichtbaren Nahrungs-Wundermittel, das sich chamäleonartig an viele Gerichte anpasst, heutzutage nur mit der Nudel vergleichbar und das mittlerweile in Vergessenheit geraten ist – nur in verschwiegenen Regalen ländlicher Supermärkte ist es noch zu finden – machen wir ein heimliches himmlisches Vergnügen, abseits vom kulinarischen Mainstream. Üblicherweise macht man mit Rollgerste Suppen und Eintöpfe. Als ob wir die Vielseitigkeit dieses Nahrungsmittels unterstreichen müssten, was absolut nicht notwendig ist, machen wir Orzotto, ein vom Risotto abgeleitetes Gericht, das statt Reis mit Rollgerste, italienisch orzo, gemacht wird. Dazu kommen Zucchini und Schaferino. Dieser Schafkäse österreichischer Provenienz hat nichts mit dem italienischen Pecorino zu tun, er wird zwar auch aus Schafrahmmilch gemacht, aber nicht in Italien. Ein angerösteter Zucchini, Schaferino, den wir im Hofladen bei Hautzinger in Tadten im Burgenland gekauft haben, und die Rollgerste ergeben ein wunderbares, einfaches, ländliches Gericht. Vergleichbares bekommt man nirgendwo.
Rustikales, sommerliches Buffet
Hohe Sandwich
Das Toastbrot entrinden. Die erste Brotscheibe mit Mayonnaise bestreichen. Der Belag wird wie folgt aufgeschichtet: geräucherte Käsescheiben, dünn aufgeschnittene Tomaten, Gurken, Mayonnaise und gekochte Eier, grob gehackte Kräutermischung und eine Schinkenscheibe. Dann eine Toastbrotscheibe darauf legen. Nächste Schicht bestehend aus: Frischkäse, frisch geraspelter Kren, eine Scheibe geräucherter Kuhmilch-Schnittkäse (Bergbaron), gegrillte und enthäutete rote Paprikascheiben, Schinken, Gurken, gekochte Eier, Mayonnaise und mit Toastbrot abschließen. Den Sandwichturm vierteln und mit einem Spieß mit einer mit Knoblauch gefüllten Olive aufspießen.
Schafkäse-Spieß
Schafkäse in Würfel schneiden, panieren, frittieren. Mit Knoblauch gefüllte Olive, eine Scheibe mit gegrillte und enthäutete Paprika und mit dem frittiertem Schafkäse aufspießen. Mit Mayonnaise und klassischem Pesto servieren.
Windbeutel
80 g Butter und 20 ml Wasser aufkochen. 120 g Mehl auf ein Mal einrühren, den Herd zurück drehen und mit dem Holzlöffel rühren, bis der Teig sich von der Topfwand ablöst. Auskühlen lassen. Nacheinander drei Eier einarbeiten. In eine Spritztüte füllen. Kleine Röschen auf Backpapier spritzen. Bei 200 Grad 15 Minuten im Backrohr backen. Auskühlen lassen. Die Creme: 2 EL heißer Milch, 60 g Blauschimmelkäse darin auflösen, vom Herd nehmen, mit 200 g Frischkäse zusammenrühren. Mit einer Kräutermischung abmischen. In einen Spritzbeutel füllen. Die Brandteigkrapfen halbieren. Mit der Käsemischung füllen.
Mini-Burger
2 EL lauwarmer Milch, eine Prise Zucker mit 7 g Trockengerm aufgehen lassen. 80 g Butter mit einem Ei und 20 g Zucker schaumig rühren. ½ kg Mehl und 200 ml lauwarmes Wasser mit dem Knethaken verrühren und dann die Germmischung dazu geben. Eine Stunde gehen lassen. Kleine Kugeln machen, mit Ei bestreichen und mit Sesam und Schwarzkümmel bestreuen. Bei 200 Grad im Backrohr backen, bis die Burger bräunlich knusprig sind.
Faschiertes für die Mini-Burger
Das faschierte Fleischmit angeröstetem Zwiebel, Eil, Pfeffer, rotem Paprikapulver und Kümmel gut vermischen. Kleine Pattys formen, in der Pfanne braten.
Die Hälfte der Buns mit Tomaten-Walnuss-Pesto bestreichen. Schicht: Basilikumblatt, eine Scheibe Tomaten, Gurken, nochmal Tomatenpesto, das Patty, rote Zwiebelringe, eine kleine Scheibe Käse und den Deckel drauf.
Die andere Hälfte der Buns mit Mayonnaise bestreichen, mit Endiviensalatblatt, Tomaten, Gurken, Patty und Käse, rote Zwiebelringe, Deckel drauf.
Käsebrote
Das selbst gebackene Baguette in Scheiben schneiden und mit Pesto bestreichen. Mit Endiviensalat und gelben Tomaten belegen. Ein Stück Ziegenkäse darauf legen, in dünne Scheiben geschnittene Gurken. Und mit in kaltem Wasser abgelegenen Radieschenscheiben belegen.
Dazu kommen noch Prosciuttomelonen, aber dafür schreiben wir kein Rezept auf.
Weinbegleitung: Roter Traminer, Neumeister, 2017, Ried Steintal
T-Bone-Steak mit Romanescosalat und Kukuruz
Ein T-Bone-Steak à 1 kg reicht für etwa 2 bis 3 Personen. Zum ersten Mal Fleisch aus dem Internet bestellt und es hat geklappt, auch die Abrechnung war grammgenau, das Zuviel wird sofort zurücküberwiesen. Gut abgehangen schmeckt das T-Bone-Steak herrlich. So kann man sagen, es wurde in Österreich groß gezogen, geschlachtet, zerlegt und: zernagt. Ohne Pfeffer, irgendwelchen Marinaden oder BBQ-Saucen, das braucht man nicht. Diese erweisen sich als überflüssig, nämlich dann wenn die Grundzutat, das Fleisch, von hoher Qualität ist. Wir haben das Steak in Tranchen serviert.
Zubereitung Das T-Bone-Steak eine Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen, um es auf Zimmertemperatur zu bringen. Dann salzen, mit wenig Olivenöl beträufeln und damit einreiben. Die gußeiserne Grillpfanne bei höchster Temperatur vorheizen. Wenn sie zu rauchen beginnt, das Fleisch einlegen, 6 Minuten lang, wenden und nochmals 6 Minuten lang grillen. Dann die Seitenkanten grillen und anschließend 10 Minuten ruhen lassen, im Backrohr aber auch draußen bei Zimmertemperatur, damit die Wärme durchziehen kann. Und die Fasern sich entspannen.
Dazu einen Romanescosalat mit Tomatenraritäten, wie hier. Und einen gekochten Maiskolben mit Kräuterbutter und in der Pfanne gebratene Eierschwammerl.
Für den Romanescosalat: Alain Ducasse & Paule Neyrat “Ducasse Nature einfach, gesund und gut”, S. 189
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Lachsforelle mit den drei königlichen K
Kaviar, Kohlrabi und Kürbis sind die drei Zutaten, die die Lachsforelle zu einem der schönsten und schmackhaftesten Gerichte veredeln. Man muss nur die Lachsforelle konfieren, den Kohlrabi dünsten und mit Kürbiskern und -öl anrichten. Mehr Details im Folgenden.
Schwarzer Käferbohnen-Rindfleischsalat
Mit Rindfleisch vom Schwarzen Scherzel und schwarz-gefleckten Käferbohnen, mariniert mit feinem Chardonnay-Essig und schwarzem Kürbiskernöl. Man könnte ihn auch mit frisch geriebenem Kren überzuckern. Radieschen, rote Zwiebel und die Jungzwiebeln sind aber scharf genug.
Wiener Backhendl mit Kartoffel-Vogerlsalat
Eine Pfanne mit ordentlich viel Schweineschmalz heiß machen.
Panieren: Hühnerstücke salzen, in Mehl wenden, abklopfen, durch ein verschlagenes Ei ziehen, abtropfen lassen, in feinen Semmelbröseln wenden. Backen: Sogleich in der vorbereiteten Pfanne in heißem Fett ein paar Minuten herausbacken.
Dazu Kartoffel-Vogerlsalat, also Blätter vom Feldsalat in einer warmen Marinade aus Hesperidenessig, Sonnenblumenöl und grobkörnigem Senf mit gekochten Kartoffeln und frisch geschnittenen roten Zwiebeln servieren.
1.000 traditionelle Weihnachtskekse
Bis auf die Matcha-Kekse, die neu waren, haben mir alle Kekse geschmeckt. Ob Linzer Augen, Vanillekipferl oder Orangenkekse: Kekse haben eine lange Tradition bei uns. Unsere für Weihnachten gebackenen Kekse gehen auf die Biedermeierzeit zurück, also auf eine Zeit aus der ersten Hälfte des vorvorigen Jahrhunderts 1815 bis 1849 oder auf die Zeit der Wiener Ringstraßenepoche um 1890. Das ist schon ziemlich lange her und da sie sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreuen, sind es traditionelle Kekse. Die Bezeichnung „Tradition“ hat eine besondere Bedeutung. Dabei ist es ganz unerheblich, wer ursprünglich tatsächlich diesen oder jenen Weihnachtskeks zum ersten Mal backte. Auf dem millionenfach verkauften, 2011 erstmals erschienenen Christmas-Album von Michael Bublé gibt es drei Songs, die mit dem Vermerk „Traditional“ versehen sind. Es sind „Jingle Bells“, „Ave Maria“ und „Silent Night“ (Stille Nacht, heilige Nacht). Nichtsdestotrotz haben diese Lieder einen Komponisten, der sie schuf. „Ave Maria“ ist von Franz Schubert, geboren 1797 in Wien und gestorben 1828 ebenso in Wien. Der andere, mir bekannte Komponist ist der von „Stille Nacht, heilige Nacht“: Franz Xaver Gruber, geboren 1787 in Unterweitzberg, Oberösterreich, gestorben 1863 in Hallein, Salzburg. Der Vermerk „Traditionell“ ist eine diese Lieder adelnde Auszeichnung, der darauf hinweist, dass sie die Zeit überdauert haben, dass sie in den ewigen Kanon unserer westlichen Kultur aufgenommen wurden, sie sind unvergängliches Kulturgut. Diese Lieder sind eingesickert in unsere Kultur, die durch das geistige und kulturelle Erbe unserer Ahnen begründet ist. Sie erschufen unter anderem diese Lieder, nicht jeder kennt die Urheber, doch ist ihr Vermächtnis Teil unseres unbewussten, kulturellen Gedächtnisses. Bei unseren Weihnachtskeksen verhält es sich genauso. Man kennt ihre Erfinder nicht, doch haben sie Bestand und gehören zu unserem kulturellen Erbe. Sie sind nicht dem Zeitgeist ausgesetzt, der kommt und wieder geht, sie bestanden den Test der Zeit. Gegen solche Kekse ist es schwer, anzukommen. Die Matcha-Kekse waren einen Versuch wert. Etwa 20 traditionsreiche Kekssorten wurden gebacken, wenn man von den glutenfreien Varianten absieht, von jeder Sorte im Schnitt 50.
Wiener Backhendl mit Erdäpfel-Vogerlsalat
Wir sind, was wir essen. Das Backhendl ist so typisch für das Land, in dem ich lebe, es ist nicht daraus wegzudenken. Es wird einfach serviert ohne viel Schnickschnack, das aber gut. Das ist Wiener Küche: das Wesentliche steht im Mittelpunkt. Für die gediegene Esskultur muss nur ein weißes Tischtuch her, das genügt als Aufputz. Ein mit einem weißen Tischduch gedeckter Tisch, darauf ein schlichter Teller mit einem Backhendl und einem Erdäpfel-Vogerlsalat, angemacht mit Kürbiskernöl, mehr braucht es nicht. Wir haben das Hendl nicht ausgelöst, sondern das Fleisch am Knochen gelassen. So hat man auch noch etwas zum Abnagen.

Erdäpfel-Vogerlsalat Festkochende Erdäpfeln in Salzwasser bissfest kochen. Noch heiß schälen und in Scheiben schneiden und in eine mit einer Knoblauchzehe innen ausgeschmierte Schüssel geben und mit heißer Rinderbrühe verrühren. Hesperidenessig, Traubenkernöl, Senf, Salz und Pfeffer glattrühren, zu den Erdäpfeln geben, gründlich mischen und ziehen lassen. Eine in fein gehackte rote Zwiebel unter den Salat mischen und abschmecken. Für den Vogerlsalat die Marinade vorbereiten, aus Kürbiskernöl, Apfelessig und Salz. Backhendl das Wildhuhn zerlegen, die Ober- und Unterschenkel, Brust und Flügerl panieren, in Öl ausbacken, auf Küchenpapier abtropfen lassen. Anrichten Erdäpfel- und Vogerlsalat auf einen Teller legen. Mit der Kürbiskernölmarinade beträufeln und das Backhenderl dazu reichen.

Waldviertler Martini-Gansl wie früher
Früher leistete man sich etwas, wenn man zu Martini bei einem Ganslessen dabei war. Als es noch keine TK-Gans im Supermarkt gab, hat man sich ein Jahr lang darauf gefreut – und fleißig gespart, um sich ein Ganslessen leisten zu können. Zu diesem Zweck ist man im örtlichen Wirtshaus einem Sparverein beigetreten. Die Verwaltung der Gelder wurde einer vertrauenswürdigen Person, dem Kassier, übertragen, sodass dieses übers Jahr oft vom Mund abgesparte Geld auch tatsächlich am Ende des Jahres, am Auszahltag, meist im November Dezember in der Martiniganslzeit, zur Verfügung stand. „Das Gansl ist da!“ war Ausdruck höchster Glückseligkeit und Bestätigung für die reibungslose Funktion einer Institution, die es heutzutage nur noch selten gibt. Der Sparverein ist eine für unsere Lebensart wie sonst nur das Schweinsschnitzel und der Veltliner stehende Institution, die längst ausgestorben ist. Nur am Land, vereinzelt in irgendwelchen Herrgottswinkeln, trifft man sie noch an. Aber wofür sollte man auch sein Erspartes in einem Sparverein anlegen, wenn doch alles und jedes Erdenkliche an jedem Eck zur Verfügung steht? Und das zu enorm tiefen Preisen. Heutzutage kann man sich ohne weiteres mehrmals im Jahr ein Ganslessen leisten. Eine Gans aus der TK-Truhe kostet nur einen Bruchteil, etwa ein Viertel, von einer Gans, die wie früher aufgezogen wurde. Nur schmeckt es halt nicht so gut wie eine Gans, die sich das Jahr über die Füße auf der Weide vertreten hat und die gemütlich durch den Teich geschwommen ist. Die über den Hof gewatschelt ist und sich von Gras und Kräutern ernährt hat, in echt und nicht nur in der Werbung. Wir hatten eine Martinigans aus dem Waldviertel, die so, wie es früher einmal war, auf der Weide gehalten wurde. Mit Knödel von Erdäpfeln aus dem Waldviertel und natürlich Rotkraut.
















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